Zorneding Dran bleiben

Rund 3000 Menschen schicken am Mittwochabend in Zorneding nach den Morddrohungen gegen den katholischen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende ein deutliches Signal in die Welt: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben keinen Platz in ihrer Mitte.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vertreter aus Politik und von Verbänden äußern sich begeistert über die Lichterkette in Zorneding. Sie fordern aber auch, die Affäre um den zurückgetretenen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende weiter aufzuarbeiten

Nach einer bewegenden Kundgebung gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, bei der rund 3000 Menschen die beiden Kirchen in Zorneding mit einem Band aus Licht miteinander verbunden haben, beziehen Politiker und Vertreter von Verbänden in Leserbriefen, aber auch in Kommentaren in sozialen Netzwerken Stellung zu den Vorgängen in der Gemeinde. Der Tenor: Es war ein starkes Zeichen, beendet ist das Thema um den Rücktritt von Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende damit allerdings nicht.

Der Ruf nach weiteren Konsequenzen richtet sich an die CSU in Ort, Kreis und Bezirk. Andreas Bohnert, Kreisgeschäftsführer der Caritas: Als Caritas-Kreisgeschäftsführer bedauere ich den Weggang von Pfarrer Ndjimbi-Tshiende zutiefst und möchte ihm die Solidarität aller Mitarbeitenden der Caritas im Landkreis Ebersberg bekunden. Wir sind sehr betroffen, können seinen Rückzug aber gut verstehen. Wir beobachten die fremdenfeindlichen und rassistischen Äußerungen in unserem Landkreis mit großer Sorge. Die Drohungen gegen Pfarrer Ndjimbi-Tshiende müssen aufgeklärt und konsequent strafrechtlich verfolgt werden. Als Caritas fordern wir auch die Politiker im Landkreis auf, sich jeder Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu enthalten und sprachlich entschieden "abzurüsten". Zu schnell artet mittlerweile eine Stimmung gegen Fremde und Flüchtlinge in konkrete Bedrohungen aus. Politik darf nicht Ängste schüren, sondern muss umsetzbare Lösungen anbieten. Mehrere hundert Menschen engagieren sich in unserem Landkreis ehrenamtlich für Flüchtlinge. Auch diese Helfer und ihre Familien werden zunehmend für ihre Tätigkeit angegriffen und bedroht. Mit unserer Arbeit stehen wir für eine offene, tolerante und solidarische Gesellschaft. Ich lade alle vernünftigen Menschen in Städten und Gemeinden ein, mit uns zusammen eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Volkszugehörigkeit, Religion oder sozialen Stellung miteinander leben können.

Konsequenzen sind überfällig

Benedikt Mayer, Kreisrat; Waltraud Gruber, Fraktionssprecherin Kreistagsfraktion (Grüne): Der Skandal um den Rückzug von Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende aus Zorneding wegen Morddrohungen hat ihren Ausgang genommen in den öffentlich formulierten, fremdenfeindlichen Äußerungen von Frau Boher (CSU). Schon damals musste von der Öffentlichkeit massiver Druck aufgebaut werden, um die Autorin und die Spitze des CSU-Kreisverbands zu Konsequenzen zu bewegen. Der Rückzug von Frau Boher war halbherzig: Sie gab den Ortsvorsitz ab und behielt ihren Sitz im Bezirksvorstand Oberbayern und ihr Gemeinderatsmandat. Das ist spätestens nach dem Bekanntwerden der Morddrohungen gegen den Pfarrer mit afrikanischer Herkunft endgültig unhaltbar.

