Aus der Gemeinde Moosinning Am Gfällach-Wehr staut sich der Ärger

Im Streit um die Bewässerung des Mooses bei Eichenried schlagen die Gemeinde Moosinning und Naturschützer schärfere Töne an

Von Matthias Vogel

Der Streit um die Wasserverordnung im Naturschutzgebiet (NSG) Gfällach südlich von Eichenried erhitzt weiter die Gemüter. Der Gemeinderat hatte einen Antrag des Bund Naturschutz (BN) kürzlich abgelehnt, die Wasserversorgung des NSG Gfällach über den existierenden Zulauf und ein zu restaurierendes Wehr im gleichnamigen Bach zu sichern. Grund war der zu geringe Wasserpegel in der Gfällach, für das Gremium widersprach es dem Naturschutzgedanken, das Leben in dem NSG auf Kosten der Flora und Fauna eines kilometerlangen Flusslaufes zu retten. Jetzt hat der Bund Naturschutz (BN) einen drei Seiten langen Brief an das Moosinninger Rathaus geschickt, in dem er den von Bürgermeister Pamela Kruppa (CSU) "vermutlich nicht richtig verstandenen oder nicht richtig wiedergegebenen Sachverhalt richtigstellt".

Unterzeichnet ist der Brief von der Artenschutzreferentin Christine Margraf und der Vorsitzenden der Kreisgruppe Erding, Gabriele Betzmeir, abgesegnet wurde er auch vom Kreisgeschäftsführers Manfred Drobny. Der BN beruft sich darin auf die Erfüllung staatlicher Pflichten. Das NSG Gfällach sei Teil des europäischen Netzes Natura 2000, das das europäische Erbe für die Nachwelt erhalten solle. Bayern habe diese EU-Richtlinie unterzeichnet und sich zu ihrer Umsetzung verpflichtet.

Während der Moosinninger Rat den Flusslauf für genauso schützenswert erachtet, setzt der BN in seinem Brief Prioritäten: "Mit der Neuerrichtung des Wehrs soll verhindert werden, dass einer der letzten spärlichen Reste des Erdinger Mooses zu Gunsten eines künstlichen, begradigten ehemaligen Entwässerungsgrabens ausgetrocknet wird." Die Vorwürfe des BN sind nicht ohne: Das Wehr sei 1961 gebaut, aber recht bald mutwillig zerstört worden, auch der Zulauf zum NSG sie "regelmäßig massiv verstopft" worden. Seit dieser Zeit mangele es immer wieder an Wasser. Auf der anderen Seite habe man das von der Gemeinde beklagte Fischsterben in dem Bachlauf nicht beobachten können, sie seien auch beim Ortstermin nicht gezeigt worden. Das Fischsterben hatte Kruppa in der Gemeinderatssitzung moniert. Fische, Flusskrebse und Muscheln hätten umgesiedelt werden müssen, einige der Tiere seien aber nicht mehr zu retten gewesen. "Das war aber ein paar Tage nach dem Ortstermin, die Fischschäden hätten also gar nicht demonstriert werden können", kommentiert sie die Stellungnahme des BN. "Das Verenden der Tiere ist übrigens angezeigt und von der Polizei mittels Fotos dokumentiert worden." Die Anschuldigung, den Gemeinderat nicht richtig informiert zu haben, wies Kruppa ebenfalls von sich: "Jeder Rat hat doch den Antrag des BN in Kopie erhalten."

Auf den Brief hat Kruppa schon geantwortet. "Ich habe geschrieben, dass ich sehr erstaunt und enttäuscht bin, dass in der Gemeinderatssitzung kein Vertreter des BN anwesend war, obwohl ihm die Sache angeblich so wichtig ist." Neue Fakten vermisst Kruppa. "Wir bleiben daher bei unserer Meinung: Die Menge, die aus der Gfällach abgeleitet werden müsste, um für das NSG eine positive Wirkung zu haben, ist nicht vorhanden." Noch immer ist die Bürgermeisterin verärgert darüber, wie sich Manfred Drobny bei der Ortsbegehung verhalten hat. Der BN-Kreisvorsitzende hatte damals bekundet, ihm sei "scheißegal", woher das Wasser für das NSG käme.