Eine Frage der Wertschätzung "Gutes Essen hängt nicht vom Geld ab"

Der Ökopionier Karl Ludwig Schweisfurth erklärt, was gutes Essen ausmacht.

Interview: Christina Warta

"Gut essen - was bedeutet das?" lautet der Titel einer Vortragsreihe der Schweisfurth-Stiftung, die am 3. April beginnt. Karl Ludwig Schweisfurth ist Begründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

Ökopionier Karl Ludwig Schweisfurth plädiert für einen bewussten Umgang mit Nahrung.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Was ist wichtig, wenn man gut essen möchte?

Karl Ludwig Schweisfurth: Wir müssen Lebensmittelqualität neu denken. Auf das Aussehen und den Geschmack eines Lebensmittels können wir uns nicht mehr verlassen. Wir müssen schon ein bisschen tiefer denken: Wo kommt es her, wie ist es entstanden? Von wem ist es gemacht worden, auf welche Weise?

SZ: Wie werden Lebensmittel gemacht?

Schweisfurth: Tiere werden mehr und mehr produziert wie technische Güter, in engen Ställen, auf Spaltenböden, mit Futter von irgendwoher. Lebensmittel werden in riesengroßen Fabriken hergestellt, von Automaten. Und am Ende werden sie elegant verpackt mit schönen Bildchen drauf. Nach der Wirklichkeit darf man da nicht fragen. Aber immer mehr Menschen fragen danach.

SZ: Was sind Ihrer Ansicht nach die schlimmsten Sünden bei der Produktion von Lebensmitteln?

Schweisfurth: Zum Beispiel die vorgefertigten Speisen. Da weiß kein Verbraucher mehr, was da eigentlich drin ist und wo es herkommt. Das steht ja alles nicht auf der Verpackung. Aber immer mehr interessieren sich für die Herkunft: Ist das eigentlich noch ein Lebensmittel, das Leben vermittelt, oder ist das nur Nahrung, die satt macht und billig ist?

SZ: Wie wirkt sich das Interesse aus?

Schweisfurth: Besonders junge Eheleute mit Kindern interessieren sich. Man sieht ja um sich herum, dass Kinder immer dicker werden und 15-Jährige Altersdiabetes bekommen. Es ist nicht nur das Interesse an den Herrmannsdorfer Produkten größer; das merken alle, die sich mit biologischen Lebensmitteln beschäftigen. Der Bereich hat Zuwachsraten von 15 Prozent im Jahr. Man spürt sehr deutlich, dass ein Wandel im Gange ist.