Die Saatkrähe Im Visier

Noch schaut sie vergnügt, doch die Zeiten könnten sich ändern. Saatkrähen machen Lärm und Dreck, jetzt sollen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

(Foto: Günther Reger)

Der Erdinger Umweltreferent Thomas Schreder (CSU) möchte den Schutzstatus des Vogels neu bewerten lassen. In der Kreisstadt und in ganz Oberbayern wachsen die Populationen, jetzt soll etwas geschehen

Von Antonia Steiger, Erding

Das beschauliche Leben der Saatkrähe als geschützte Tierart steht zur Disposition: Auf Basis aktueller Zahlen nicht nur aus Erding, sondern aus ganz Oberbayern startet der Erdinger Umweltreferent Thomas Schreder (CSU), der auch Vorsitzender des Kreisjagdverbandes ist, eine Initiative, die zum Ziel hat, diesen Schutzstatus der Saatkrähe neu zu bewerten - zu evaluieren, wie Schreder sagt. Die vergangene Zählung in Erding hat 972 Nester ergeben, mehr als jemals zuvor. Sie gibt keinen Anlass zur Hoffnung, dass die Ausdehnung der Saatkrähenpopulation irgendwann einmal aufhört. Weil dieser Trend in ganz Oberbayern zu erkennen ist, will Schreder auf den bayerischen Umweltminister Marcel Huber (CSU) zugehen.

Ist der Schutzstatus noch gerechtfertigt?

Es gehe ihm nicht darum, "die Saatkrähe auszurotten", das sagte Schreder nicht nur einmal im Gespräch mit der SZ. Vielmehr gehe es um die Frage, "ob der Schutzstatus überhaupt noch gerechtfertigt ist", wenn sich die Populationen derart positiv entwickelten. Zumindest für Erding liegen nun Zahlen vor: Mitte April, kurz bevor die Blätter an den Bäumen austreiben und den Blick auf die Baumkronen versperren, wurden die Nester in Erding gezählt, wie Stadtpressesprecher Christian Wanninger mitteilt: 972 Nester im gesamten Stadtgebiet, davon 784 in der Hauptkolonie im Stadtpark, 110 an der Krankenhausstraße und am Herzoggraben, 55 an der Keltereistraße,, neun in der Gegend Prielmayerstraße/ Bachingerstraße, neun auch in Siglfing, vier in einer weiteren kleinen Splitterkolonie an der Prielmayerstraße und ein einsames Nest einer Saatkrähen-Einzelgängerin in der Gegend, wo die Geheimrat-Irl-Straße auf die Landshuter Straße trifft. Immerhin, neue Splitterkolonien wurden laut Wanninger nicht entdeckt. Die Mitarbeiter des Bauhofes haben auch einige Nester entfernt. Wie nachhaltig diese Maßnahme ist, muss sich zeigen. Denn es ist schon mehrfach beobachtet worden, dass zerstörte Nester wenige Tage später wieder neu gebaut worden waren.

150 Nester wurden entfernt.

Dennoch setzt sich die Stadtverwaltung jedes Jahr wieder das Ziel, durch die Entfernung von Nestern die Belastung für die Anwohner erträglich zu machen. Insgesamt 150 Krähennester wurden entfernt, davon 60 im Stadtpark in der Nähe der Schulen, um dort die Belastung für die Lehr- und Erziehungsbemühungen zu verringern, wozu die Stadt aber eine Sondergenehmigung benötigt, die sie zuletzt immer wieder bekommen hatte. Denn der Stadtpark gilt als Hauptkolonie, die unter einem besondern Schutz steht.

Besonders die Anwohner des Stadtparks litten in den vergangenen Jahren unter den Krähen. Die Vögel störten die Erdinger mit ihrem Geschrei und verschmutzten Terrassen mit ihren Ausscheidungen. Um diese Bürger nicht alleine zu lassen, müsse man neue Möglichkeiten prüfen, sagt Schreder. "So geht es wirklich nicht weiter." Zunächst sucht Schreder jetzt den Rückhalt der Stadtpolitik mitsamt OB Max Gotz (CSU) und den der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Erding. Auch die Regierung von Oberbayern wird einbezogen, ein Gespräch mit Regierungspräsidentin Maria Els habe bereits stattgefunden. Schreder betont, dass er nicht an diesem Behörden vorbeiagieren wolle.

"Der Mutterschutz ist mir heilig."

Demnächst wird er das Gespräch mit Minister Marcel Huber suchen. Wie das weitere Vorgehen aussehen könnte, das ist für Schreder noch ein "Stochern im Nebel", wie er sagt. Zur Debatte müssten seiner Meinung nach die zeitlich und räumlichen Beschränkungen für Vergrämungsmaßnahmen stehen. Derzeit dürfe die Hauptkolonie kaum angetastet werden, sowieso gibt es auch nur einen engen zeitlichen Korridor für Versuche, die Krähen zurückzudrängen. Unantastbar ist für Schreder aber auf jeden Fall der Mutterschutz bei der Saatkrähe wie bei jedem andern Tier. "Der ist für mich heilig."