Erding Noch ein bisschen selbstbewusster

Erdinger Kreisverband sieht sich durch die bayernweiten CSU-Umfrageergebnisse bestätigt und feiert sich selbst beim Neujahrsempfang. Die Kandidatenfrage bleibt unangetastet

Von Florian Tempel

Die Kontrahenten um die Landtags-Direktkandidatur, Jakob Schwimmer und Ulrike Scharf, würdigten sich beim Neujahrsempfang keines Blickes

(Foto: Renate Schmidt)

- Der CSU geht es gut an diesem Mittwoch. Der Kreisvorsitzende, Landrat Martin Bayerstorfer, steht strahlend auf der Bühne der Erdinger Stadthalle und sagt, er könne sich nicht erinnern, dass jemals so viele Menschen zum Neujahrsempfang der CSU gekommen seien. Er braucht mehr als eine Viertelstunde, um die wichtigsten der etwa 400 Gäste zu begrüßen, die keineswegs alle Mitglieder der CSU sind. Doch allein die breit aufgestellte Riege der CSU-Mandatsträger von Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordneten, Bezirksrat, Oberbürgermeister und so weiter - "auch die vier Bürgermeisterinnen im Landkreis sind logischerweise von der CSU" - macht in ihrer Ballung klar: Hier im Landkreis Erding regiert eine Partei mit absoluter Mehrheit. Bayerstorfer nennt das "CSU-Politik aus einem Guss". So solle es bleiben. Den Wählern im Allgemeinen, die natürlich nicht alle da sind, ruft er zu: "Macht keine Experimente, dann wisst ihr, was ihr habt, nämlich das Beste."

Der Andrang zum CSU-Neujahrsempfang darf den Christsozialen im Landkreis wie eine Bestätigung der wenige Stunden zuvor veröffentlichen Werte der Landtagswahl-Umfrage des BR-Politikmagazin Kontrovers erscheinen. Die CSU liegt demnach bei 47 Prozent, was sie zurück in eine Alleinregierung in Bayern brächte. Das ist keine Basis für Bescheidenheit an diesem Abend.

Der bestens gelaunte Martin Bayerstorfer benutzt in seiner Ansprache immer wieder die Worte "hervorragend" und "beispielgebend". Er zitiert eine Studie, laut der der Landkreis Erding auf Platz drei in der gesamten Bundesrepublik liege, was die Zunahme der Steuerkraft betreffe: plus 60 Prozent binnen zehn Jahren. Eine zweite bundesweite Analyse bescheinige dem Landkreis rang sieben in Deutschland, was Angebot und Güte schulischer Einrichtungen angeht - und das noch ohne die neue Realschule in Oberding, betont Bayerstorfer. Weiter geht es in seiner Bilanz der Erfolge mit dem Kreiskrankenhaus, das seinen Patienten "bestes medizinisches Niveau" böte. Dass die Klinik in den vergangenen Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten getrudelt ist, sagt er nicht. Beim Thema Energiewende stellt er die landkreisweite Festlegung von möglichen Standorten für Windkraftanlagen als vorbildlich dar, freilich ohne zu sagen, wer denn andernorts dem Beispiel des Landkreises folge. Vielleicht zielt Bayerstorfer jedoch vor allem auf die Vertreter von Parteien ab, die sich sehr viel länger als die CSU der Förderung umwelt- und ressourcenschonender Energiepolitik verpflichtet fühlen. Jenen wirft er vor, sie redeten nur, ohne davon zu Ahnung zu haben, was man zur Energiewende brauche und wie es richtig gehe.

Nach der Ansprache des Kreisvorsitzenden spricht als Gastredner der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Thomas Kreuzer. Dessen Rede ähnelt in Aufbau und Themenauswahl der seines Vorredners. Wobei Kreuzer natürlich eine Ebene globaler referiert, sprich die Vorzüge, Errungenschaften und Ansprüche des "Erfolgsmodells Bayern" im Auge hat: geringste Arbeitslosigkeit, größte Wirtschaftskraft, das beste Schulsystem, die beste Familienpolitik. Kreuzer schimpft aber auch ein bisschen: auf den Länderfinanzausgleich und dass der Bund zu wenig Geld für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur herausrücke. Zwischendrin kündigt er an, er werde auch etwas zu den geplanten Verkehrsprojekten im Landkreis sagen. Doch dann vergisst er das. In seinem Redemanuskript hatte er sich allerdings sowieso nichts Konkretes zu diesem Themenkreis notiert.

Obwohl sich die CSU beim Neujahrsempfang noch einen Tick selbstbewusster als sonst gibt, passt eines nicht so recht: Die Kandidatenfragen für die Landtags- und Bundestagswahlen sind nach wie vor offen. Die Kontrahenten um die Direktkandidatur fürs Maximilianeum, Jakob Schwimmer und Ulrike Scharf, ignorieren einander gewohnt feindselig. Und dass sich niemand in der Erdinger CSU für ein Bundestagsmandat zu interessieren scheint, bleibt angesichts der sonst zur Schau gestellten Selbstgewissheit ein Rätsel.