Langenpreising Bomben finden lernen

Das Logo von EMC

(Foto: Bauersachs)

Wartenbergs Gemeinderat genehmigt der Firma EMC den Bau eines Schulungszentrums für Kampfmittelräumung. Dort sollen vielleicht schon im nächsten Jahr Minensucher aus dem In- und Ausland weitergebildet werden.

Von Sebastian Fischer, Langenpreising

Als Eveline Zwehn den Telefonhörer abnahm, sagte sie erst mal: Boah. Jedenfalls still, zu sich selbst. Denn immerhin, so erzählt es die Geschäftsführerin der Firma EMC für Kampfmittelbeseitigung, meldete sich am anderen Ende der Leitung ein Regierungsbeamter des Königreichs Kambodscha. Er fragte, ob er seine Mitarbeiter in Langenpreising zur Ausbildung vorbeischicken könnte, in Zwehns Schulungszentrum für das Erkennen und Ausgraben von explosiven Kampfmitteln, Minen, Bomben, Granaten. Hätte er nur jetzt angerufen, denkt sich Zwehn nun, ein paar Monate später. Denn seit Dienstag hat sie vom Wartenberger Gemeinderat die offizielle Genehmigung für den Bau dieses Schulungszentrums. Im Mai 2016 sollen die Arbeiten beginnen.

Zwehn war dabei, als die Gemeinderäte den Plan abgenickt haben: Hinter der Geschäftsstelle in der Pfarrer-Grzondziel-Straße soll ein zweistöckiges Schulungszentrum entstehen, samt 1000 Quadratmeter Übungsfläche daneben. Als sie den Plan endlich abgenickt haben, sagt sie: "Die Bürokratie hat uns viele Nerven gekostet."

Zwehn und ihr leitender Feuerwerker Peter Waffler, der die Einsätze der 20 Mitarbeiter in der Langenpreisinger Firma koordiniert, sind sich einig: Der Bedarf für das, was sie planen, ist groß. Die jüngste Bestätigung war der Besuch einer ukrainischen Delegation, die im Rahmen eines Projekts der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der vergangenen Woche die deutsche Technik und Organisation der Kampfmittelräumung kennenlernte, für den Einsatz in den Krisengebieten in der Ostukraine.

Den Bedarf sehe Waffler allein jedesmal, wenn er mit seinem Team eine Baustelle besucht: Dann macht er Ingenieure mit der Materie vertraut, oder Baggerfahrer, die täglich unvorbereitet auf alte Bomben stoßen könnten. 2012 wurden in Bayern knapp 60 Tonnen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt, 2013 waren es 50 Tonnen. Die Langenpreisinger wollen eine Zusatzausbildung anbieten, auch für Sondengänger, die an der anerkannten Sprengschule in Dresden gelernt haben, denen aber noch die Praxis fehlt.

Im Untergeschoss des Schulungsgebäudes sollen Ausstellungsräume entstehen, eine große Minensammlung lagert bereits im Keller der Geschäftsstelle. Waffler, 1978 im Sprengkommando der Bundeswehr aus gebildet und seit 1980 Feuerwerker, erklärt: "Eine Bombe erkennt jeder. Aber wie eine Zwei-Zentimeter-Granate aussieht, wissen die wenigsten. Und damit passieren die meisten Unfälle." Im ersten Stock soll der Unterricht stattfinden, und auf der angrenzenden Wiese entschärfte Kampfmittel vergraben werden, um auch praktisches Wissen zu vermitteln. Wissen, das auch international benötigt und nachgefragt wird. "Wir hoffen, im Ausland Fuß zu fassen", sagt Zwehn. Sie möchte in Zukunft nicht nur internationale Delegationen einladen, sondern kann sich auch vorstellen, Flüchtlinge zu schulen, die in ihre vom Krieg gezeichnete Heimat zurückkehren möchten. Dort brauche es ja Menschen, die den Wiederaufbau ermöglichen und den Baugrund von Blindgängern freimachen. Das sei ein realistisches Vorhaben, sagt auch Frank Masche, langjähriger Berliner Minenräumer mit internationaler Erfahrung, der den Besuch der ukrainischen in Bayern organisierte. Er hatte schon in Kambodscha für EMC geworben.

Den Bedarf für ein Schulungszentrum will der Langenpreisinger Bürgermeister Peter Deimel gar nicht infrage stellen, im Gegenteil: "Wir sind froh, wenn so etwas bei uns entsteht, es gab keine Gegenstimmen." Die Planung habe sich nur verzögert, weil zunächst eine eigene Zufahrt geplant worden war, jedoch wieder verworfen wurde. Und weil die Nutzungsverhältnisse für das Grundstücke mit dem benachbarten Autohändler geklärt werden mussten. Das ist nun alles ausgestanden. Eveline Zwehn benötigt jetzt nur noch den Vertrag vom Notar. "Wir warten", sagt sie. Doch sie klingt sehr zuversichtlich.