Zorneding Die Vertreibung der Raubtiere

Das Gesangsquartett Voicensation im Rathaus Zorneding.

(Foto: Christian Endt)

Zwei Vokalensembles gestalten einen abwechslungsreichen Liederabend im Rathaus Zorneding

Von Peter Kees, Zorneding

Bis heute ist nicht geklärt, warum der Mensch singt. Es gibt verschiedene Erklärungsversuche: Menschliches Singen vertreibe Raubtiere, Gesang würde das Gemeinschaftsgefühl stärken bis hin zur Darwin'schen Theorie, nach der das Singen von den Vögeln abgeschaut ist, als Werberuf bei der Partnerwahl. Eine eindeutige Antwort gibt es aber nicht.

Raubtiere zumindest mussten vergangenen Samstag im Zornedinger Rathaus nicht vertrieben werden. Um Partnerwahl ging es auch nicht, aber das Gemeinschaftsgefühl mag durchaus gestärkt worden sein. Zwei Gesangsensembles traten erstmals in einem gemeinsamen Konzert auf: das Quartett voicensation, Mitglieder des Zornedinger Kammerchores a cappella, und das Sextett Nice Try a cappella, Ableger des Baldhamer Chores Rondo Vocale. Über die Namensgebung der Ensembles kann man sicher streiten. Sei's drum. Beide Gruppen wechselten sich in Blöcken ab. Eines wurde dabei schnell klar: "Nice Try" setzt auf Show, während "voicensation" - anders als es der Name vermuten ließe - eher seriös daherkommt. Das sei nicht als Makel vermerkt, im Gegenteil. Das Solistenquartett mit Gabriele Meißner, Sopran ,Yukiko Nave, Alt, Jens Nave, Tenor, und Eckhard Meißner, Bass, gab einen sehr feinen Einstand mit drei Chorliedern des schwedischen Hochromantikers Wilhelm Peterson-Berger. Sehr homogen interpretierten die Vier die stimmungs- und farbenfrohen Naturschilderungen, etwa "Im Föhrenwald" und "Killeböckchen". Allein schon die schwedische Sprache lässt diese zarten und wundersamen Stücke gleichsam zauberhaft erklingen. Schon für das Ausgraben dieser Literatur verdient das Ensemble ein dickes Lob. Vorangegangen war dem eine andere Welt. Die sechs Sänger und Sängerinnen von "Nice Try a cappella" - Catherine Grieshammer, Petra Kreßirer, Anja Abdalla, Oliver Grieshammer, Thomas Nötting und Harald Wermund - eröffneten poppig, mit gestenreichen, auf Effekt getrimmten Bewegungen. Die Männer wirkten mit ihren offenen Fliegen am weißen Hemdkragen fast kostümiert. Doch unabhängig von der Wahl des Genres war auch der Klang der beiden Ensembles sehr unterschiedlich. Während das Quartett "voicensation" sehr ausbalanciert und zart tönte, wurde beim Ensemble "Nice Try a cappella" dicker aufgetragen, auch der Einsatz der Stimmen erinnerte mehr ans Musical als an typisch klassischen Gesang. Bei den Jazz-Nummern konnte man den Unterschied deutlich hören: Den eher warmen, große Linien betonenden, auch swingenden Interpretationen der Sänger und Sängerinnen von "Voicensation" stand der tendenziell schrille, gut unterhaltende, aber eben doch auf Effekthascherei und Show zielende Klang des Sextetts gegenüber.

Nach jeder Menge Popsongs, ausdrucksvollen schottischen und irischen Weisen, einer witzigen, in ihrem Ulk etwas überzogenen, rein vokalen Wilhelm Tell Ouvertüre (Gioachino Rossini), Jazz von Cole Porter, Musik von Kurt Weill und einem Ausflug zum schwedischen Nationalsänger Evert Taube taten sich zum Abschluss, wie schon ganz zu Beginn des Abends, beide Ensembles zusammen und sangen miteinander. Mit Chorsätzen von Orlando di Lasso begann und endete der Abend. Davon hätte man gern noch mehr gehört. Kein Wunder, dass hier auch Raubtiere die Ohren spitzten.