Empfang für Migranten Selfie mit dem Oberbürgermeister

Die geladenen Migranten ließen sich die Gelegenheit zu einem Schnappschuss mit "ihrem OB" nicht entgehen - auch wenn viele das Stadtoberhaupt gar nicht wählen dürfen.

(Foto: Florian Peljak)

Mehr als 40 Prozent der Münchner haben einen Migrationshintergrund. "Darauf dürfen wir stolz sein", sagt Dieter Reiter.

Von Inga Rahmsdorf (Texte) und Florian Peljak (Fotos)

Zum Abschluss gab es dann noch das obligatorische Gruppenfoto. Und so drängten sich die vielen Frauen und wenigen Männer zusammen vor die Kameras, in der Mitte ragte Oberbürgermeister Dieter Reiter heraus. Eigentlich war nur ein Bild geplant: die Mitglieder des Ausländerbeirates mit Reiter. Doch die Stimmung war so gelassen beim Jahresempfang für Migranten am Montagabend im Saal des Alten Rathauses, dass das offizielle Programm mit einem Selfie-Schießen von Münchens Migranten mit dem Oberbürgermeister endete.

Anders als bei dem Thema Flüchtlinge, das derzeit auch im Rathaus wieder zu hitzigen Debatten führt, ist ein Jahresempfang mit Migranten für einen Oberbürgermeister in München wohl vor allem eine unumstrittene und erfolgreiche Vorzeigeveranstaltung. Mehr als 40 Prozent der Münchner haben einen Migrationshintergrund. "Das glaubt mir niemand", sagte Reiter.

420 000 Münchner haben ausländische Wurzeln

Während bundesweit oft eher Berlin für eine Stadt mit hohem Migrationsanteil gehalten wird, hat München längst den höchsten Ausländeranteil. 420 000 Münchner der 1,5 Millionen haben einen ausländischen Pass. "Doch es fällt niemandem auf", sagt Reiter, "und darauf dürfen wir stolz sein." Integration sei in München tatsächlich gelungen.

Dass die Migranten selbstverständlich zu München und der Stadtgesellschaft gehören, sich vielfältig engagieren und einbringen, zeigten die etwa 300 Gäste am Montagabend, darunter Vertreter von verschiedenen Organisationen, Vereinen, Religionsgemeinschaften und konsularischen Vertretungen.

Reiter hob dabei die besondere Bedeutung des Ausländerbeirates hervor. Dessen Vorsitzende Nükhet Kivran hatte zusammen mit dem Oberbürgermeister zu dem Empfang geladen. Es sei eine profilierte Interessenvertretung, die auch als Berater für die Politik fungiere. Dafür brauche es aber auch eine demokratische Legitimation. Bei der Wahl zum Ausländerbeirat, an der sich alle Münchner mit ausländischem Pass beteiligen können, lag die Beteiligung 2010 bei nur sechs Prozent.

"Daran gilt es intensiv zu arbeiten", sagte Reiter. Auch im vergangenen Jahr habe der Ausländerbeirat viele Anträge gestellt, Veranstaltung organisiert, und seine Mitglieder hätten ehrenamtlich Hunderte Beratungen und Begleitungen durchgeführt, sagte Kivran. "Nicht Religion oder Nationalität spielen bei uns eine Rolle, sondern nur der Mensch."

"Ich drehe mich nicht so schnell"

Natürlich war auch die steigende Zahl der Flüchtlinge eines der zentralen Themen bei dem Jahresempfang. Reiter zeigte sich aber zuversichtlich, dass auch die Integration dieser neuen Münchner gelingen werde. Und er betonte, dass es ihm weiterhin wichtig sei, alle Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und eine Struktur zu schaffen, um die Helfer und Ehrenamtlichen besser zu koordinieren, um Flüchtlinge zu unterstützen.

München bleibt 2000 Plätze für Flüchtlinge schuldig

Seit Monaten schafft die Stadt zu wenig neue Quartiere. Die CSU warnt schon, bald müsse man jede fünfte Turnhalle belegen. Von Heiner Effern mehr ...

Reiter bezog sich auch auf die aktuelle Debatte. Er hatte am vergangenen Wochenende an die Bundesregierung appelliert, dass es dringend einen Plan bräuchte und auch München nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen könne. Die CSU sah darin eine Kehrtwende des Oberbürgermeisters. Der wies das aber erneut entschieden von sich: "Ich bin ziemlich schwer, ich drehe mich nicht so schnell."

Er sei weiterhin dagegen, nutzlose Obergrenzen einzuführen. Es brauche aber eine schnelle Lösung und die könne nur darin liegen, in europäischer Solidarität die Herausforderungen anzugehen.