Hitler-Plakate in Taufkirchen bei Erding Kripo sucht Titanic-Leser

Sie klebten an einem Dönerstand, bei Kik und an einem Drogeriemarkt: Plakate mit einem Porträt Adolf Hitlers aus der Satire-Zeitschrift "Titanic". Die Polizei spricht von einer Straftat und spekuliert über einen Täter aus dem rechtsradikalen Umfeld. Eher wahrscheinlich ist jedoch ein Unbekannter mit schrägem Humor.

Von Thomas Daller

Polizei und Satire ist seit jeher ein vermintes Spannungsfeld. Ein aktuelles Beispiel dafür kommt aus Taufkirchen, wo der Besitzer eines Dönerstands am Samstagvormittag ein Plakat mit einem Hitlerporträt entdeckte, das an seinen Stand geklebt war. Der Text auf dem Plakat lautete: "Der Verfassungsschutz bittet um Mithilfe: Wer kennt diesen Mann?"

Er informierte die Polizei, die weitere solche Plakate an den benachbarten Einkaufsmärkten wie KIK oder Rossmann fand. Insgesamt fünf solcher Plakate wurden sichergestellt.

Die Polizei geht davon aus, dass die Plakate in der Nacht von Freitag auf Samstag, 25. auf 26. November, angeklebt wurden. Weil auf den Plakaten "Kennzeichen von verfassungswidrigen Organisationen" verwendet wurden, erfülle das den Straftatbestand. Die Ermittlungen wurden daher von der Kriminalpolizei Erding übernommen, die nun Zeugen sucht.

Bei der Polizei spekuliert man unterdessen darüber, wes Geistes Kind der Täter ist. Man gehe zwar von jemandem aus dem rechtsradikalen Umfeld aus. Es könnte aber auch jemand mit anderer politischen Gesinnung sein, der mit dieser "Provokation des Verfassungsschutzes" ausdrücken wolle, der Staat sei bei der Verfolgung der Neonazi-Mörder auf dem rechten Auge blind gewesen.

Die Polizei will das genauso wenig ausschließen wie die Möglichkeit, dass es jemand getan habe, der über einen "schrägen Humor" verfüge, sagte Pressesprecher Hans-Peter Kammerer.

Das mit dem schrägen Humor trifft wohl zu, denn es handelt sich dabei um Kopien des aktuellen Titelbilds der Satirezeitschrift Titanic. Da waren die Ermittler baff.