Auf dem Schrannenplatz Narren trotzen Nieselregen

Die Erdinger Faschingsgesellschaft präsentiert ihr gesamtes Programm. Weder das Prinzenpaar noch die Garden schonen sich. Und mehrere hundert Menschen im Publikum sind dafür dankbar

Von Antonia Steiger, Erding

Der Fasching ist nur was für junge Leute? Mitnichten. Zumindest die Narrenschranne am Sonntag auf dem Schrannenplatz, bei der die Narrhalla Erding wie jedes Jahr ihr Programm unter freiem Himmel und kostenlos gezeigt hat, zog viele junge, aber noch viel mehr nicht mehr ganz so junge Erdinger an. Mit jugendlicher Genussucht vertrug sich auch das Wetter nicht: Wer zwei Stunden lang tanzenden Garden und einem charmanten Prinzenpaar zusehen und sich allerlei gar nicht so unlustigen Unsinn anhören wollte, der musste schon mit starkem Willen und mit passender Kleidung ausgestattet sein.

Der Neid auf den Status eines Prinzenpaares hielt sich bei den meisten im Publikum in Grenzen, als Tabea und Max bei feuchtkalter Witterung zum Prinzenwalzer ansetzten.

(Foto: Renate Schmidt)

Man hatte schon gehört, dass die Narrhalla in diesem Jahr recht kritisch mit den Vorzeigepolitikern des Landkreises umgeht, mit Landrat Martin Bayerstorfer und dem Erdinger OB Max Gotz, beide CSU. So kritisch, dass die CSU sich verbeten hatte, dass die Narrhalla ihren Sketch beim CSU-Ball aufführt, wie es sonst immer üblich war. Offiziell begründet wurde diese Maßnahme mit dem karnevalesk anmutenden Hinweis darauf, dass sonst nicht genügend Zeit zum Tanzen bleibe. Es sei ja auch gar nicht wahr, "dass wir immer nur den Landrat verarschen", hieß es gleich zu Beginn der Aufführung der Jungelfer. Man wollte Abbitte leisten für die Beschimpfung als "Odlfasslschieber". Denn als landwirtschaftliche Amateure, die die Jungelfer eigenen Aussagen zufolge nun einmal sind, ist ihnen ein Fehler unterlaufen. Ein Odlfassl schiebt man nicht, "man zieht es".

Die Neugier der Erdinger war aber trotzdem sehr groß, das Publikum huldigte dem Herrscherpaar.

(Foto: Renate Schmidt)

Das war es auch schon an Frechheiten gegenüber dem Landrat, für ihr Stadtoberhaupt Gotz hatten die Jungelfer jedoch noch einiges parat, wenngleich sie ihm einiges zum Vorwurf machten, wofür Gotz gar nichts kann. Zum Beispiel dass die 100 Jahre alte Freisinger Brücke ausgerechnet in seiner Amtszeit erneuert werden muss, was zu einem Durcheinander im Straßenverkehr führt, so dass auch die Feuerwehr nicht mehr pünktlich ausrücken könne.

Die Jungelfer äußerten mehrfach leise Zweifel am planvollen Vorgehen der Stadtpolitik, und das Publikum spendete vergnügt Applaus. Weder gebe es einen Plan für den Fliegerhorst - was nicht ganz stimmt, denn es existiert ein schon einige Jahre altes Entwicklungskonzept - noch einen für das Areal des zum Ende des Jahres 2017 zugesperrten Gasthauses Mayr-Wirt. Für dieses Projekt gibt es in der Tat noch keinen Plan, zumindest keinen, der offiziell vorgestellt und diskutiert worden wäre. Weder Jungelfer noch Publikum war richtig zum Lachen zumute beim Abgesang auf den Mayr-Wirt als Stammkneipe für Schützen, Kartler und für die Lieselotten, das Männerballett der Narrhalla.

Die allesamt hervorragenden Garden der Narrhalla belohnte das Publikum für ihre Auftritte mit gebührender Begeisterung und warmem Applaus.

(Foto: Renate Schmidt)

Mitten in der Erdinger Gesellschaft ist offenbar ein noch viel größeres Erdinger Problem angekommen, die Wohnungsnot. Auch dazu gab es ein eigenes Lied, das damit schloss, dass am Ende wohl alle wegziehen müssten, obwohl sie das doch gar nicht wollten. Denn dass Erding die schönste Stadt auf der ganzen Welt sei, das schmetterten die Narren ihrem Publikum nicht nur einmal entgegen.

Nicht nur großen Applaus, sondern auch Wertschätzung für so viel Tapferkeit ernteten die zahlreichen Tanzgarden der Narrhalla, die allesamt der Turnabteilung der SpVgg Altenerding entspringen. Bewunderung ernteten die jungen Frauen, unter ihnen das Funkenmariechen Annalena Hennig, für ihre nahezu halsbrecherisch wirkenden Darbietungen. Die jungen und noch jüngeren Tänzerinnen schonten weder sich noch das Material und schreckten auch vor einem Spagat nicht zurück. Mit rotem Nasenspitzchen absolvierte nicht minder tapfer die Faschingsprinzessin Tabea mit ihrem Prinz Max den Prinzenwalzer, für den sie offenbar den gleichen Trainer hatten wie OB Max Gotz, der ähnliche Figuren bei seiner Performance beim Tanzwettbewerb Let's dance im vergangenen Herbst gezeigt hatte. Ein souveräner Auftritt des Prinzenpaares, das zu den sympathischsten der vergangenen Jahre zu zählen ist.