Langenpreising "Schulden bis zum Hals"
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Um den gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz erfüllen zu können, muss Berglern tief in die Tasche greifen. Langenpreising richtet eine gemischte Gruppe mit Kindergartenkindern ein
- Auch wenn in Berglern Zuversicht herrscht, dass sich mit dem Münchner Bürgerentscheid die Sache erledigt hat - allein das Thema dritte Start- und Landebahn hat den Ort in seiner Entwicklung weit zurückgeworfen. Die Ausbaupläne haben sogar Auswirkungen auf die Tatsache, dass Eltern ab dem nächsten Kindergartenjahr ein Krippenplatz gesetzlich zusteht. Dafür muss Berglern tief in die Tasche greifen. Der Nachbarort Langenpreising dagegen kann die Dinge gelassen angehen.
Berglerns Bürgermeister Herbert Knur rechnete dem Gemeinderat vor, dass 2013 für rund 40 Kinder ein Krippenplatz gebraucht wird - derzeit sind es 24. Das bedeutet, es muss eine neue Gruppe geschaffen werden, die aber in einem Neubau untergebracht werden müsste. Die Gesamtkosten schätzte Knur auf rund zwei Millionen Euro, wovon die Hälfte aber über Zuschüsse abgefangen werden könne. Eines ist mit der neuen Gesetzeslage aber sicher: "Irgendetwas müssen wir anbieten", sagte Knur, sonst rolle ein Prozess nach dem anderen auf die Gemeinde zu. Eventuell könne auch eine Containerunterbringung der Kleinen in Betracht kommen.
Dem dritten Bürgermeister Konrad Huber wurde bei dem Gedanken, eine Million Euro selbst stemmen zu müssen, ganz mulmig zumute. Man bürde sich "Schulden bis zum Hals" auf, wisse aber nicht, wie die Situation in drei Jahre aussehe. Der Gemeinderat müsse eine Alternative zu dieser dritten Gruppe finden. Huber: "Bevor ich eine Million Schulden mache, zahle ich lieber für einen Kindergartenplatz woanders". Der zweite Bürgermeister Engelbert Stemmer sah die Lage sogar noch wesentlich schwärzer. Es gehe nicht nur um die eine Million Baukosten. Schon jetzt gebe die Gemeinde jährlich 50- bis 60 000 Euro für Kinderbetreuung aus. Der Staat tue sich leicht, "aber wir schaffen das in der Zukunft finanziell nicht". Notgedrungen müsse deshalb über eine Gebührenerhöhung nachgedacht werden.
Vor einem Jahr hatte die Gemeinde fertige Pläne für ein Dorfzentrum des Landhuter Architekturbüros Nadler und Sperk vorliegen, und denen trauerten Adolf Geier und Albert Furtner nach. Hätte man damals die große Lösung angepackt, hätte man sich den Anbau an den Kindergarten sparen können. Dem widersprach Knur mit dem Verweis auf das Datum 17. Juni 2012, dem Tag des Bürgerentscheids in München. Wäre der anders ausgefallen, wären 400 Flugzeuge pro Tag über Berglerns Mitte hinweggedonnert. Knur: "Was hätten wir da gehört, wenn wir dort einen Kindergarten gebaut hätten?" Nach sechs, sieben Jahren sei jetzt erstmals wieder die Chance gekommen, verantwortungsvoll zu planen.
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Das bedeutet, der alte Plan wird jetzt wieder aufgegriffen. Im Rahmen des damaligen Architektenwettbewerbs hatte die Gemeinde mehr als 60 000 Euro für die Planung ausgegeben. Knur sagte, bei einer Tektur könne man sich diesen Kostenfaktor sparen. Der Hauptausschuss des Gemeinderats will sich deshalb mit dem Architekten besprechen und die Möglichkeiten ausloten, ob und wie der bestehende Bauplan auf die jetzigen Bedürfnisse abgeändert werden kann. Darüber hinaus sollen zusätzlich die Kosten für eine Containerlösung ermittelt werden.
Die Berglerner Sorgen hat Langenpreising nicht. Bürgermeister Peter Deimel schätzt den zusätzlichen Bedarf auf drei bis vier Krippenkinder - und für die ist allemal Platz im kirchlichen Kindergarten. Dabei ist an eine gemischte Gruppe mit bis zu dreijährigen Kindergartenkindern gedacht. Im Parterre der Einrichtung ist ein Raum freigeworden, weshalb ohne weiteres auch die vorgeschriebenen Schlafgelegenheiten im Gebäude mit untergebracht werden können. Das Architekturbüro Pezold ist schon damit beauftragt worden, die notwendigen baulichen Veränderungen zu planen.