Die Münchner sind für Harald Schmidt auf die Straße gegangen. Die Kernforderung des Abends vorneweg: "Schmidt statt Shit!" Und das Einzelschicksal von Maria Macbeth gleich hinterher: "Als ich hörte, dass er aufhört, habe ich geweint. Wirklich."
Leute, die Harald Schmidt mögen, verstehen es, ihre Enttäuschung in einen guten Scherz umzumünzen - das haben sie in den letzten acht Jahren gelernt. Vier, später fünf Tage die Woche, jeweils eine Stunde lang von 23.15 bis 0.15 Uhr. Also hat auch die Frau Mitte 50, die sich Maria Macbeth nennt ("Meine Freundinnen würden mich verachten, wenn sie mich in der Zeitung lesen"), ihr Lachen wiedergefunden. Gemeinsam mit etwa 200 anderen Demonstranten protestiert sie dagegen, dass der Meister vom Bildschirm verschwindet. Als SPD-Oppositionsführer Franz Maget ankündigt, er werde die Intendanz des Bayerischen Rundfunks auffordern, Deutschlands Meister-Talker zu engagieren, damit dieser Sender "endlich auch mal vernünftige Comedy" ausstrahle, schreit Frau Macbeth: "Jaaaa. Endlich sagt's mal jemand!"
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Einzigartige Kundgebung
Genau genommen handelt es sich eher um eine Dankes-Kundgebung oder um einen Bittgang als um eine Protestveranstaltung. Und es ist bislang die einzige dieser Art in Deutschland. Die Fans - sie dürften zwischen 16 und 70 Jahre alt sein - erzählen sich untereinander Geschichten von "Harald" und wie sie ihn erlebten.
Heidi Bauer, eine Dame Mitte 40 hat ein Schmidt-Votivbild gebastelt, mit Blumen verziert und mit einer Collage aus Schlagzeilen der vergangenen Tage versehen: "Harald Schmidt schmeiß nicht hin." Kaum eine Show sei ihr in den letzten acht Jahren entgangen.
Moderator Bernhard Fleischmann und sein Sidekick Alex Wolfrum, der die Demo auf dem Odeonsplatz "aus Wut und Verzweiflung und wegen der inneren Leere" organisiert hat, lassen jeden auf die Bühne, der eine Grußadresse nach Köln richten will. Für Appelle wie "Harald Schmidt statt der Langweiler Kerner und Beckmann!" und "Anarchie in München!" schenken sie den Rednern Fastfood-Gutscheine, wie Schmidt seinen Gästen 50-Euro-Scheine überreicht. Eine Frau Anfang 30 trägt ein Transparent mit der Aufschrift "Harald, lass uns nicht allein mit dem Stumpfsinn", sie traut sich nicht aufs Podium. Vor 13 Jahren habe sie zuletzt an einer Demo teilgenommen, sagt sie - "in Leipzig gegen die DDR-Regierung".
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