Fliegerhorst Erding Verteidigungsministerium rudert zurück

Mit einer pompösen Schau hat sich die Bundeswehr 2017 von der Erdinger Bevölkerung verabschiedet. Etwas vorschnell, wie sich nun herausstellt.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Begründung für die Verzögerung des Bundeswehrabzugs ist "nicht korrekt". Jetzt heißt es, ein Neubau für eine kleine Einheit müsse errichtet werden. Und das dauert angeblich fünf Jahre

Von Antonia Steiger, Erding

Das Verteidigungsministerium hat falsche Informationen herausgegeben: Nicht die sich verzögernde Fertigstellung der Baumaßnahmen in Manching sind die Ursache dafür, dass die Bundeswehr den Fliegerhorst Erding erst im Jahr 2024 und nicht schon 2021 räumt. Stattdessen gibt das nun Ministerium an, dass man keine geeigneten Räumlichkeiten für ein in Erding stationiertes Elektronikzentrum der Bundeswehr gefunden habe. Nun müsse neu gebaut werden, das dauert demnach bis Ende 2023. OB Max Gotz (CSU) reagierte unwirsch: Als "peinlich in der Kommunikation" bezeichnete er die neuen Informationen, die ihn erst am Dienstagmorgen aus Berlin erreicht hatten.

Das Elektronikzentrum ist eine von mehreren Kleinstdienststellen, die noch am Fliegerhorst stationiert sind. Es ist Teil des Elektronikzentrums der Bundeswehr, das der Streitkräftebasis, nicht der Luftwaffe zugeordnet ist. In Erding arbeiten etwa 15 Zivilisten und kümmern sich um die technische Wartung von Wettergeräten. Dass für diese kleine Einheit ein Neubau nötig ist, ist jedoch nichts neues und auch nicht, dass der Bau auf dem Gelände des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Wehr- und Betriebsstoffe (Wiweb) entstehen soll. Das ist Informationen der SZ zufolge schon seit zwei Jahren bekannt. Auch der Bereich, wo das Gebäude errichtet wird, ist demnach schon festgelegt.

Das Verteidigungsministerium stellt den Vorgang anders dar und schreibt, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) habe zunächst im Raum Erding nach einer geeigneten Gewerbeimmobilie für das Elektronikzentrum gesucht, diese Suche sei "leider erfolglos" verlaufen.

"Nunmehr" soll das Elektronikzentrum auf dem Wiweb-Gelände untergebracht werden. "Der hierfür notwendige Neubau soll bis Ende 2023 fertiggestellt sein." Des weiteren teilte das Ministerium zerknirscht mit, dass seine ursprünglichen Angaben zur Verzögerung des Abzugs der Bundeswehr "nicht korrekt" gewesen seien, das haben man nun "leider feststellen" müssen. Tatsächlich war das Erstaunen auf allem Seiten groß, als der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Silberhorn, vor wenigen Tagen bekannt geben ließ, der Fliegerhorst Erding könne nicht zum angegebenen Zeitpunkt aufgelöst werden, weil man in Manching nicht mit den Baumaßnahmen fertig werde. Auch am Standort Erding war man überrascht. Wenige Tage zuvor hatte es noch geheißen, dass die Baumaßnahme im Zeitplan seien. Nach Manching verlegt wird das Instandsetzungszenturm 11 - gewiss kein kleiner Umzug. Dafür werden in Manching insgesamt elf Gebäude benötigt, vom Bürogebäude bis hin zu großen Instandsetzungshallen. Doch das Baufeld ist bereits erschlossen, der Baubeginn ist für das zweite Halbjahr 2018 geplant, das teilt das Waffensystemunterstützungszentrum 1 mit.

Dass die Vorbereitungen für diesen Umzug im Zeitplan sind, hat man nun auch im Verteidigungsministerium realisiert und stellt fest: "Alle übrigen Maßnahmen zur Schließung des Fliegerhorstes gelten unverändert." Insbesondere lägen "die Baumaßnahmen in Manching im Zeitplan und sollen 2021 fertiggestellt werden". Der Umzug könne zeitgerecht stattfinden. Ein weiterer Schritt bei der Schließung des Standorts ist außerdem die Auflösung des Materialdepots bis Ende 2018: Auch diese Maßnahme liegt im Zeitplan, wie das Waffensystemunterstützungszentrum mitteilt.

Die neuesten Informationen aus dem Verteidigungsministerium sind nicht dazu angetan, die Gemüter in der Kommunalpolitik zu beruhigen. Alles andere als zufriedenstellend findet OB Gotz die neue Begründung. Er bezeichnet sie als "unglaubwürdig", zumal es im März bei der Verabschiedung dese Fliegerhorstkommandeurs, Oberst Stefan Schmidt- Schickhart, geheißen habe, dass sich beim Umzug alles im Zeitplan befinde. Von der Suche nach einer Gewerbeimmobilie für das Elektronikzentrum war nie die Rede. Für die Stadt Erding ist die Frage des Zeitpunkts des Abzugs der Bundeswehr jedoch von elementarer Bedeutung: Es gibt Pläne für die Nachfolgenutzung des 350 Hektar großen Areals, unter anderem mit dringend benötigter Wohnbebauung.