Impfstoff deckt nicht alle Virenstämme ab Grippewelle auf dem Höhepunkt

Gesundheit: Derzeit erkranken viele entweder an der viralen Grippe oder an einem viralen Infekt. Die aktuelle Grippe ist hartnäckig und gefährlich.

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Im Landkreis Erding hat es bereits einen bestätigten Todesfall gegeben. Viele Ärzte sind im Faschingsurlaub, ihre Kollegen kommen mit den Behandlungen kaum noch nach, die Wartezimmer sind voll

Von Katharina Kohring

Fieber, trockener Husten, Kopfschmerzen und starkes Krankheitsgefühl: Eine Grippewelle ist im Umlauf und hält die Arztpraxen des Landkreises in Atem. Die aktuelle Welle, die seit Dezember grassiert, hat derzeit ihren Höhepunkt erreicht. Die Zahl der positiven Laborbefunde lag in der sechsten Kalenderwoche um 20 Prozent höher als in der fünften. Nach Angaben des Gesundheitsamtes hat es bereits einen bestätigten Todesfall im Landkreis Erding gegeben.

Sybille Zeitschel von der Allgemeinarztpraxis Theodor Pösl in Wartenberg berichtet, dass am Rosenmontag dreißig Patienten mit Grippe behandelt werden mussten. Aufgrund der Faschingszeit seien gerade viele Ärzte im Urlaub, außerdem sei die Zeit prädestiniert für Erkältungskrankheiten. Auf diese Weise musste ein Arzt der Praxis zusätzlich vier andere Ärzte vertreten.

Wichtig sei es, zwischen der viralen Grippe und dem viralen Infekt zu unterscheiden, sagt Zeitschel. Während beim Infekt die Symptome schleichend kommen und nach drei Tagen meist wieder abklingen, beginnt die virale Grippe sehr abrupt, Betroffenen geht es oft innerhalb weniger Stunden deutlich schlechter, die Symptome sind insgesamt stärker. Hier bestünde oft ein Irrtum. Patienten würden sich gegen Grippe impfen lassen und sich wundern, wenn sie krank werden würden. "Der in den Arztpraxen angebotene Wirkstoff hilft nur gegen die virale Grippe, nicht gegen einen Infekt", erklärt Zeitschel. Impfen ließen sich vor allem ältere Menschen, da eine Grippe bei ihnen schneller lebensbedrohlich werden könne. Generell seien Menschen mit einer Vorerkrankung und einem schwachen Immunsystem besonders gefährdet. Kinder, sagt Claudia Birk von der Gemeinschaftspraxis Dr. Birk in Moosinning, würden nicht so häufig an Grippe erkranken, bei ihnen würde man eher virale Infekte feststellen. Auch sie und ihr Praxisteam hätten derzeit zu kämpfen. Birk bestätigt, dass auch bei ihnen sehr viele Grippepatienten behandelt werden: "Gestern war es happig, da sind wir an unsere Grenzen gestoßen." Das Problem, wie auch in der Praxis Theodor Pösl in Wartenberg: Die vielen Vertretungsstunden, die von anderen Kollegen übernommen werden mussten. Aber Birk nennt auch einen anderen Grund, weshalb die Praxen des Landkreises derzeit so stark überlaufen sind. Dieses Jahr gibt es mehr Grippefälle als üblich. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr verzeichnete das Gesundheitsamt zur gleichen Zeit hundert Fälle von Grippeinfektionen. Dass die Zahl mit 137 Fällen dieses Jahr um einiges höher ist, läge daran, dass der Impfstoff nicht alle Virenstämme abdecke. Das sei ein Problem, so Birk. Denn die Impfstoffe werden in der Regel ein Jahr vorher produziert, wobei man in der Produktion die am häufigsten vorkommenden Virenstämme berücksichtige. Würden aber, wie es dieses Jahr der Fall ist, andere Viren als sonst im Umlauf sein, würden die Impfungen nicht richtig greifen. Das hat zur Folge, dass man auch Patienten mit Grippe-Impfungen in der Praxis hätte, sagte Birk. Bei einer Grippe empfehlen die Ärzte Bettruhe, Tee und heiße Zitrone, bei Fieber seien Wadenwickel immer noch ein gutes Hausmittel, sagte Zeitschel. Sollte es einem nach drei Tagen nicht besser gehen, raten die Ärzte dazu, sich untersuchen zu lassen.