Erding Tatablauf gilt als geklärt

Doppelmörder von Notzing hat wohl das eigene Scheitern auf die Opfer projiziert. Er macht derzeit keine Angaben.

Von Florian Tempel

ErdingDer mutmaßliche Doppelmörder von Notzing, Christoph W., der am 30. März die Eltern seiner 17-jährigen Ex-Freundin, das Ehepaar Franz und Heidi R., umgebracht haben soll, macht derzeit keine weiteren Angaben. Dass er nichts mehr sagen will, mache jedoch wenig aus, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Reiter. Denn der objektive Tatablauf sei im Wesentlichen eh geklärt. Die 17-jährige Tochter der Ermordeten, die ihrem 21-jährigen Ex-Freund nach der Tötung ihrer Eltern zwei Tage lang beim Beseitigen der Leichen und beim Säubern des Tatorts geholfen hat, befindet sich weiterhin in der psychiatrischen Klinik in Taufkirchen.

Der mutmaßliche Täter ist in Haft und schweigt. Doch der Tatablauf gilt bereits als geklärt.

(Foto: dpa)

Reiter sagte, dass die Jugendliche mit erwachsenen psychisch kranken Frauen in einer geschlossenen Station untergebracht ist, sei nur eine Übergangslösung. Sie sei "momentan unauffällig" und werde wohl in einiger Zeit entlassen. Ob sie zu Verwandten oder in eine Jugendhilfeeinrichtung ziehen wird, sei jedoch noch unklar. Da sie ein minderjähriger Vollwaise ist, hat das Amtsgericht Erding ihr einen Betreuer und rechtlichen Beistand zur Seite gestellt.

Im Fokus der Ermittlungen steht derzeit, wie die Beziehung des mutmaßlichen Mörders mit der Tochter der Getöteten war. Laut den Angaben der 17-Jährigen und von Zeugen aus ihrem Umfeld, hatte der vier Jahre ältere Christoph W., mit dem sie zwei Jahre lang zusammen war, in der Beziehung eine dominante Position. Nachdem sich die junge Frau zwei Wochen vor dem Mord an ihren Eltern von ihm getrennt hatte, schien sie Bekannten und Freunde gelöster und erleichtert, sagte Reiter.

Ihren Angaben nach habe ihr Ex-Freund sie dann aber in den zweieinhalb Tagen nach dem Mord wieder "massiv unter Kontrolle gehabt". Wenn sie allerdings durch Verängstigung und Einschüchterung "in einer Zwangslage" war, sei sie in einem "entschuldigenden Notstand" gewesen und habe sich nicht der Strafvereitelung schuldig gemacht, sagte Reiter.

Reiter rechnet damit, dass der Mordprozess gegen Christoph W. am Landgericht Landshut im Herbst stattfinden wird. Der mutmaßliche Täter wird zwar erst noch psychiatrisch-psychologisch begutachtet, dennoch wagte Reiter eine Einschätzung dazu, wie er wohl zum Mörder wurde. Es erscheine "plausibel", dass er das Aus seiner Beziehung als gravierende "Zäsur in seinem Lebenslauf" gesehen habe.

Womöglich habe er die Trennung als Zerstörung seines von ihm genau geplanten weiteren Lebenswegs gesehen. Offenbar habe er die Ursachen des Scheiterns seiner Beziehung nicht bei sich oder seiner Freundin gesucht, sondern alles auf die Eltern geschoben. "Er hat vor allem in der Mutter die für ihn Schuldige gefunden", sagte Reiter, "die aus seiner Sicht sein Leben kaputt gemacht hat."