In der Politik muss man Verantwortung übernehmen für Folgen eigenen Verhaltens, auch wenn man diese Folgen nicht persönlich verursacht hat. Frau Bohers unsägliche Sätze stehen im Verdacht, nachdrücklich zu einer Stimmung gegen Pfarrer Ndjimbi-Tshiende beigetragen zu haben, so dass er um sein Leben fürchtet. Das hat den Ruf Zornedings über die Grenzen unseres Landes hinaus schwer beschädigt. Dafür muss Frau Boher Verantwortung übernehmen; der Rückzug aus dem öffentlichen Amt des Gemeinderats ist ohne Alternative, auch um das Bild der Gemeinde in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Falls Frau Boher dazu nicht bereit ist, muss die CSU-Fraktion im Zornedinger Rathaus aktiv werden und ihren Ausschluss aus der Fraktion vollziehen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass das Stimmenverhältnis im Gemeinderat wichtiger ist als Anstand und Menschenwürde.

Die CSU-Kreisleitung muss sich aktiv einschalten und Frau Bohers Ausscheiden aus dem Bezirksvorstand bewirken. Leider hat das letzte Eingreifen des Kreisvorstands in Zorneding den Eindruck erweckt, als würde es ihm schwerfallen innerparteilich klare Worte zu sprechen und nicht auf die nächste Aufstellungsversammlung zu schielen. Als seien Posten wichtiger als politische Positionen, Karriere wichtiger als Courage.

Rücktritt überfällig

Martin Esterl (SPD), Altbürgermeister Markt Glonn, weiterer Stellvertreter des Landrats: Frau Dr. Boher, stellen Sie endlich ihren Sitz im Gemeinderat von Zorneding zur Verfügung! Sie würden Ihrer Heimatgemeinde damit einen Dienst erweisen, nachdem Sie ihr solchen Schaden zugefügt haben. Damit meine ich nicht, dass Sie die Morddrohungen gegen Ihren katholischen Ortspfarrer direkt zu verantworten haben. Sie haben indessen durch ihre rassistischen Äußerungen im CSU-Blatt ganz entscheidend zu einer Atmosphäre beigetragen, in der solche Exzesse möglich werden. Damit haben Sie das Vertrauen vieler Bürger, die Sie in den Gemeinderat gewählt haben, verspielt. Wäre das zu meiner Bürgermeisterzeit in Glonn passiert, hätte ich Sie umgehend aufgefordert, das Mandat niederzulegen, weil die Zusammenarbeit des Gremiums stark darunter leidet.

Frau Boher, Sie haben als Politikwissenschaftlerin promoviert. Umso mehr erschreckt mich ihre Haltung. Ich habe 23 Jahre als Lehrer an Hauptschulen gearbeitet. Im Fach Geschichte habe ich den Schülern zu vermitteln versucht, wie wertvoll unsere Demokratie ist und wie gefährlich extremistische politische Bewegungen für sie sein können. Ich hoffe, meine Schüler haben davon gelernt!

Auf der Internetseite der Kreis-CSU sind Sie noch als Mitglied des Kreisvorstandes zu sehen, aus meiner Sicht ein untragbarer Zustand, weil damit die anderen Mitglieder des Vorstandes diskreditiert werden. Wie zum Beispiel Landrat Robert Niedergesäß, der sich mit hohem persönlichen Einsatz in der Unterbringung und Versorgung der Asylbewerber engagiert.

Große Schande

Jutta Sirotek, komm. Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Zorneding: Wir bedauern den Rücktritt von Pfarrer Ndjimbi-Tshiende sehr. Wir verurteilen die Morddrohungen aufs Schärfste. Es ist eine Schande! Der CSU-Vorstand von Zorneding steht für Toleranz und Menschenwürde und absolut gegen Rassismus. Wir sind erschüttert, dass es in Zorneding zu diesen Morddrohungen gekommen ist, die strafrechtlich verfolgt werden müssen. Null Toleranz an dieser Stelle! Wir wünschen Pfarrer Ndjimbi-Tshiende alles erdenklich Gute in seinem neuen Wirkungsplatz, die nötige Ruhe und wohlwollende Mitmenschen, um die Ereignisse zu verarbeiten.