Von Von Ursula Quass

Die Wahl des Bayern Joseph Ratzinger zum Papst hat im Freistaat ein wahres Reisefieber ausgelöst. Auch die offizielle Delegation, angeführt von Ministerpräsident Edmund Stoiber, macht sich auf den Weg in die Heilige Stadt.

Viele wollen live dabei sein, wenn der aus Marktl am Inn stammende ehemalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger am Sonntag feierlich in sein Amt eingeführt wird.

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Allein die offizielle Delegation umfasst 120 Personen. Angeführt wird die "blau-weiße" Pilgerschar von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der zusammen mit seiner Ehefrau Karin in die Ewige Stadt reist.

Ehrenplätze für Stoibers Delegation

Aber auch der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und Vertreter anderer kirchlicher Organisationen sowie der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, Josef Schuster, lassen sich die Inauguration nicht entgehen.

Kein Wunder: Dürfte die Delegation aus der Heimat von Benedikt XVI. dem Papst doch so nahe kommen wie sonst kaum jemand. Nach Angaben der Staatskanzlei wurde vom Vatikan auf dem Petersplatz in der Nähe des Papstaltars bereits ein besonderer Platz für sie reserviert.

Trachtler und Gebirgsschützen für bayerisches Flair

Für den bayerischen Landtag besteigen Parlamentspräsident Alois Glück (CSU) sowie die Vorsitzenden aller Landtagsfraktionen den eigens gecharterten Flieger. Das Haus Wittelsbach ist mit Herzog Franz von Bayern vertreten.

Auch Politiker und Bürger aus dem Geburtsort des Papstes sowie aus Regensburg, Pentling, München und Freising lassen sich von dem frühzeitigen Abflug der Maschine um 4.30 Uhr nicht abschrecken. So richtig für bayerisches Flair wollen Vertreter von Trachtenverbänden und den Gebirgsschützen sorgen.

Überlastete Leitungen, keine Unterkünfte

Auch abseits der offiziellen Delegation steht das Reiseziel Rom hoch im Kurs: "Die Leitungen glühen", berichtet Dorothea Leitgeb vom Bayerischen Pilgerbüro. Hunderte Anrufe seien seit der Wahl des Papstes bereits eingegangen "und wenn wir auflegen, geht's gleich wieder los".

Damit möglichst viele eine Chance haben, rechtzeitig nach Rom zu kommen, hat das Pilgerbüro kurzfristig Busreisen geplant. Nach derzeitigem Stand der Dinge starten drei Busse aus München und ebenso viele aus Regensburg. "Wenn wir Quartiere hätten, könnten wir noch mehr Busse einsetzen", sagt die Mitarbeiterin.

"Die Hotels und Pilgerbüros sind voll", bestätigt Christian Westdickenberg vom deutschen Pilgerzentrum in Rom. Dennoch rät er Pilgern nicht von der Reise ab, wenn sie mit dem Auto kommen. "In der Nähe von Rom gibt es noch Möglichkeiten, im Auto zu schlafen", sagt er. In der Stadt selbst sei es selbst dafür schon zu voll.

Bahn wappnet sich trotz geringer Nachfrage

Gut ausgelastet sind auch Flugverbindungen von München gen Rom. Gerade Lufthansa-Flüge würden "spürbar stärker" nachgefragt, weiß ein Flughafensprecher in der bayerischen Landeshauptstadt. Dagegen verzeichnet der Flughafen Nürnberg nach Angaben von Sprecher Reto Manitz "kein überproportionales Interesse".

Und auch bei der Bahn lassen die Pilgerströme noch auf sich warten. Stündlich würden aber die Reservierungen beobachtet, erzählt Pressesprecher Ingo Schüttke: "Wir stehen Gewehr bei Fuß". Zusätzliche Wagen stünden schon im Werk bereit, um bei Bedarf Züge in Richtung Rom zu verlängern.

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(sueddeutsche.de/ddp)