Jugendkammerorchester Violinissimo "Ein fulminanter Abend"

Der Auftritt des Erdinger Jugendkammerorchesters "Violinissimo" im Wiener Konzerthaus war ein großer Erfolg. Aus der ganzen Welt gibt es weitere Einladungen für Engagements

Von Mathias Weber

Ulli Büsel ringt auch fast eineinhalb Wochen nach dem Auftritt noch nach Worten. Das Konzert des Erdinger Jugendkammerorchesters Violinissimo im Wiener Konzerthaus sei "einfach unglaublich" gewesen, "ein fulminanter Abend", sagt die Leiterin des höchst erfolgreichen und weithin bekannten Nachwuchsorchesters. Der Aufritt in Wien war ein ganz besonderer, und für das Orchester eine weitere Möglichkeit, sich international zu präsentieren.

Auch beim jüngsten Konzert war es so, sagt Leiterin Büsel, dass das Orchester vom Veranstalter angefragt wurde, ob es nicht in Wien vor den 2000 Gästen spielen möchte - und zwar als einziges Orchester, zusammen mit mehreren Chören. Ein "Puzzlespiel" sei es für den argentinischen Dirigenten Saul Zaks gewesen, die insgesamt neun teilnehmenden Chöre aus aller Welt, und dann noch das Jugendkammerorchester, zusammenzubringen. Drei Tage lang haben die Beteiligten intensiv in Wien geprobt - ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, die Sprachbarrieren durch die Musik überwindend. Das Projekt, so Büsel, die nicht an großen Worten spart, sei so zu einem "monumentalen Ereignis für alle Beteiligten" geworden. Und der Auftritt war offenbar ein Erfolg: Im ersten Teil des Konzertes präsentierte sich Violinissimo vor ausverkauftem Saal mit reinem Orchesterprogramm. Nach der Pause betraten die 300 Sänger die Bühne, begleitet vom Jugendkammerorchester. Es erklang die Misa a Buenos Aires ("Misatango") von Martin Palmeri, die Stilelemente verschiedener Kulturkreise miteinander verbindet.

Was für eine Kulisse: Im Wiener Konzerthaus hat das Jugendkammerorchester Violinissimo zusammen mit neun Chören aus der ganzen Welt musiziert - eine einmalige Gelegenheit.

(Foto: oh)

Der Auftritt in Wien war der größte seit dem beim Deutschen Orchesterwettbewerb vor einem Jahr in Ulm, bei dem Violinissimo die höchste Punktzahl erreichte. Seitdem war viel los beim Erdinger Vorzeigeorchester, das bewusst auf einen Dirigenten verzichtet. Nicht unbedingt sei man ständig auf der Bühne gestanden, sagt Büsel, aber man habe viel und intensiv geprobt. Etwa für den Jugend-Musiziert-Wettbewerb, dessen regionaler Vorentscheid kürzlich an der Freisinger Musikschule ausgetragen wurde. Die zehn teilnehmenden Mitglieder des Kammerorchesters, die von Ulli Büsel betreut wurden, erreichten einen 1. Preis, sechs von ihnen mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb und bei vier Mitgliedern wurde sogar die Höchstpunktezahl vergeben. Kein Zufall: "Man muss viel Zeit investieren, damit es klappt", sagt Büsel, und die Probezeit sei eben auch genauso Bestandteil der Arbeit im Orchester wie die Auftritte. Die Anstrengungen lohnen sich übrigens für die Mitglieder: Bei manchen Jungmusikern hat die Beschäftigung mit den Instrumenten mittlerweile in ein Musikstudium gemündet. Das freut auch Ulli Büsel: "Es ist ein großes Glück, mit solchen Talenten arbeiten zu dürfen", sagt sie.

Der Erfolg und die Klasse des Orchesters spiegelt sich auch in den vielen Einladungen wieder, die in Erding aus der ganzen Welt eintrudeln. Dementsprechend gibt es ein paar mehr Auftritte als früher, als noch sehr sorgfältig darauf geachtet wurde, nicht zu viele Engagements in ein Jahr zu quetschen. Schließlich, so Büsel, wolle man sich auf jeden einzelnen Auftritt sehr intensiv vorbereiten. "Sicher wird man nur, wenn man gut vorbereitet ist", sagt die Musikerin.

Was für eine Kulisse: Im Wiener Konzerthaus hat das Jugendkammerorchester Violinissimo zusammen mit neun Chören aus der ganzen Welt musiziert - eine einmalige Gelegenheit.

(Foto: Privat)

Aber die ganze Vorbereitung hilft nichts, wenn es bei den Finanzen hakt - ein Problem, mit dem Violinissimo seit jeher zu kämpfen hat. Reisen ins Ausland sind nur mit Sponsoren möglich, die Tage in Wien hat die Flughafengesellschaft mit finanziert. Andere Einladungen, etwa zu einer Konzertreise nach Spanien, habe man absagen müssen - es scheiterte an den Kosten für die Flüge für die jungen Musikerinnen und Musiker.