Freising Bär und Nashorn

Günther Sesselmann setzt sich für faire Mode ein.

(Foto: efm)

Ladenbesitzer Günther Sesselmann hat zusammen mit Schülern die erste Freisinger Modelinie entworfen. Sie ist ökologisch und fair gehandelt und steht für einen neuen, verantwortungsvollen Umgang mit Bekleidung

Von Rebecca Seeberg, Freising

Wenn Freisinger Bär und tasmanisches Nashorn aufeinandertreffen, passiert Außergewöhnliches: Am vergangenen Mittwoch wurde die einzigartige Begegnung der zwei Tiere 199 mal auf kunterbunte, hauchzarte und ökologisch nachhaltige T-Shirts gedruckt - und das auch noch mit chemikalienfreier, zertifizierter Farbe. Und schon einen Tag danach ist die erste Freisinger Modelinie in der Boutique Fashion & More in der Innenstadt zu erwerben.

Im Dezember vergangenen Jahres begann Günther Sesselmann, Inhaber des Ladens, mit der Umstellung auf Eco Fashion und Fair Trade. "Begonnen haben wir mit einem von unseren insgesamt 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche", erzählt er mit einem Schmunzeln. Mittlerweile seien sie bei 100 angelangt, jeden Tag komme neue Ware dazu. Neben der Veränderung im eigenen Laden begann Sesselmann sich für eine Vielzahl von Projekten zu engagieren - und entwickelte unter anderem mit einer dritten Klasse der Grundschule St. Lantpert die faire und ökologische Modelinie für die Freisinger Fair Trade Stadt - alles unter dem Motto "Tasmanisches Tier trifft Freisinger Bär."

"Die Kinder sind wahre Künstler. Sie bringen so viel Kreativität mit", sagt er und streicht liebevoll über den etwas länglich gewordenen Bär mit Schabrackentapir-Charme. Für jedes der verkauften Tops bekomme die Schule einen Euro. An den Freisinger Gymnasien werde momentan fleißig an weiteren Designs für die heimische T-Shirt Kollektion gearbeitet, mehr will der Verkäufer darüber aber noch nicht verraten.

Wenn er in seinem Laden Kunden berät, dann ist Günther Sesselmann in seinem Element. Mit gezieltem Griff zieht er passende Klamotten von den Kleiderständern, schwärmt über die neuen T-Shirts aus Eukalyptus-Viskose oder die schicke Bio-Baumwoll-Unterwäsche. Das Klischee von der altbackenen Müsli-Mode gilt nicht mehr. Auch die Eco Fashion entsteht jetzt in den großen Zentren London, Paris oder Berlin und macht der Fast Fashion Konkurrenz. Laut Sesselmann haben die Designer in der nachhaltigen Mode einfach mehr Raum kreativ zu sein und sich zu entfalten. "Man erkennt den Geist der dahintersteht", ist er überzeugt.

Wenn man fragt, warum er sich für Nachhaltigkeit in der Mode entschieden hat, geht eine kleine Veränderung in seinem Gesicht vor. Er braucht eine Sekunde, um sich zu fassen. Im Herbst 2014 habe er angefangen, sich mit der Herstellung seiner Ware genauer auseinanderzusetzen. Die federleichten Daunenjacken, für die er früher ein Vermögen ausgegeben habe, kaufe er jetzt nicht mehr. Betreten zieht er ein Bild einer kahlen Gans hervor, deren Lebenserwartung bei kaum mehr als einem Jahr liegt. Diese Bilder und die dazugehörige Literatur waren ausschlaggebend für sein Umdenken.

Sesselmann ist sich seiner Rolle als Ladeninhaber durchaus bewusst: "Ich bin das letzte Glied in der Produktionskette und damit verantwortlich für das, was hier hängt." Er setzt auf das Siegel Global Organic Textile Standard (GOTS), das mit einer Kontrolle der Produktionsschritte von der Plantage bis zum Shop wirbt. Sowohl auf nachhaltige Landwirtschaft als auch auf soziale Arbeitsbedingungen achte das weltweit führende Zertifikat. In naher Zukunft möchte Günther Sesselmann komplett auf Eco Fashion umgestellt haben.

Während Mitarbeiter und Kollegen anfangs eher skeptisch gewesen seien, genieße er geradezu den neuen Wind, der im Laden weht, sagt Sesselmann: "Endlich kommt man mit den Kunden wieder ins Gespräch." Die Menschen ließen sich jetzt mehr Zeit beim Stöbern und trügen die Kleidung mit einem ganz anderen Bewusstsein, denn durch das Siegel bekomme die Mode plötzlich einen anderen Wert. Dabei ist sie nicht einmal teuer. Der Einstiegspreis für ein T-Shirt liegt bei zehn Euro.

Um seine Philosophie greifbarer zu machen, unterhält Sesselmann verschiedene Kooperationen in Freising. So findet man in seinem Geschäft Bücher zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode, während der Buchhändler Pustet beispielsweise ökologische Kleidung zum Anfassen ausstellt. Auf einem von dem Freisinger Schreiner Linke hergestellten Buchenholztisch liegt ein aus österreichischer Buchenholz-Viskose hergestelltes T-Shirt - beides seien Wertarbeiten betont Sesselmann.

Fashion & More entwickele sich geradezu zu einem Gemeinschaftsprojekt der Freisinger Bürger, denkt Sesselmann. Mittlerweile werde er von den verschiedensten Stellen wie Schulen oder der Universität angesprochen, zu deren Sommerfesten eingeladen oder für Informationsveranstaltungen gebucht. "Eine Aktion jagt die andere", so Sesselmann. Und er ist sich sicher: "Da kommt noch einiges."