Patienten müssen meist schon nach sechs Tagen das Kreiskrankenhaus Erding verlassen. Die Angehörigen sind mit der Pflege überfordert.
Ob im Falle einer Beinamputation oder eines Schlaganfalles - die durchschnittliche Dauer, die ein Patient im Kreiskrankenhaus verbringt, liegt im im Durchschnitt bei gerade mal sechs Tagen. Früher waren es noch zwei bis drei Wochen. Oft sind die Angehörigen, die sich plötzlich mit der anschließenden Pflege eines kranken Verwandten konfrontiert sehen, mit der Situation völlig überfordert. Sowohl Vertreter des Kreiskrankenhauses Erdings als auch die hiesigen Allgemeinärzte sind sich einig: Die Zustände, denen sich sowohl die Patienten, als auch die Angehörigen, das Klinikpersonal sowie die nachbehandelnden Ärzte ausgesetzt fühlen, sind kaum tragbar.
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Gertrud Fries-Ott, Pflegedirektorin des Kreiskrankenhauses, monierte bereits vergangene Woche bei der Einweihung der zentralen Patientenaufnahme (die SZ berichtete): "Früher wurden wir nach Tagen bezahlt, jetzt werden wir bestraft, wenn jemand länger bleibt." Hintergrund ist die Einführung der Fallpauschale seit 2004. Finanziert wird dabei nur die notwendigste Versorgung der Patienten, sie dürfen also nur so lange wie erforderlich im Krankenhaus behandelt werden.
"Früher wurden die Patienten aus sozialen Gründen noch zwei bis drei Tage im Krankenhaus gelassen, damit sich die Angehörigen um eine ausreichende Pflege kümmern konnten", sagt der Internist Rainer Hart. Gäben die Krankenhäuser heute keine plausiblen Begründungen für eine Verlängerung der Verweildauer, würden Teile der Pauschale abgezogen, so Hart.
Axel Dörr, Allgemeinarzt in Erding, verweist auch auf die Verschlechterung der Rahmenbedingungen in den Hausarztpraxen: Die erhöhte Zahl der Kliniknachbehandlungen verlängerten die Wartezeiten enorm. Die Patienten seien es letztendlich, die darunter am meisten leiden würden. Keinem Arzt ist jedoch ein Fall bekannt, der mit der sogenannten "blutigen Entlassung" vergleichbar wäre. "Dass Patienten blutend, also zu früh entlassen worden wären, kann ich definitiv nicht bestätigen", sagt beispielsweise Rainer Hart.
Die Pflegedienstleitung der Caritas Sozialstation Erding, Manuela Ziegler, bewertet vor allem die Nachversorgung der Patienten durch die Angehörigen als problematisch: "Die Angehörigen wissen oft nicht über die Pflegetechniken Bescheid, in den meisten Fällen ist das heimische Umfeld dem Kranken auch nicht angepasst."
Trotz kürzerer Verweildauer - die Krankenhäuser müssen ihrer Fürsorgepflicht nachkommen: Aus diesem Grund wurde im Kreiskrankenhaus Erding die Stelle des Pflegesozialdienstes mit einer integrierten Pflegeüberleitung eingerichtet, als "zusätzlicher Service für die Patienten", wie Fries-Ott erklärt. Seit Juli diesen Jahres übernimmt diesen Job der Sozialpädagoge Michael Fischer.
Als Kliniksozialdienst kümmert er sich um die sozialrechtlichen Anliegen der Patienten, oft schon vom ersten Tag an. "Wir wollen dem Patienten und auch den Angehörigen eine frühstmögliche Betreuung ermöglichen, mögliche Optionen aufzeigen und ihm so zu seinem Recht verhelfen.", sagte der 34-Jährige. So stellt er Kontakte zu Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen her, vermittelt somit zwischen Patient, Angehörigen und den Behörden. Dabei stehe er stets in Rücksprache mit den Ärzten.
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(SZ vom 11.09.2010/sonn)
Bisher musste man staendig darum kaempfen, nach ein paar Tagen nach Hause entlassen zu werden ("Oh das geht aber nicht, das ist viel zu frueh, dann muessen Sie auf eigene Verantwortung gehen!"), wo man sich viel besser ausruhen kann als im Krankenhaus mit seinem Laerm, seinem Gestank, seinen "guten Morgen, es ist 4.50 Uhr, Zeit zum Fruehstuecken!"-Attentaten und seinen Keimen (wer schon mal bewusst eine Krankenhausputzfrau bei der Arbeit beobachtet hat, weiss wovon ich rede....)
Manchen kann man es wohl nie recht machen.