Bahnausbau in Dorfen Letzte Chance

"Enttäuschend" findet es Bürgermeister Heinz Grundner (CSU), wie er sagte, dass Viereggs Pläne nicht belastbar seien.

(Foto: Stephan Görlich)

Der Stadtrat gibt Nacharbeiten für eine alternative Lösung in Auftrag. Dem Beschluss, weiterhin auf die Vieregg-Variante zu setzen, geht eine intensive und emotionale Diskussion voraus

Von Florian Tempel, Dorfen

Die Planer der Deutschen Bahn haben eine sehr ambivalente Würdigung der Dorfener Hoffnungsvariante des Bahnausbau abgegeben. Der Bau eines kilometerlangen, mit Gabionenwänden gestützten Grabens für die Bahngleise, wie ihn der Münchner Verkehrsplaner Martin Vieregg entworfen hat, sei zwar "bautechnisch umsetzbar", aber eher "nicht realisierbar", sagte Teilprojektleiter Rainer Kunze am Mittwoch im Stadtrat. Als Gründe für seine vage, negative Einschätzung nannte er die schwierigen Dorfener Bodenverhältnisse, eine mögliche Grundwasserproblematik sowie Richtlinien im Eisenbahnbau, die einer Verwirklichung der Vieregg-Variante möglicherweise sehr schwer machten. Vieregg gab sich hingegen zuversichtlich. Er sehe die Einschätzung der Bahn "positiv und als konstruktive Kritik". Bis Ende August will er einen nachgebesserten Entwurf vorlegen. Außerdem wurde ein Ingenieurgeologe mit einer Begutachtung beauftragt. Beides zusammen kostet die Stadt etwa 25 000 Euro.

Dem Beschluss, weiterhin auf die Vieregg-Variante zu setzen, war eine intensive und emotionale Diskussion im Stadtrat vorausgegangen. Aus der CSU-Fraktion kam massive Kritik an Vieregg. Martin Bachmaier sagte, er halte die bisherige Planung für "völlig unseriös". Martin Greimel sagte zu Vieregg, "ich stelle Ihre Planungskompetenz in Frage", und er sei "nicht mehr bereit, dafür noch mal Steuergelder auszugeben". Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sagte zwar, Viereggs Variante sei um Längen besser als der weitgehend ebenerdige Ausbau, den die Bahn plant. Er bemängelte aber, dass Vieregg zunächst "suggeriert" habe, man könnte seine Lösung so bereits in Berlin vorlegen. Er habe die Pläne, die Vieregg im Oktober 2017 vorgestellt hatte, für "belastbar und verwendbar" gehalten, sagte Grundner. Dass dem "beileibe nicht so ist", sei "enttäuschend".

"Ich kann die Aufregung nicht verstehen", erwiderte Martin Heilmeier (Landlisten). Dass Vieregg einen Entwurf vorgelegt habe, der nun eben noch nachgebessert werden muss, sei "doch ganz klar". Vor allem aber bleibe es "eine Pflichtaufgabe für den Stadtrat, die städtebaulich beste Lösung für Dorfen zu bekommen". Dorette Sprengel (GAL) pflichtete ihm bei: "Es ist ganz normal, dass man nach einer Voruntersuchung weitere Aufträge vergibt." Sie verwies darauf, dass der Stadtrat zuletzt höherer Summen für die Planung einer Bewerbung für eine Landesgartenschau bewilligt hat. Gerald Forstmaier (GAL) wies daraufhin, dass die Bahnplaner Punkte in Viereggs Planung angesprochen haben, die problematisch sein könnten, die jedoch gar nicht so problematisch sein müssen oder durchaus lösbar sind.

Schließlich nahm sogar Klaus-Peter Zellmer, der Leiter des Bahnausbaus München-Mühldorf-Freilassing, Viereggs Planung in gewisser Weise in Schutz: "Wir haben nie gesagt, er hat Müll geplant." Zellmer machte zudem klar, dass die Bahn nicht von sich aus in die Alternativplanung einsteigen könne. Er brauche dazu einen Auftrag aus dem Bundesverkehrsministerium. "Wenn Sie sich in Berlin Gehör verschaffen und die sagen, Zellmer, das wollen wir jetzt auch mal sehen, dann bin ich der letzte, der sagt, das mache ich nicht."

Der erste Ansprechpartner für die Stadt Dorfen in Berlin ist der Petitionsausschuss des Bundestags, der im vergangenen Jahr nach Dorfen gekommen ist und einen alternativen Entwurf des Bahnausbaus durch die Stadt angeregt hat. Dass der Petitionsausschuss sich wie die Dorfener überzeugen lässt und die Vieregg-Variante unterstützt, "das ist unsere letzte Chance", sagte Stadtrat Forstmaier. Auch Barbara Lanzinger (CSU) sah es letztlich so: "Es bleibt uns gar nichts anderes übrig." Mit 18 zu drei Stimmen wurden schließlich die Nacharbeiten für eine hoffnungsvolle Präsentation in Berlin beschlossen.