Workshop zu Verkehrsprojekten In Poing mobil ohne Auto

Fachleute erläuterten Ideen, wie Bewohner neuer Viertel auch ohne Auto mobil sein können.

(Foto: Christian Endt)

Bürger diskutieren mit Experten über alternative Konzepte wie Carsharing und Leihräder

Von Barbara Mooser, Poing

Am Ende wurde Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) sehr deutlich: "Ich werde nicht Wohnungen opfern für die Autos", unterstrich er. Sollten im Publikum Teilnehmer gehofft haben, dass ihre Argumente den Bürgermeister und den Gemeinderat von ihrem Kurs für die neuen Wohngebiete W7 und W8 abbringen, hatten sie sich gründlich geirrt. Es ging an diesem Nachmittag in der Schule am Bergfeld um den Verkehr in Poing und wie dieser angesichts 4000 weiterer Neubürger zu bewältigen ist. Ursprünglich sollte nur Platz für halb so viele geschaffen werden, das Areal soll aber nun dichter bebaut werden, damit hier auch bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Die Gemeinde hatte zum Workshop viele Fachleute geladen - und natürlich alle interessierten Poinger.

Diese konnten auf einer Karte am Eingang markieren, wo in der Gemeinde sie wohnen. Dabei wurde sehr deutlich: Die Alt-Poinger interessiert das geplante Verkehrskonzept herzlich wenig. Vor allem steckten die Pins in den Straßenzügen, die am nächsten an den neuen Wohngebieten liegen. Die etwa 50 Besucher erfuhren zunächst einmal von innovativen Verkehrsprojekten, die andernorts bereits erfolgreich erprobt werden. So erläuterte Sonja Rube von den Stadtwerken München das Konzept mit den MVG-Leihrädern, Ingo Kwisinski die Erfolgsgeschichte der Grafinger Autoteiler und der Vaterstettener Klimaschutzmanager Tobias Aschwer das Carsharing-Konzept für das neue Vaterstettener Wohngebiet Nordwest. Christian Bitter von der Firma Stattbau stellte das Mobilitätskonzept im Münchner Domagk-park vor.

Ein bisschen könnte man sich schließlich auch in den neuen Poinger Wohngebieten an den dort realisierten Ideen orientieren. Ein eigenes Auto braucht nämlich nicht, wer im Domagkpark wohnt. Die Bewohner haben Zugriff auf eine Mobilitätsstation, sie können für die kleine Spritztour günstig einen E-Roller ausleihen, für den Einkauf ein Auto, für größere Vorhaben auch einmal einen Kombi. Mit einer besonderen App kann man Mitfahrgelegenheiten anbieten und finden, es gibt einen speziellen Fahrradwartungsservice, und innerhalb des Viertels wurde der motorisierte Verkehr auf das Nötigste reduziert.

Ein Reihenhaus ohne Stellplatz? Für den Sprecher der Bauträger kaum vorstellbar

Leihräder und Carsharing an zentralen Stellen könnte sich Helmut Sloim, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Bauträger, durchaus auch in den neuen Poinger Wohngebieten vorstellen. Eine flexible und gemeinsame Nutzung von Stellplätzen hingegen eher nicht: Wer ein Reihenhaus erwerbe, so Sloim, der wolle schon auch einen festen Platz für sein Auto. Bitter regte an, dennoch über eine andere Stellplatzsatzung für die neuen Wohngebiete nachzudenken. Die derzeitigen Vorschriften hätten nicht nur in Poing zur Folge, dass das Straßenbild von Parkplätzen und Carports dominiert werde. Der Bürgermeister unterstrich, in Poing versuche man immer schon auf die Anforderungen der Zeit zu reagieren. Nicht zuletzt deshalb habe man ja schon vor Jahrzehnten gemeinsam mit Pliening und Anzing das gemeinsame Bussystem eingeführt. Doch um echte Verkehrsentlastung zu bekommen, sei man dringend auf überörtliche Hilfe angewiesen. Wenn es aber schon partout nicht klappe, den Zehn-Minuten-Takt auf der S-Bahn einzuführen, dann müsse wenigstens mit Bussen Abhilfe geschaffen werden, forderte Hingerl.

Wortmeldungen aus dem Publikum, dass die vorhandenen Straßen nicht ausreichten, um den zusätzlichen Verkehr aus den neuen Wohngebieten aufzunehmen, widersprachen die Teilnehmer auf dem Podium. Es werde in Zukunft ohnehin nicht ohne ein geändertes Mobilitätsverhalten gehen, sagte Ingo Kwisinski: "Es sei denn, wir lassen die Häuser weg und bauen nur noch Straßen."