Engpässe in Münchner Kliniken Notaufnahmen in Not

In den Notaufnahmen kommt es regelmäßig zu Engpässen, auch wegen Patienten, die keinen Hausarzt mehr haben und wegen jedem Husten kommen.

(Foto: Robert Haas)
  • Weil im Winter mehr Leute krank werden, kommt es in Krankenhäusern immer wieder zu Engpässen in Notaufnahmen.
  • In München reichte das Problem kürzlich so weit, dass an einem Tag fast alle Kliniken die Aufnahme weiterer Notfall-Patienten abgelehnt haben.
  • Die Initiative "Bürger für unser Münchner Stadtklinikum" sieht als Grund verschiedene Entscheidungen der Stadt - Experten jedoch halten die Ursachen für deutlich komplexer.
Von Stephan Handel

Engpässe in Münchner Kliniken

Im Winter werden mehr Leute krank - und damit auch die Krankenhäuser stärker in Anspruch genommen, vor allem die Notaufnahmen und die Intensivstationen. Bei den Münchner Kliniken ist es dabei in den letzten Wochen offenbar auch zu Engpässen gekommen.

Die Initiative "Bürger für unser Münchner Stadtklinikum" (BuMS) sieht einen Grund dafür in der Sanierung der Städtisches Klinikum GmbH (StKM), dem dabei geplanten Kapazitätsabbau und der daraus folgenden Personalflucht. Experten jedoch halten die Gründe für deutlich komplexer.

Wie Notfall-Patienten verteilt werden

Seit zwei Jahren werden die Münchner Notfall-Patienten über das Computer-System Ivena auf die Krankenhäuser im Stadtgebiet verteilt; Ivena steht für "Interdisziplinärer Versorgungs-Nachweis". Geht ein Notruf in der Rettungsleitstelle ein, kann das Personal dort sofort sehen, welche Klinik für den jeweiligen Fall Kapazitäten frei hat. Die Kliniken können sich aber auch selbst von Ivena abmelden, wenn sie keine neuen Patienten mehr versorgen können oder wollen.

Eine dramatisch klingende Konstellation hat BuMS dabei am 12. Januar festgestellt: Gegen 17 Uhr hatten fast alle Münchner Kliniken gleichzeitig gemeldet, dass sie keine internistischen Notfall-Patienten mehr aufnehmen, nur das Klinikum Pasing hatte sich nicht abgemeldet.

Was BuMS nun fordert

Aus Sicht von BuMS wirft das Frage auf, warum in einer Stadt wie München keine ausreichenden Versorgungskapazitäten zur Verfügung stehen und ob es dann noch vertretbar sei, in Schwabing und in Harlaching weitere Betten abzubauen - diese beiden Kliniken sollen bei der Sanierung der StKM zugunsten von Bogenhausen und Neuperlach verkleinert werden.

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"Es geht um alles oder nichts", sagen einige Stadträte: Eine Unternehmensberatung und private Medizin-Experten sollen die überfällige Sanierung der städtischen Kliniken überwachen - damit nicht wieder alles schief geht. Von Dominik Hutter mehr ...

Die Vorsitzende von BuMS, Ingrid Seyfarth-Metzger, sieht zudem ein Problem beim StKM-Personal: Stellen seien abgebaut worden. Und den noch Verbliebenen werde das Leben so schwer gemacht, dass viele kündigten und versuchten, bei anderen Arbeitgebern unterzukommen, was angesichts des Pflegekräftemangels meist kein Problem sei. So gäbe es zwar Intensiv- und Notfall-Kapazität am StKM - die könnte jedoch nicht ausgelastet werden, weil nicht genügend Personal vorhanden ist.

Weitere Gründe für die Engpässe

Diese Problem-Analyse will Stephan Prückner nicht grundsätzlich verneinen, hält sie jedoch nicht für den einzig Schuldigen am derzeitigen gelegentlichen Engpass. Prückner ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement der LMU und als solcher mit der Situation des Rettungsdienstes in ganz Bayern vertraut.

"Wir wissen nicht, warum sie die Kliniken von Ivena abmelden", sagt Prückner: Ist wirklich jedes Bett mit einem Patienten belegt? Wären vielleicht noch Betten frei, aber es fehlen Ärzte und Pfleger für die Betreuung? Und was ist der Grund dafür? Krankheits- oder Urlaubswellen? Gewollte Unterbesetzung aus Spargründen? Oder erzwungene wegen des Pflegekräftemangels? Die Kliniken wollen diese Gründe nicht öffentlich machen, weil sie ja untereinander in Konkurrenz stehen und damit Rückschlüsse auf ihre Geschäftspolitik ermöglichen würden.

Auf jeden Fall ist das Problem keines, das nur München betrifft, Stephan Prückner sagt, in Würzburg oder in Nürnberg sei die Situation gerade ähnlich. Hinzu kommt, dass die Notaufnahmen mehr und mehr auch von ambulanten Patienten genutzt werden, weil viele keinen Hausarzt mehr haben und deshalb mit jedem Husten gleich ins Krankenhaus gehen - ein Umstand, der die Notaufnahmen zusätzlich belastet, ohne dass diese Zahlen bislang in die Bedarfsplanung eingeflossen wären. Für Prückner gibt es deshalb hauptsächlich eine Forderung und einen Appell an die Kliniken: "Die Kliniken müssen diese Statistiken offenlegen."