Mord an hochschwangerer Frau "Von Reue keine Spur"

Prozess um den gewaltsamen Tod einer Hochschwangeren: In Landshut stehen zwei junge Männer vor Gericht. Sie sollen die Frau mit 165 Messerstichen getötet haben. Bei der Verhandlung hat der Hauptangeklagte nun die Tat gestanden.

Von Florian Tempel

Als die Polizei am 22.Februar die Wohnung von Zorica H. in Taufkirchen an der Vils (Kreis Erding) betrat, bot sich den Beamten ein Bild des Grauens. Die in der 36. Woche schwangere 21-Jährige und ihr ungeborenes Kind waren, wie die Obduktion ergab, zwei Tage zuvor mit 165 Messerstichen getötet worden.

Prozessbeginn wegen Mord an Hochschwangerer: Vedat S. soll zusammen mit einem anderen Mann eine 21-jährige Frau ermordet haben.

(Foto: dpa)

Acht Monate nach der grausigen Tat hat am Landgericht Landshut der Prozess gegen ihre mutmaßlichen Mörder begonnen. Angeklagt sind die beiden Erdinger Harun A., 19, und sein ehemals bester Freund Verdat S., 21. Der Jüngere war der Vater des ungeborenen Kindes. Die Getötete war nach einer kurzen Affäre von ihm schwanger geworden.

Zum Prozessauftakt wiederholte Harun A. sein Geständnis, das er bereits bei der Vernehmung durch die Polizei gemacht hatte. Das Gericht schloss für die Dauer seiner Vernehmung die Öffentlichkeit zum Schutz des jugendlichen Angeklagten aus. Sein Verteidiger Anselm Thorbecke sagte in einer Verhandlungspause, sein Mandant bereue die Tat zutiefst.

Der junge Mann habe sein eigenes Leben durch die Geburt eines unehelichen Kindes bedroht gesehen. Staatsanwalt Ralph Reiter sagte hingegen, er sehe "von Reue keine Spur". Als Motiv für den Mord, sieht Reiter eine Mischung aus Ärger, von der Schwangeren nicht in Ruhe gelassen worden zu sein, die krude Idee, auf diese Weise Unterhaltszahlungen zu entgehen und verletzte Eitelkeit.

Laut Harun A. hat er den Mord gemeinsam mit seinem Mitangeklagten vorbereitet und ausgeführt. Vedat S., den HarunA. erst drei Wochen nach seiner Verhaftung als Mittäter genannt und schwer belastet hatte, brach vor Gericht erstmals sein Schweigen. Er räumte zwar ein, seinen Freund zum Tatort begleitet zu haben. Er sei jedoch ahnungslos mitgefahren und habe in der Wohnung nicht auf das Opfer eingestochen.

Er habe, nachdem die Frau getötet war, seinem Freund nur geholfen, die Leiche aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer zu schleppen, sie dort nachträglich mit Klebeband zu fesseln und unter das Bett zu schieben. Danach hätten sie gemeinsam ihre Kleidung und Tatwerkzeuge in die Vils und einen Kanal des Inns bei Gars geworfen.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Theo Ziegler, wie er sich erkläre, dass ihn sein Freund so schwer belaste, sagte Vedat S.: "Das ist der Knast. Als ich das erste Mal in Haft war, habe ich auch so einen Blödsinn gelabert." Allerdings belasten den 21-Jährigen nicht nur die Angaben von Harun A., den er nur "meinen Mittäter" nennt. Auch S. hatte zum Tatort Kleidung zum Wechseln mitgenommen. Außerdem fand sich an einer Tatwaffe DNS-Material von ihm.

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt, 42 Zeugen und sechs Sachverständige geladen.