Entscheidung des Patentgerichts Echt Hamburger Weißwurst

Ein Patent für die Münchner Weißwurst? Da könnte ja jeder kommen!

Eine Glosse von Karl Forster

Wer auf der Autobahn von Lindau nach München Hunger bekommt und in der Raststätte Lechwiesen einen Nahrungsaufnahmestopp einlegt, entdeckt auf der Speisekarte eine sehr regionale Verlockung: Landsberger Weißwürste!

So etwas nennt man Selbstbewusstsein, wo doch gerade die Münchner Metzger um die Anerkennung gekämpft haben, eine echte Weißwurst werde nur bei ihnen lege artis zubereitet, weswegen sie vor Gericht darum kämpften, dieser "Münchner Weißwurst" eine sogenannte "geschützte geografische Angabe" zukommen zu lassen. Wie am Dienstag und heute berichtet, hat das nicht funktioniert.

Patent für den ortstypischen Grant

Das Beispiel aus Landsberg zeigt, dass die Richter des Bundespatentgerichts weise geurteilt haben. Sonst müssten wohl alle Metzger des Bayernlandes, so sie was auf sich und ihre Weißwürste halten, solch eine geschützte Angabe einfordern. Es gäbe dann eine Teisendorfer Weißwurst, eine Riederinger, eine Wasserburger; von der Wenigmünchner Weißwurst, der kleine Ort liegt zwischen Starnberg und Gilching, ganz zu schweigen.

Hätte die Münchner Weißwurst Schule gemacht, wäre man gezwungen gewesen, auch andere auf den ersten Blick Münchner Einzigartigkeiten mit einem Patent zu versehen. Da wäre einmal der ortstypische Grant, der sich von anderen Grants durch eine besondere Hartnäckigkeit unterscheidet.

Oder die Münchner CSU, deren Unique Selling Proposition die ausgeprägte Neigung zur parteiinternen Intrige ist. Doch zurück zur Weißwurst: Die beste Münchner Weißwurst außerhalb Münchens gibt es in Hamburg, beim Metzger Böcke in Eimsbüttel. Nun aber, man lese und staune, hat man an der Alster auch eine echte Hamburger Weißwurst im Angebot: Sie besteht aus Fisch. Patentrichter würden ihr wohl eine geschützte geografische Angabe nicht verweigern können.