Beastiestylez ist eine junge Münchner Urban-Art-Künstlerin. Sie malt gerne Frauen, die zwischen den Beinen bluten - und dabei gut aussehen.
Vom 29. bis 31. Oktober findet in München die "Stroke01" statt - die erste Messe für urbane Kunst in Europa. Wir haben uns mit der 31-jährigen Münchnerin "Beastiestylez" unterhalten - und eine Einführung in die Welt von Marker-Battles, provokanten Bildmotiven und der Faszination von gemeinsamen Mal-Sessions bekommen.
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Beastiestylez beschreibt ihre Werke als "oberflächlich lieb und nett - auf den zweiten Blick dann aber derb und provokant". (© Foto: sueddeutsche.de)
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sueddeutsche.de: Was genau macht eine Urban-Art-Künstlerin?
Beastiestylez: Urban Art bezieht sich auf alle Kunstformen, die man in einer Stadt sehen kann - vor allem Graffiti und Sticker-Art. Ich versuche, mich in einem Mittelfeld zwischen Urban Art und klassischer Kunst zu bewegen. Während meines Architektur-Studiums musste ich sehr geradlinig und genau arbeiten. Dann habe ich Kunst studiert - dort wurde ich davon befreit. Und zum Schluss noch Kommunikationsdesign, was sehr grafisch ist. Diese ganzen Dinge fließen bei mir ein - und die will ich auch wiedergeben. Ich hasse Schubladen und will in keine wirklich eingeordnet werden können.
sueddeutsche.de: Wie würden Sie Ihren eigenen Kunststil beschreiben?
Beastiestylez: Charakteristisch für meinen Style sind vor allem die Collagen im Hintergrund. Ich bringe irgendetwas, das schon besteht, in einem neuen Zusammenhang auf die Wand. Allerdings ist das Collagieren nur die Basis-Arbeit für ein Bild - was wirklich zählt, sind die Character (Figuren, Anm. d. Red.). Denen versuche ich eine Aussage mitzugeben, ohne dass ich sie explizit dazuschreibe. Meine Character sollen den Witz des Bildes unabhängig von einer bestimmten Sprachkenntnis, universell verständlich vermitteln. Oberflächlich sind meine Bilder oft lieb und nett - auf den zweiten Blick dann aber derb und provokant. Kinder kommentieren meine Werke oft mit: "Mei, ist das süß!" Wenn dann die Eltern dazukommen, sind diese manchmal ein bißchen schockiert.
sueddeutsche.de: Was zeigen Sie denn Schockierendes?
Beastiestylez: Bei der "Cheap like wow"-Serie geht es beispielsweise um alles, was billig ist - billig ist zum Beispiel H&M. Also habe ich ein Schulmädchen gemalt, das vom exzessiven Billig-Klamotten-Shopping schon zwischen den Beinen blutet. Ich male gerne Frauen, die zwischen den Beinen bluten - weil das ein Schockthema ist. Wenn Männer nur das Wort "Menstruation" hören, stellen sich Ihnen die Nackenhaare auf. Bei meiner Märchen-Serie versuche ich dagegen, bekannte Märchen bildlich umzudichten, den Spieß umzudrehen. Deshalb verführt bei mir auch das Rotkäppchen den Wolf - und rammt ihm, während er sie liebestoll anhimmelt, ein Messer in den Rücken.
sueddeutsche.de: Ihre Bilder sind also durchaus gesellschaftskritisch?
Beastiestylez: Größtenteils sind sie sozialkritisch - aber nicht immer. Ich halte einfach gerne bestimmten Gesellschaftsformen einen Spiegel vor. Konstante in meinen Werken sind spezielle Arbeitstechniken: Die Collagen, verschiedene Spritztechniken und die Dreidimensionalität der Character. Deren besondere Augenform ist mein Markenzeichen.
sueddeutsche.de: Ende September hat die "Secret Wars Battle Tour" in München Station gemacht - Sie haben teilgenommen. Worum geht es bei dem Kunstprojekt?
Beastiestylez: "Secret Wars" - also "geheimer Kampf" - ist ein feststehender Begriff in der Szene: Zwei Künstler battlen (bekämpfen, Anm. d. Red.) sich bewaffnet mit Markern auf einer Leinwand. Bei der "Secret Wars Battle Tour" sind Caparso und Mike Okay, zwei Künstler aus Dresden und Halle, 18 Tage lang durch verschiedene Städten in Deutschland Österreich und der Schweiz gereist - und jeden Abend gegen ein Team aus einer anderen Stadt angetreten.
sueddeutsche.de: Was kam bei dem Battle dann konkret auf Sie zu?
Beastiestylez: Bis wir vor Ort waren, wussten wir nicht genau, wie das Ganze abläuft. Dort hieß es: 90 Minuten, nur schwarze Marker, eine Leinwand. Wenn dann plötzlich der Countdown heruntergezählt wird, steigt die Aufregung. 90 Minuten - die gehen schneller vorbei, als man denkt! Die anderen beiden haben sofort losgelegt - wir standen am Anfang ein bisschen überrumpelt und zögernd da. Mein Partner Fader und ich sind es nicht gewohnt, auf Kommando loszulegen.
Erfahren Sie auf der nächsten Seite, ob die Münchner-Kombo das Marker-Duell gewinnen konnte.
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