Energiekrise: Münchens Versorgung Der Ofen wird nicht kalt

Lieferanten versichern: Selbst wenn das Erdgas aus Russland sehr knapp wird, sind genug Reserven für München vorhanden.

Von Michael Tibudd

Die Bewohner der geschätzt 350.000 Münchner Haushalte, die mit Erdgas heizen, müssen sich vorerst keine Sorgen machen, dass ihre Wohnung kalt bleibt - diese Botschaft wollen die Beteiligten am Gasgeschäft für München bekannt machen.

Der Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Münchner Haushalts an - laut den Beteiligten am Gasgeschäft für München müssen sich die Bürger keine Sorgen machen, dass ihre Wohnung kalt bleibt. Vorerst, zumindest.

(Foto: Foto: dpa)

Die Bayerngas, alleiniger Lieferant für den Gasbedarf der Stadtwerke München, teilt mit: "Es gibt keine Einschränkung, wenn jetzt die Gasmenge, die wir bekommen, gedrosselt werden sollte."

Man habe Verträge mit zehn verschiedenen Lieferanten, nur etwa ein Drittel des Erdgases komme aus Russland. Außerdem verfügt man über einen großen Gasspeicher in der Region. Auch der in Grünwald beheimatete private Anbieter Montana sieht keine Gefahr von Lieferengpässen.

Zwei der großen Vorlieferanten für die Bayerngas sind die Großimporteure Eon Ruhrgas und Wingas. Die Bayerngas bezieht ihr Gas von diesen Unternehmen und verteilt es dann ihrerseits an kommunale Versorger weiter - die Stadtwerke München sind hier der größte Abnehmer und auch selbst größter Gesellschafter der Bayerngas. Insgesamt bezieht das Unternehmen über sein Portfolio Gas ganz unterschiedlicher Herkunft. Und da kommt russisches Erdgas deutschlandweit auf einen Anteil von gut einem Drittel. Ein großer Teil des Rests stammt aus den skandinavischen Ländern und aus Holland. Barz: "Außerdem kommt nicht alles russische Gas über die Ukraine zu uns."

Zwei Probleme

Der Erdgasspeicher der Bayerngas befindet sich in Wolfersberg im Landkreis Ebersberg. Wie lange die dortigen Vorräte reichen würden - das zu benennen ziert sich das Unternehmen. "Das hängt immer stark von den Temperaturen ab", sagt Sprecher Barz.

Dazu kommt ein praktisches und technisches Problem: Der Erdgasbedarf etwa für München könnte nicht ausschließlich aus dem Lager unter Wolfersberg gedeckt werden. Einerseits fehlen dazu die Transportkapazitäten - es gibt nicht genug Rohre, durch die die gesamte Menge eines Tages gepumpt werden könnte. Zum anderen kann man die Vorräte nicht ohne weiteres abpumpen: "Die befinden sich nicht in einem Hohlraum", erklärt Dirk Barz. Das Gas ist vielmehr in einem so genannten Porenspeicher gelagert: Das ist Gestein, das das Gas wie ein Schwamm aufnimmt.

Das hat die Natur an dieser Stelle so eingerichtet, es gab hier auch natürliches Erdgas, das zwischen 1960 und 1968 gefördert wurde. Heute wird das Erdgas aus fremden Quellen zunächst mit hohem Aufwand in bis zu 3000 Meter Tiefe gepumpt und bei Bedarf ebenso aufwändig wieder zurückgewonnen - der Versorgungssicherheit wegen.

Was die Stromversorgung angeht, können die Stadtwerke indes vollends entwarnen: Die Kraftwerke, die normalerweise Gas verbrennen, funktionieren notfalls auch mit leichtem Heizöl.