Mai-Kundgebung in Erding Solidarisch für mehr Gerechtigkeit

Viel Arbeit für wenig Geld: So ergeht es laut Claudia Weber vor allem den Beschäftigten in der Pflege und im Einzelhandel.

(Foto: Renate Schmidt)

Claudia Weber spricht bei der Veranstaltung des DGB Kreisverbandes

Von Antonia Steiger, Erding

Den Kampf für mehr Gerechtigkeit am Arbeitsplatz hat Claudia Weber, die stellvertretende Geschäftsführerin von Verdi München und Region, in den Mittelpunkt ihrer Mairede gestellt. Sie rief die Zuhörer im Hotel Henry zu Solidarität auf. "Wir müssen handeln. Wenn wir es nicht tun, dann tut es keiner." Und: "Je mehr wird sind, desto besser." Die Veranstaltung war eine der drei Kundgebungen des DGB-Kreisverbandes Erding- Freising, die anderen fanden in Freising und Moosburg statt. Weber prangerte die Lohnungerechtigkeit an zum Beispiel in der Pflege.

Weber sagte, in den Kliniken fehlten 70000 Mitarbeiter und in der Altenpflege 30000. Dies gehe nicht nur zu Lasten der Kranken und Pflegebedürftigen, sondern auch zu Lasten der Pfleger. Sie müssten die Auswirkungen der Personalknappheit tragen. "Der Druck ist nicht mehr ertragbar." Die Forderung, mehr Pflegekräfte aus dem Ausland zu holen und einzustellen, unterstütze sie nicht nur. "Diese Pflegekräfte sind ja schon da." Sie gingen aber lieber nach Norwegen, wo die Bedingungen wesentlich besser seien: Dort käme eine Pflegekraft auf durchschnittlich vier bis fünf zu Pflegende, in Deutschland müsse sich eine Kraft um durchschnittlich mehr als 13 Menschen kümmern. Weber beklagte einen Trend zur Entsolidarisierung, die Tarifflucht bei den Arbeitgebern und einen wirtschaftlichen Wettbewerb, der zu Lasten der Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich gehe. Unter anderem forderte sie eine gesetzlich festgeschriebene Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel, wo viele Frauen im Niedriglohnbereich arbeiteten. Sie befürwortete es, dass die Arbeitszeiten verstärkt in den Fokus geraten seien. In mehreren Tarifverträgen seien Wahlmöglichkeiten eingebaut, so dass Arbeitnehmer für bestimmte Zeiten ihre Arbeitszeit verkürzen könnten. Den Fokus auf die Arbeitszeiten zu richten, sei um so wichtiger, weil es im Zuge der Digitalisierung lauter werdende Rufe nach einer Flexibilisierung gebe: nach der Abschaffung des Acht-Stunden-Tages, nach der Aufhebzung der Begrenzung der täglichen Arbeitszeit und nach einer Verkürzung der Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen von elf auf neun Stunden.

In seinem Grußwort hatte OB Max Gotz (CSU) anfangs eine größere Differenzierung bei Tarifverträgen "im Sinne der Arbeitnehmer" gefordert. Die selben Gehaltsstrukturen für die Oberpfalz und die Münchner Region halte er "für schwierig", wie er sagte. Er sprach auch die Wohnraumknappheit in der Region an und wiederholte, was er schon an anderer Stelle gesagt hatte: "Die kommunale Familie wird dieses Problem alleine nicht schultern." Er wünsche sich, dass es der Stadtpolitik gelinge, die soziale Balance in Erding zu halten.