Zorneding Auf Konfrontation

Bürger und Gemeinde diskutieren über den Pöringer Bolzplatz

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

"Das war wirklich eine Anhörung", resümierte Bürgermeister Piet Mayr (CSU) am Schluss. Zwei Stunden lang hatten sich Vertreter aus Verwaltung und Gemeinderat am Dienstagabend den Fragen der Pöringer gestellt, die sich seit Monaten vehement gegen die geplante Verkleinerung des Bolzplatzes aussprechen. Knapp 30 der Kritiker waren ins Rathaus gekommen, wo beide Seiten ihre Argumente wiederholten. Entsprechend genervt zeigte sich Gemeinderätin Stefanie Berndlmeier (CSU) am Ende - und erklärte die erste Anhörung der Gemeinde seit knapp 20 Jahren gewissermaßen für gescheitert: "Das können wir drehen und wenden wie wir wollen, da kommen wir heute nicht zusammen."

Wie auch zusammenkommen, wenn die einen den Bolzplatz am Ortsrand in seiner jetzigen Form unbedingt erhalten wollen - und ihn die anderen zähneknirschend mit den finanziellen Interessen der Gemeinde abwägen? Zwei Lager also, die seit Bekanntmachung der Pläne im Juli vergangenen Jahres auf ihre Art um die Zukunft des Bolzplatzes ringen. Damals wurde öffentlich, dass die Häuserzeile entlang des Platzes vom neuen Eigentümer überbaut werden soll. Weil auch eine zweite Häuserzeile auf dem Grundstück geplant ist, müsste der Bolzplatz entsprechend kleiner werden. Ein Plan, der die Gemüter so sehr erhitzte, dass Anwohner eine Online-Petition für die Erhaltung des Bolzplatzes starteten - und auf der Bürgerversammlung im November tosenden Applaus für ihr Plädoyer ernteten. Damals versprach der Bürgermeister eine öffentliche Erörterung. Bei dieser zwitscherten am Dienstagabend draußen die Vögel, während drinnen Männer ihre Sorgen über die Zukunft des Platzes vortrugen - und vor allem zwei Frauen Rede und Antwort standen.

Birgit Kastrup vom Planungsverband erklärte, dass die geplante zusätzliche Häuserzeile zum Bolzplatz hin einer "sinnvollen Nutzung des Grundstücks" geschuldet sei - und dieser so nun einmal etwas kleiner würde. Mayr machte den Vorschlag, als Ausgleich einen weiteren Bolzplatz neben das Pöringer Asylbewerberheim zu stellen. Doch das Doppel aus Waldspielplatz auf der einen und großzügigem Bolzplatz auf der anderen Straßenseite will man sich in Pöring nicht nehmen lassen. Und so stellte Harald Kummerer, der Urheber der Online-Petition, das wiederholte Argument der Gemeinde infrage: nämlich, dass der Bebauungsplan vor Lärmklagen schütze: "Wer einen findigen Anwalt hat, wird trotzdem klagen." Diana Saiger vom Bauamt wiederum beteuerte, dass der Bolzplatz mit dem Plan sicherer sei: "Den Bebauungsplan saugen sich keine Laien aus den Fingern."

Und so ging es hin und her. Wieso man nicht im Westen verdichte, statt am äußersten Rand weiterzumachen? "Im Grunde wird da gebaut, wo jetzt Garagen sind", so Mayr. Wieso man den Bolzplatz nicht nach Norden erweitern könne? "Verhandlungen mit den Landwirten waren gescheitert", so Gemeinderat Wilhelm Ficker (Freie Wähler). Die Zweite Bürgermeisterin habe doch gesagt, dass mehr Wohnraum für sozial Schwache geschaffen werden müsse. "Das Grundstück konnten wir gut verkaufen, um an anderer Stelle vergünstigte Wohnungen zu bauen und Feuerwehr, Schulen, Kitas zu finanzieren", antwortete diese.

"Ein schlüssiges Argument", befand Harald Kummerer am Mittwoch. "Aber muss das genau auf diese Art passieren?", fragte er am Telefon. Ein Anwohner hatte die Schutzfunktion des Bebauungsplans vor Lärmklagen angezweifelt, weil die Prognosen für die erwartete Lautstärke möglicherweise zu tief angesetzt seien. Kummerer sagte: "Damit müssten dem Gemeinderat eigentlich die Augen aufgegangen sein." Dieser soll im Juni über die Einwände abstimmen.