Eisbach im Englischen Garten Illegal surfen auf der zweiten Welle

Die Eisbachwelle zählt zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt. Was viele nicht wissen: Es gibt noch eine zweite Welle im Englischen Garten. Bisher galt die als Geheimtipp für Anfänger. Doch mit dem Spaß dort könnte es bald vorbei sein.

Von Thomas Moßburger

Ein sonniger Nachmittag im Englischen Garten. Etwa 15 Surfer in Neopren-Anzügen stehen mit ihren Boards am Rand des Eisbachs. Die Welle, die sie reiten wollen, ist jedoch nicht die berühmte Eisbachwelle am Haus der Kunst. Sondern eine zweite - kleinere und weniger bekanntere - Welle im Englischen Garten.

Während die große Eisbachwelle am Haus der Kunst mittlerweile neben Marienplatz und Frauenkirche zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt geworden ist, fristet die zweite Welle bisher eher ein Schattendasein. Denn bisher war das neue Surfrevier nur wenigen Eingeweihten bekannt.

An der Dianabadschwelle zwischen dem Uni-Gebäude an der Oettingenstraße und der Himmelreichstraße gelegen, eignet sich die kleinere Welle besonders für Surf-Einsteiger. Im Gegensatz zum Original sorgen dort nämlich keine alten Störsteine im Wasser für Verletzungsgefahr. Außerdem beschweren sich hier eher selten erfahrene Surfer über Neulinge, die alles blockieren.

Einer der Wellenreiter, der an diesem Tag gekommen ist, ist der 16-jährige Jonas. Er hat erst vor einer Woche mit dem Surfen begonnen, lässt jetzt aber schon gekonnt sein Surfbrett auf der Welle tänzeln. Die kleinere Welle hat er bewusst gewählt, weil sie als anfängerfreundlicher gilt als die große an der Prinzregentenstraße. Immer wieder wirft er sich mit seinem Board auf das Wasser und zeigt den umherstehenden Zuschauern, was er in der kurzen Zeit gelernt hat.

Am Bachufer steht mittlerweile auch Mike aus Australien, der älteste Wellenreiter an diesem Nachmittag. In einer australischen Surfzeitschrift hat der 54-Jährige von der großen Eisbachwelle gelesen und sie auch schon ausprobiert. Sie ist ihm, der in seiner Heimat am liebsten Windsurfen geht, jedoch etwas zu wild. Nun nutzt er seinen sechswöchigen Urlaub, um auf der kleinen Welle zu surfen.

Nicht so glücklich über die Situation an der kleinen Welle ist ein Surfer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er surft schon seit Längerem auf der zweiten Eisbachwelle und berichtet, dass vor einiger Zeit ein regelrechter Hype um sie ausgebrochen sei, nachdem Medien über sie berichtet hatten. Danach haben Unbekannte einen Zaun, der den Einstieg ins Wasser für viele unerfahrene Surfer erschwert hatte, entfernt.

Zudem befürchten die Surfer, dass der Boom der zweiten Welle bald die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen könnte. Vor Kurzem sind bereits Verbotsschilder und ein neuer Zaun errichtet worden. Tatsächlich könnte es mit dem Vergnügen schon bald wieder vorbei sein. Denn die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung weist in einer Erklärung streng auf die Parkordnung hin. Danach sei es im Englischen Garten "nicht erlaubt, in den Gewässern zu baden, wozu im weiteren Sinne auch das Surfen gehört".

Erst vor drei Jahren hatte es deshalb bereits Querelen um die große Eisbachwelle gegeben. Der Freistaat Bayern als Eigentümer des Englischen Gartens wollte das Surfen dort untersagen. Nach einem Aufruf von Münchner Surfern, bei dem sich mehrere tausend Sympathisanten für die Rettung der Welle einsetzten, kam es zu einer surferfreundlichen Lösung: einem Grundstückstausch. Die Stadt München tauschte mit dem Freistaat ein paar Quadratmeter Grünstreifen auf der Ostseite der Königinstraße gegen den weltberühmte Surf-Spot. Damit war die Welle gerettet.

Bilder vom reissenden Fluss

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