Entscheidung über den Neubau vertagt Stillstand bei der Großmarkthalle

Obwohl die alte Großmarkthalle immer maroder wird, muss der Stadtrat die Entscheidung über den Neubau vertagen. Die betroffenen Händler protestieren vehement gegen den geplanten Standort. Nun muss weiter gefeilscht werden.

Von Silke Lode

Stadt und Obsthändler können sich nicht auf einen Standort für die neue Großmarkthalle einigen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eines der größten Projekte der Stadt sollte an diesem Donnerstag eigentlich einen entscheidenden Schritt vorankommen - doch daraus wird nichts. Der Kommunalausschuss des Stadtrats hat die Entscheidung, wo genau die neue Großmarkthalle gebaut werden soll, erst einmal vertagt. Fest steht bisher nur, dass der Markt auf jeden Fall auf dem bisherigen Gelände zwischen Schäftlarn- und Thalkirchner Straße in Sendling bleiben soll. Doch über den genauen Ort auf dem Areal ist zwischen den Obst- und Gemüsehändlern und der Stadt ein heftiger Streit entbrannt.

Am Montagmorgen hatte der Fruchthandelsverband die Presse mit Kritik gefüttert, am Nachmittag standen die Händler bei verschiedenen Stadtratsfraktionen vor der Tür. "Wir haben noch Gesprächsbedarf mit den Händlern, sie müssen die Halle am Ende zahlen", sagt Alexander Reissl, der Chef der Rathaus-SPD - und kündigte an, das Thema zu vertagen. Auch Bürgermeisterin Christine Strobl hat am Mittwoch erneut mit den Händlern gesprochen und meint, dass der Stadtrat so keine Entscheidung treffen sollte. "Eine Millionen-Investition kann man unter solchen Umständen nicht durchdrücken", sagt Strobl.

Einen Kompromiss zwischen den Händlern und der Stadt zu finden, dürfte allerdings schwierig werden - denn das, was die Händler wollen, bezeichnet Kommunalreferent Axel Markwardt als "größtmögliches Risiko, diesen Standort kaputt zu machen". Es geht darum, dass die Händler die neue Markthalle auf dem derzeitigen Lkw-Parkplatz bauen wollen - eine Idee, die auch der Stadt bis vor eineinhalb Jahren gut gefallen hat. Damals, im Februar 2011, hat sie ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Neubau vorzubereiten. 1,2 Million Euro hat das Papier gekostet, die Ergebnisse liegen seit diesem Sommer vor - und sind ganz anders als erwartet ausgefallen.

Das Büro DU Diederichs empfiehlt, den Lkw-Parkplatz auf keinen Fall aufzugeben, da weder an anderer Stelle auf dem Gelände noch sonst irgendwo im 30-Kilometer-Umkreis Platz für Parkplätze sei. Außerdem warnen die Gutachter vor Altlasten wie Schmiermitteln aus dem ehemaligen Straßenbahndepot und Brandtrümmerschutt auf dem Areal. "Wenn wir dort einfach gebaut hätten, wären die Überraschungen brutal gewesen", sagt Markwardt. Die Händler halten jedoch am Parkplatz als Standort fest und verweisen darauf, dass von den 120 Stellplätzen in der Regel nur 40 belegt seien. Vor vier Jahren haben sie auf eigene Faust einen Architekten beauftragt, dafür Pläne zu entwerfen.

Doch Markwardt hält ihnen nun vor, dabei weder die Altlasten noch die Lkw-Problematik berücksichtigt zu haben. Er befürchtet, dass die Laster auf Parkplatzsuche durch Sendling kreuzen würden - und auch die am Großmarkt ansässigen Logistik-Unternehmen seien entsetzt bei der Vorstellung, dass der Parkplatz wegfallen könnte. Bürgermeisterin Strobl berichtet, dass die Händler einen anderen Standort etwas weiter im Norden des Großmarktareals eigentlich schon akzeptiert hatten.

Vor einem halben Jahre habe sie im von ihr geleiteten Lenkungskreis gefragt, ob den Händlern die Lage der neuen Halle nicht egal sein könne, sofern der Verkauf ohne Unterbrechung durch die Bauarbeiten weiterlaufe und die Logistik stimme. Günther Warchola, der Präsident des Fruchtgroßhandels, habe unter diesen Umständen einen anderen Standort akzeptiert. Am Mittwoch erneuerten die Händler jedoch ihre Kritik, dass die Alternativfläche zu klein sei. Das Kommunalreferat weist dies zurück: Es sei keine Halle mit 8000 Quadratmetern geplant, sondern verbundene Hallen auf 34 000 Quadratmetern. Und das sei nur der erste Bauabschnitt.

Für die Stadt könnte das Gezerre um den Standort teuer werden: Selbst wenn der Stadtrat am Donnerstag grünes Licht für die weitere Planung gegeben hätte, wäre die neue Halle nicht vor 2016 fertig geworden. Die alten Hallen sind aber so marode, dass laut Markwardt schon jetzt nachgebessert werden muss, um sie bis zum Abriss weiter nutzen zu können.