Handball-Leistungszentrum Gotz setzt Investor ein Ultimatum

Das geplante bayernweite Zentrum kommt seit über einem Jahr nicht voran. Der Erdinger OB will jetzt Druck machen und verlangt bis Ende Juni einen Nachweis des Grunderwerbs und der Geldquelle

Von Regina Bluhme, Erding

Es klang fast zu schön, um wahr zu sein. In einer Pressekonferenz Mitte April vergangenen Jahres verkündete der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz (CSU), dass Privatmann Karl Wiedenmann ein Handballleistungszentrum in der Großen Kreisstadt errichten will. Bislang hat Investor Wiedenmann aber noch nicht einmal den Grund erworben. Und OB Gotz weiß bis heute nicht, woher das Geld für den Bau eigentlich fließt. Er hat Wiedenmann jetzt ein Ultimatum gestellt. Bis Ende Juni müssen Nachweise für den Grunderwerb, für die Übernahme der Planungskosten und die Finanzierung vorliegen. Er wolle dem Investor keinesfalls etwas unterstellen, so Gotz gegenüber der SZ, aber er wolle sicher gehen, dass das Geld nicht von einer Sekte oder aus krimineller Quelle stamme. Karl Wiedenmann erklärte am Mittwoch gegenüber der SZ lediglich, dass momentan die Verhandlungen liefen.

Gespräche zwischen Stadt und Investor hätten in der Vergangenheit laufend stattgefunden, "auch bei mir persönlich", sagt der Erdinger Oberbürgermeister. Nun versuche er, "Tempo und Klarheit in die Entwicklung zu bringen", so Gotz. "Bis Monatsende muss was da sein." Viel Zeit bleibt da ja nicht mehr. Vor kurzem wollte der OB die Planung schon im Ausschuss beraten lassen, hatte den Punkt "Aufhebung des Bebauungsplans 231" aber eine Stunde vor Sitzungsbeginn wieder von der Tagesordnung genommen. In einem Anruf hatte ihm der Investor versichert, dass alles seinen Gang gehe.

In Presseberichten ist einmal von einer Stiftung die Rede, von der die Gelder kommen sollen, und ein anderes Mal von Erträgen aus einer Investmentfirma, an der Wiedenmann beteiligt ist. Gotz kann da auch nicht weiterhelfen, "Ich weiß es nicht." Aber er gehe davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe, betont der OB. Nur: Etwas Schriftliches will er schon sehen. Investor Karl Wiedenmann habe ihm gegenüber auch sein Verständnis dafür geäußert, so Gotz. "Ich will 100 Prozent sicher sein. Nicht dass die Halle steht, und dann kommt nach ein paar Jahren raus, dass hier Scientology oder eine andere Sekte dahinter steckt." Oder dass das Erdinger Leistungszentrum gar zur Geldwäsche benutzt werde. Als Beispiel, wie es richtig schieflaufen kann, verweist Gotz auf das Gymnasium in Tegernsee, dem eine millionenschwere Spende zugesagt war, wobei sich dann herausstellte, dass der Stifter eine NS-Vergangenheit hatte. Sollte das Ultimatum ohne Ergebnis verstreichen, werde er den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan neu beraten und über eine Zurücknahme abstimmen lassen.

Das Ultimatum will Gotz auf keinen Fall als "strenge Hürde" sehen. Das habe er nämlich auch schon als Kritik zu hören bekommen. Schließlich seien schriftliche Vereinbarungen bei städtebaulichen Verträgen "nichts Neues", der Nachweis der Finanzierungsquelle allerdings schon.

Karl Wiedenmann wollte sich am Mittwoch gegenüber der SZ mit dem Verweis auf laufende Verhandlungen nicht zum Vorhaben äußern. Er kündigte aber für kommende Woche Gesprächsbereitschaft an. Womöglich ist dann fürs Ultimatum alles unter Dach und Fach. Georg Clarke, Präsident des Bayerischen Handballverbands (BHV), ist zuversichtlich: Der Verband stehe in ständigem Kontakt mit der Investorenfamilie, "für uns ist das Projekt nach wie vor am Laufen".

Erding begrüße das Handballleistungszentrum "außerordentlich", betont Gotz. Es soll auf einem 20 000 Quadratermeter großen Grundstück südlich des Krankenhauses gebaut werden, mit einem Internat für Buben und Mädchen ab zwölf Jahren und mit - für Erding besonders interessant - einer Vierfachturnhalle. Das wäre natürlich in einer Stadt, in der Sportflächen ein rares Gut sind, ein großer Gewinn. Die Handballabteilung der SpVgg Altenerding allein hat 500 Mitglieder und stellt 26 Mannschaften. Bislang gibt es in Bayern nur ein einziges Leistungszentrums des Handballverbands, in Großwallstadt im Landkreis Miltenberg. Das Zentrum in Erding soll laut Clarke zudem "einen großen sozialen Hintergrund" haben. Es soll auch eine Begegnungsstätte sein "für Menschen mit Beeinträchtigungen, für Kinder und Senioren", wie der BHV-Präsident informiert. Dafür werde es "ein umfangreiches Programm" geben.