Erding "Das Ding ist durch"

Die Zusammenarbeit zwischen Sparkasse und den Denkmalämtern bei der Restaurierung der Schrannenhalle verlief offenbar nicht reibungslos. Nun wird versucht, die Missverständnisse auszuräumen

Von Mathias Weber

Sie scheidet nach wie vor nicht nur die Geister der Erdinger, sondern auch die der Behörden: Die Schrannenhalle im Zentrum von Erding. Der Bau ist fertig, trotzdem stellt sich jetzt die Frage, ob der Denkmalschutz ausreichend war.

(Foto: Bauersachs)

Wenige Tage nach der offiziellen Einweihung der umgebauten und restaurierten Schrannenhalle sind am Donnerstag Experten und Gebietsreferenten der Denkmalschutzbehörden in Erding eingetroffen und haben noch einmal das fertiggestellte Bauwerk begutachtet. Wie das Münchner Landesamt für Denkmalpflege mitteilte, nahmen an der Begehung Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes und des Landesdenkmalamtes teil sowie weitere Personen, "die mit der Sache zu tun haben."

Von verschiedenen Stellen war in den vergangenen Tagen von Unregelmäßigkeiten und Missverständnissen beim Planungs- und Abstimmungsprozess im Vorfeld der Restaurierung des Gebäudes die Rede. Die Schrannenhalle ist im Besitz der Sparkasse Erding-Dorfen und beheimatet eine Filiale der Bank. So äußerte sich Joachim Sommer, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, während der Eröffnungsfeier mit den Worten: "Wir hatten drei verschiedene Ansprechpartner mit vier verschiedenen Meinungen." Dass es "gewisse Differenzen" gegeben habe, bestätigte auch das Landesamt für Denkmalpflege. Doch wo genau diese lagen, wollte das Landesamt nicht preisgeben. Offenbar war die neue oxidrote Fassadenfarbe der Schrannenhalle nicht mit den Behörden abgestimmt.

Während der Begehung seien die Differenzen der vergangenen Jahre angesprochen worden. Das Amt teilte jedoch nicht mit, ob es aufgrund der Missverständnisse Konsequenzen für den Bauherren gab - sogar von einer Aberkennung des Denkmal-Status' war die Rede. So weit kam es aber offenbar nicht. Wie es heißt, habe man alle Unstimmigkeiten beigelegt. "Man tauscht sich aus, damit ist das erledigt", sagte eine Sprecherin des Landesamtes. Viel könne man nun sowieso nicht mehr machen: "Das Ding ist durch, die Baumaßnahmen sind abgeschlossen."

Der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner (CSU), Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Erding-Dorfen, war über den Besuch in der Schrannenhalle nicht informiert. Ihm seien auch keine gravierenden Probleme mit den Behörden bekannt. Zur Fassadenfarbe sagte er, dass es in diesem Bereich schon mehrere Male Diskussionen mit dem Denkmalschutz gegeben habe, auch im Zuge anderer Bauwerke, etwa beim Neubau der Sparkasse in der Dorfener Altstadt.

Sobald ein Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt ist, greift das Denkmalschutzgesetz. In Artikel sechs heißt es, dass, sobald Veränderungen an dem betreffenden Bauwerk durchgeführt werden, es einer Erlaubnis bedarf. In diesem Fall hat die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt die Erlaubnis erteilt, die als ausführende Behörde fungierte. Sachbehörde war das Münchner Landesamt, mit dem die Bauherren auch Rücksprache halten sollten. Für den Landkreis Erding gibt es dort einen zuständigen Gebietsreferenten. Die Landesbehörde für Denkmalschutz, die sich als "Anwalt der Denkmäler" bezeichnet, gibt sich in der Sache zerknirscht, gibt aber zu verstehen, dass es nicht mehr zu einem solchen Fall kommen soll. Die Beteiligten der Begehung hätten darüber gesprochen, worin die Abstimmungsprobleme lagen und wie man dies in Zukunft vermeiden könne. "Bei dem nächsten Bauvorhaben wird es ganz anders laufen", sagte die Sprecherin.

Nach Auskunft der Denkmalschutzbehörde hat die Münchner Abordnung offenbar auch einen Blick auf den gläsernen Gruber-Neubau Am Rätschenbach geworfen. Ob es auch bei diesem Gebäude zu Unregelmäßigkeiten den Denkmalschutz betreffend kam, ist nicht bekannt. Allerding hatte der Bauherr Hugo Gruber der Süddeutschen Zeitung gegenüber angedeutet, dass das moderne Erscheinungsbild des Baus bei den Behörden nicht immer unumstritten war. Wie er sagte, seien eine Reihe von Besprechungen nötig gewesen, bis er die Erlaubnis des Neubaus erhalten habe. Vorgegebene Traufhöhen und Fluchtlinien, die der Ensembleschutz der Erdinger Altstadt vorschreibe, seien eingehalten worden.

Besonders seit Eröffnung des Gruber-Anbaus und der Schrannenhalle diskutieren die Erdinger über diese Bauwerke. Vor allem die rote Fassadenfarbe der von drei Seiten sichtbaren Halle am Schrannenplatz ist umstritten. Der Erdinger Architekt Werner Rotter, der den Umbau betreute, verwies in diesem Zusammenhang auf Jahrzehnte alte Farbschichten, die unter den jüngeren Farbschichten gefunden wurden. So sei das oxidrot die eigentlich historische Farbgebung, nicht das grau-braun, das die Erdinger bis vor dem Umbau kannten.