Von Violetta Simon

Was tun, wenn man seine verstorbene Mutter auf ihrem letzten Weg begleiten will? Man bringt sie selbst zum Friedhof. José Farina hatte die besten Absichten. Nun hat er jede Menge Ärger.

Als sein verstorbener Schwiegervater vor Jahren von einem Bestattungsunternehmen abgeholt wurde, sei das ein Schock für die ganze Familie gewesen, erinnert sich José Farina. "Die Männer kamen, legten ihn in den mitgebrachten Sarg und verschwanden wieder", erzählt der in Schopfheim lebende Spanier. Als seine Mutter starb, sollte es anders laufen.

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Also meldete der 64-Jährige ein Bestattungsunternehmen auf seinen Namen an und ließ von einem Schreiner einen Sarg aus Esche anfertigen. "Es war das Lieblingsholz meiner Großmutter", erklärt Tochter Franziska.

Die Verstorbene sollte in München ihre letzte Ruhe finden. Und so machte sich Farina bei Sonnenaufgang auf den Weg - den Sarg auf dem Dach seines Volvos. Die 400 Kilometer lange Fahrt durch Bayern am Bodensee entlang sollte der Toten eine "langsame Entbindung von diesem irdischen Dasein" ermöglichen.

Mit dem Sarg auf dem Dach durch Bayern

Dass Leichentransporte laut Bestattungsgesetz in speziellen Fahrzeugen erfolgen müssen, wurde Herrn Farina erst bei seiner Ankunft am Münchner Ostfriedhof klar. Die anwesenden Bestattungsunternehmer staunten nicht schlecht über die seltsame Fracht. "Sie regten sich fürchterlich auf und wollten gleich die Polizei rufen", erzählt er.

Die "Kollegen" sahen in ihm wohl einen Konkurrenten aus der Billiganbieter-Szene, der mit Dumpingpreisen lockt. Dass sich seine Mutter in dem Sarg befindet, wollten sie zunächst kaum glauben.

Als er mit Hilfe seiner Unterlagen nachweisen konnte, dass er ein Bestattungsunternehmen angemeldet hatte und die Tote seine Mutter war, habe sich die Friedhofsverwaltung - wenn auch widerstrebend - bereit erklärt, von einer Anzeige abzusehen. Soweit die Geschichte des Herrn Farina.

Folgenschwere Pressemeldung

Die Polizei indes hatte für solch romantisches Gebaren wenig übrig. Nachdem von den zuständigen Behörden eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Bestattungsrecht eintraf, verfasste die Lörracher Dienststelle eine Pressemeldung.

Mit dem einleitenden Satz "andere Länder, andere Sitten" berichtete sie von einem "ausländischen Mitbürger", dem "die Transportkosten mit einem Beerdigungsinstitut zu hoch waren" und der ein Bestattungsunternehmen für sich anmeldete, "um an einen Sarg zu kommen". Die kuriose Geschichte ging rasch durch die Presse.

Ins falsche Licht gerückt

Farina ist entsetzt, welche Beweggründe man ihm für seine Handlung unterstellt. Der Bericht vermittle den Eindruck, er sei von Geiz und Respektlosigkeit getrieben. "Diese Darstellung verletzt mich und meine Familie zutiefst," sagt er.

Allein der Sarg habe mit knapp 3000 Euro die Kosten für die Dienstleistung eines Bestattungsunternehmens inklusive Transport und einem herkömmlichen Sarg überschritten.

Auf den Polizeibericht angesprochen, erklärt der Pressesprecher der Lörracher Polizei, Dietmar Ernst, Farina habe sämtliche Vernehmungstermine platzen lassen und sei niemals erschienen, um sein Verhalten zu erklären.

"Ich glaube ihm sogar, dass er seiner Mutter eine besonderen Abschied bieten wollte. Aber dann soll er auch die ganze Wahrheit sagen." Etwa, dass die Leiche viel zu lange in der Wohnung gelegen habe, weil der Sarg nicht rechtzeitig fertig wurde. Oder dass die Bestattungsunterlagen nicht vollständig waren.

Die Gerüchteküche brodelt

"Wenn ich gegen das Bestattungsgesetz verstoßen habe, dann ist das eine Tatsache, die ich hinnehme" sagt Farina. Der Tumult um die ganze Angelegenheit trifft ihn wesentlich härter.

"Die Zeitungen berichten über uns, im Ort kursieren Gerüchte. Meine Tochter wurde kürzlich von einer Bekannten gefragt, ob sie schon von dem geizigen Mann gehört habe, der seine Mutter auf dem Autodach zum Friedhof gefahren hat."

Seiner Mutter kann es gleich sein - sie ruht friedlich auf dem Ostfriedhof.

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