Am Kronthaler Weiher Planung bleibt bestehen

Die Bäume sind bereits abgeholzt für eine Vergrößerung des Parkplatzes und die Verlegung der Straße An der Melkstatt. In diesem Sommer, so sagt die Stadt, werde dies "wahrscheinlich nicht" mehr passieren.

(Foto: Renate Schmidt)

Erdinger Rathaus hält an dem Plan fest, die Straße An der Melkstatt nach Süden zu verlegen. Auf den Bau der Nordumfahrung will OB Gotz nicht warten. Sie soll für Entlastung der Freisinger Siedlung sorgen

Von Antonia Steiger, Erding

Die Stadt Erding hält an ihrer Planung für die Verlegung der Straße An der Melkstatt fest. Die Straße soll nach Süden an die Wohnbebauung gerückt werden, sodass sie nicht mehr zwischen Parkplatz und Kronthaler Weiher verläuft. Das soll die Sicherheit der Badegäste auf ihrem Fußweg zur Liegewiese erhöhen und die Zahl der Parkplätze um 250 erhöhen. Die Maßnahme ist auch Teil eines Plans mit dem Ziel, die Freisinger Siedlung vom Lastwagenverkehr zu entlasten, indem die Lastwagen auf die Nordumfahrung geleitet werden - wenn die Nordumfahrung denn gebaut ist. Gegen Widerstand im Stadtrat und gegen den Willen der Anwohner hält OB Max Gotz (CSU) daran fest, die Straße zu verlegen, auch wenn die Nordumfahrung jetzt noch nicht gebaut wird. Es sei aber eher unwahrscheinlich, sagt Stadt-Pressesprecher Christian Wanninger, dass dies noch in diesem Sommer passiere.

Es ist in den vergangenen Jahren viel über diesen Plan gesprochen worden. Die Anwohner wehren sich, weil sie fürchten, dass ihre Wohnqualität leidet, wenn die Kieslaster näher an ihren Häusern vorbeifahren. Lange drehte sich die Debatte um die Frage, ob Gotz den Anwohnern versprochen hatte, dass die Straße erst verlegt wird, wenn die Nordumfahrung fertig ist und die Lastwagen dann nicht mehr durch die Freisinger Siedlung fahren müssen. Er hatte immer wieder betont, er habe das nicht versprochen. Anhand eines Vortrags hat am Dienstag Andreas Erhardt, Leiter des Rechtsamts der Stadt Erding, nun erläutert, dass eine Festsetzung im Bebauungsplan sehr wohl die Möglichkeit einschließe, die Straße zu verlegen, ohne dass die Nordumfahrung schon fertig ist. Es müssen laut Erhardt nur planerischen Voraussetzungen geschaffen worden sein. Und das sind sie seinen Worten zufolge.

Jetzt möchte Gotz Anwohner und Kritiker davon überzeugen, dass die Verlegung der Straße keine unzumutbaren Härten mit sich bringen wird. Dass die Maßnahme sinnvoll ist, um die Sicherheit für Badegäste zu erhöhen, bezweifelt niemand. Mehrere Redner warben dafür, die Sicherheitsinteressen durchzusetzen, unter anderem Harry Seeholzer (Erding Jetzt), der es satt habe, wie er sagte, dass Menschen immer nur profitieren, aber keine Nachteile in Kauf nehmen wollten. Auch Thomas Bauer, Jakob Mittermeier und Walter Rauscher, CSU, äußerten sich ähnlich wie auch Hans Egger (Erding Jetzt). Günther Kuhn (Grüne), Horst Schmidt (SPD) und Johanna Heindl (FW) sehen dagegen Schwächen in der gesamten Planung; Petra Bauernfeind (FW), die selbst in der Freisinger Siedlung wohnt, äußerte klar die Auffassung, dass den Anwohnern der Lärm nicht zugemutet werden könne. Sie zweifelte an der Aussagekraft eines Gutachtens, demzufolge es für die Anwohner nicht lauter werden würde. Strittig ist ihrer Ansicht die Wirksamkeit von Geschwindigkeitsbegrenzungen für Lastwagenfahrer, wenn sie an der Siedlung vorbeifahren. Geplant sind auch Verschwenkungen, die Lastwagen zum Tritt auf die Bremse animieren sollen. Noch gebe es keine konkreten Planungen, sagte Gotz. Er warb im Stadtrat, dessen Sitzung viele Anwohner der Freisinger Siedlung verfolgten, für eine Umsetzung. Über die Belastung der Menschen in der Freisinger Siedlung durch die Kieslaster der Firma Kronthaler, die Bestandsschutz genieße, diskutiere der Stadtrat seit Jahrzehnten. "So weit wie jetzt waren wir noch nie", sagte Gotz. Er wolle mit der Verlegung nicht darauf warten, dass die Nordumfahrung gebaut werde. Das dauere viel zu lange, findet Gotz. Keiner könne garantieren, dass es zum Planfeststellungsbeschluss komme. Mittermeier sagte, man rede nicht über ein Jahrhundertbauwerk, sondern über eine zeitlich befristete Lösung, denn die Nordumfahrung werde ja gebaut.

Erhardt hatte sich in seinem Vortrag mit einer weiteren Besonderheit befasst: Jahrelang wurde von einer Verschiebung der Straße In den Hacken nach Süden geredet, die aber in Nord-Süd-Richtung verläuft und deswegen gar nicht nach Süden verlegt werden kann. Gemeint war stets die Straße An der Melkstatt, die in die Straße In den Hacken übergeht. Der Bebauungsplan sei trotzdem gültig, findet der Jurist Erhardt, weil eben immer nur von der Straße In den Hacken die Rede gewesen sei. "Ein bisschen unbefriedigend", sagte dazu Hans Egger.