Eklat im Münchner Rathaus Zu nah an Abtreibungsgegnern

Hollemann ist Mitglied bei "Aktion Lebensrecht für alle" - deren Dachverband hat schon mehrfach den umstrittenen "Marsch für das Leben" in Berlin veranstaltet.

(Foto: Robert Haas)
  • Seine Mitgliedschaft in umstrittenen Vereinen kostet ÖDP-Politiker Markus Hollemann den Posten des Gesundheitsrefernten.
  • Unter anderem war er Mitglied im Verein "Aktion Lebensrecht für Alle", der sich gegen die Straffreiheit und Abtreibungen einsetzt und als fundamentalistisch gilt.
  • Weiter gehörte er der freikirchlichen Organisation "Christian Solidarity International" an, der Kritiker pauschale Islamkritik vorwerfen.
Von Jakob Wetzel

Markus Hollemann macht kein Geheimnis daraus, wen er unterstützt: In welchen Vereinen er Mitglied ist oder wem er zumindest regelmäßig Geld spendet oder gespendet hat, das hat er auf seiner Homepage aufgelistet. Es sind zwei Einträge auf dieser Liste, die Hollemann nun den Referentenposten gekostet haben: die "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA) und die "Christian Solidarity International" (CSI) Deutschland.

Die "Aktion Lebensrecht für Alle" mit Sitz in Augsburg ist eine zuletzt mäßig engagierte Interessengruppe, die sich vor allem gegen die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzt. Sie sieht sich als überkonfessionell, ist aber stark katholisch geprägt, Kritiker werfen ihr fundamentalistische Positionen vor. Die Bundesvorsitzende Claudia Kaminski warnt mal vor den gesundheitlichen Risiken künstlicher Befruchtung, mal stellt sie sich mit Verweis auf Grundgesetz und Menschenwürde gegen Präimplantationsdiagnostik - und mal beklagt sie sich, dass Lebensrechtler ihre Meinung nicht frei äußern dürften, weil diese nicht der "Political Correctness" entspreche. Das schrieb Kaminski 2010 in einem Beitrag für die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit.

Verwehrter "Marsch für das Leben"

Eine Personalie, die alle blamiert

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Kritik ausgesetzt ist der Verein auch in den Kirchen. Dem von der Dachorganisation "Bundesverband Lebensrecht" jährlich organisierten "Marsch für das Leben" in Berlin verwehrte das evangelische Domkollegium 2013 einen Abschlussgottesdienst im Berliner Dom, unter anderem wegen Äußerungen des Verbandsvorsitzenden Martin Lohmann gegen die Homo-Ehe und die "Pille danach" nach einer Vergewaltigung.

"Christian Solidarity International" ist eine freikirchlich geprägte Organisation, die sich nach eigenen Angaben für Religionsfreiheit und Menschenwürde einsetzt, der Kritiker aber pauschale Islamfeindlichkeit vorwerfen. Das große Thema der CSI ist die Verfolgung von Christen: In den Siebziger- und Achtzigerjahren demonstrierte sie für unterdrückte Christen in der Sowjetunion; in den Neunzigerjahren erregte sie Aufsehen, als sie Sklaven freikaufte, die aus dem christlich geprägten Südsudan in den muslimischen Norden verschleppt worden waren.

Später positionierte sich die CSI gegen einen EU-Beitritt der Türkei. CSI-Gründer Hansjürg Stückelberger, ein evangelischer Pfarrer aus der Schweiz, verglich dabei muslimische Einwanderer mit dem trojanischen Pferd aus Homers Ilias: Er sprach vom Untergang des christlichen Europa und einer Lawine, die, einmal losgetreten, nicht mehr aufzuhalten sei.

Kulturelle Unterschiede auf pauschale Islam-Kritik reduziert

Axel Seegers, der Weltanschauungsbeauftragte des Erzbistums München und Freising, warnt, CSI arbeite mit simplen Parolen, reduziere kulturelle Unterschiede auf pauschale Islam-Kritik und erwecke den irreführenden Eindruck, als würden weltweit ausschließlich Christen verfolgt. Er sieht CSI "im rechten Spektrum angesiedelt" und distanziert sich von dem "vereinfachenden und einseitigen Islambild", das die Organisation zeichne. Ähnlich formuliert es sein Kollege in der evangelischen Landeskirche, Matthias Pöhlmann. Sitz von CSI Deutschland ist das Gemeindehaus der evangelikal geprägten evangelisch-lutherischen Paul-Gerhardt-Kirche in Laim. Über diese Nähe müsse diskutiert werden, findet Pöhlmann.

Hollemann zieht Kandidatur zurück

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In München fällt zudem eine Nähe von CSI zu Michael Stürzenbergers islamfeindlicher Partei "Die Freiheit" auf. Als etwa das Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR) 2013 die Dauer und die Lautstärke von "Freiheit"-Kundgebungen gegen das Münchner Moschee-Projekt einschränkte, beschwerte sich der Geschäftsführer von CSI Deutschland, Gunnar Wiebalck, in ebendieser Eigenschaft bei der Stadt. Stürzenberger warne "kenntnisreich und sachlich vor den Gefahren, die der politische Islam für unseren freiheitlichen Rechtsstaat mit sich bringt", schrieb er in einem Protestbrief. Die Auflagen des KVR hingegen ließen den "Mief vergangen geglaubter Diktaturen" durch die Straßen wehen. Auf seinem Facebook-Profil hat Wiebalck die Pegida-Bewegung mit einem "Gefällt mir" markiert.