Zorneding Ein schöner Plan

Das Brennereigebäude (Bildmitte) wird bald abgerissen. Die Gemeinde will das nutzen, um das Grundstück und die frühere Bundesstraße aufzuhübschen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zorneding will die geplante Bebauung des Brennereigeländes nutzen, um das gesamte Areal aufzuwerten. Auch die Straßenführung der alten B 304 könnte dabei neu gestaltet werden

Von Wieland Bögel, Zorneding

Die historische Mitte Zornedings soll schöner werden. Ohne Gegenstimmen fiel nun im Gemeinderat der Beschluss, einen Bebauungsplan für das Areal rund um die stillgelegte Brennerei aufzustellen. Dieser soll möglichst nicht nur das Brennereigelände, sondern einen weiteren Bereich entlang der Münchner Straße umfassen. Auch die ehemalige Bundesstraße selbst soll nach dem Willen der Gemeinderäte umgestaltet werden.

Hintergrund ist der bevorstehende Abriss der alten Brennerei an der ehemaligen B304. Nach dem Auslaufen des Alkoholmonopols vor einigen Jahren war das Brennen von Industriealkohol aus Kartoffeln unrentabel geworden, die Brennereigenossenschaft gab den Betrieb darum auf. Auch für das fast 100 Jahre alte Brennereigebäude gibt es keine Zukunft, ein Umbau in ein Wohnhaus rechnet sich nicht, daher wird es demnächst abgerissen. Auf dem etwa 1250 Quadratmeter großen Areal sollen Wohnungen gebaut werden, eine entsprechende Voranfrage hatte die Brennereigenossenschaft bei der Gemeinde gestellt.

Grundsätzlich steht dem nichts entgegen, da auf dem Grundstück Baurecht besteht, und auch im Gemeinderat, der nun über das Vorhaben zu befinden hatte, gab es Einverständnis mit den Plänen der Brennereigenossen. Es gab aber auch die Forderung nach mehr Mitsprache durch die Gemeinde in Form eines Bebauungsplans. Einen solchen hatte die Verwaltung selbst ins Spiel gebracht, im Gremium gab es dafür große Zustimmung.

"Wir sollten nicht einfach drauflos bauen", meinte etwa Werner Hintze (SPD), ein Bebauungsplan biete die Gelegenheit diese zentrale Stelle im Ort aufzuwerten. Und vielleicht auch ein paar Korrekturen am Ortsbild vorzunehmen, etwa dem Verlauf der ehemaligen Bundesstraße. Hintze regte an, den Bebauungsplan über das Brennereigrundstück hinaus auszudehnen, so dass das sogenannte Reicheneder-Grundstück im Osten und die ehemalige B 304 ebenfalls überplant werden kann. Schon seit Fertigstellung der Umgehungsstraße gibt es nämlich in Zorneding Überlegungen, ob und wie man die alte Durchgangsstraße zurückbauen kann. Ein Anliegen, das auch Wilhelm Ficker (FW) voll unterstützte: "Die Straßenführung sollte man unbedingt mit aufnehmen, das ist die letzte Chance am Gesicht Zornedings etwas zu machen."

Auch Dritter Bürgermeister Christian Krumpholz (CSU) befürwortete den Bebauungsplan, "da können wir bei der Gestaltung unsere Vorstellungen mit einbringen". Er stellte aber die Frage, ob man den Plan so weiträumig anlegen könne, wie von Hintze angeregt. Tatsächlich sei ein weiterer Umgriff sogar besser, erläuterte Bauamtsleiterin Diana Saiger. Ein Plan nur für das Brennereigrundstück wäre die geringste Größe, die rechtlich haltbar sei. Auch städtebaulich sei Hintzes Vorschlag sinnvoll, so Saiger: "Bis zum Reicheneder-Grundstück wäre es eine Einheit".

Hubert Röhrl (FW) hatte auch gleich eine Idee, welche Vorgaben der Bebauungsplan enthalten solle: "Ich will jetzt nicht Hochhaus sagen, aber es ist ein zentrales Grundstück, da sollte man schon etwas Prägnantes hinstellen." Angesichts der hohen Grundstückspreise in Zorneding wäre ein mindestens fünfstöckiges Gebäude sicher sinnvoll, so Röhrl. Was die Höhenentwicklung angehe, werde sich die Gemeinde mit dem Denkmalamt auseinandersetzen müssen, so Saiger, denn in der Nachbarschaft gebe es einige denkmalgeschützte Gebäude. Der Neubau auf dem Brennereigrundstück werde diese daher nicht überragen dürfen und auch auf Sichtachsen, etwa zum Kirchturm werde man wohl achten müssen.

Dass man es mit einer "sehr exponierten Stelle" zu tun hatte, die man sensibel entwickeln müsse, gab auch Helmut Obermaier (Grüne) zu bedenken. Einen Bebauungsplan brauche es seiner Ansicht nach dafür aber nicht unbedingt. Die Gemeinde könne ihre Vorstellungen sicher auch durch eine Kooperation mit dem Bauwerber bei der Planung erreichen.

An diesen, die Brennereigenossenschaft, richtete Obermaier dann noch "einen Appell" wie er es nannte. Er warb dafür, dass die Brauereigenossen ihr Grundstück der Gemeinde für den sozialen Wohnungsbau überlassen oder zumindest günstig verkaufen könnte. Schließlich hätten sie auch jahrzehntelang Subventionen kassiert, so Obermaier, da sei es doch nur fair, wenn sie einen Teil davon in Form des Grundstücks wieder der Allgemeinheit zurückgäben. FW-Gemeinderat Franz Lenz, gleichzeitig Kreisobmann des Bauernverbandes, gab zu bedenken, dass die Genossen durch den Wegfall des Alkoholmonopols einiges an Einnahmeverlusten zu verkraften und daher nicht unbedingt Grundstücke zu verschenken hätten. Einfordern könne man dies ohnehin nicht, meinte Bürgermeister Piet Mayr (CSU), "rechtlich hat die Gemeinde hier keine Handhabe."

Ohne Gegenstimmen wurde schließlich die Aufstellung des Bebauungsplanes beschlossen. Darüber, welchen Umgriff er erhält und von welchem Architekten der Plan erarbeitet wird, will das Gremium in der kommenden Sitzung beraten.