100 Wohnungen, 263 Parkplätze Schönheitskur für den Un-Ort

So könnte das Grundstück südlich der Kreisklinik einmal aussehen: Ein höheres Wohnhaus an der Münchner Straße (im Bild) schirmt die Gebäude im Süden ab.

(Foto: AG Schober Architekten und Stadtplaner mit Hahn Wensch Architekten PartG mbB)

Der Ebersberger Technische Ausschuss beschließt einen Entwurf für das neue Personalwohngebäude der Kreisklinik an der Münchner Straße

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Bezahlbar wohnen und das auch noch in der Nähe der Arbeit ist für viele im Großraum München ein unerfüllbarer Wunsch. Nicht jedoch für Mitarbeiter der Kreisklinik - zumindest in einigen Jahren. Dann sollen nämlich gegenüber des Krankenhauses an der Münchner Straße neue Wohngebäude für Personal entstehen. Wie diese einmal aussehen sollen, wurde nun im Technischen Ausschuss des Ebersberger Stadtrates beschlossen.

Bereits Anfang März hatte eine Jury, bestehend unter anderem aus Bürgermeister Walter Brilmayer, Kreisklinikchef Stefan Huber, der Leiterin der Abteilung Zentrales und Bildung im Landratsamt Brigitte Keller und Vertretern aller Stadtratsfraktionen fünf Entwürfe verschiedener Stadtplaner bewertet. Deren Aufgabe war es, auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück des ehemaligen Dialysezentrums mindestens 100 Wohnungen und 200 Parkplätze unterzubringen. Diese hohe Zahl ist nötig, um den derzeit auf dem Grundstück befindlichen Parkplatz zu ersetzen. Außerdem sollten sich die Planer Gedanken über die Entwicklung des im Westen angrenzenden Wohngebietes machen. Am überzeugenden fanden die Juroren hier ein Konzept des Büros Eberhard von Angerer. Demnach sollen entlang der Münchner Straße stärkere Nachverdichtungen auch durch Abriss bestehender Häuser möglich sein, Richtung Süden könnten bestehende Freiflächen bebaut werden. Konkrete Folgen hat dieses Konzept bis auf weiteres nicht, es soll aber als Grundlage dienen, wenn dort irgendwann der Bebauungsplan geändert wird.

Für die Personalwohnungen, von denen die meisten Ein-Zimmer-Appartements werden sollen, gab es verschiedene Ansätze der Planer, allen gemein ist, dass entlang der Münchner Straße ein hoher Block entstehen soll. Dahinter, Richtung Süden, gruppieren sich dann zwischen zwei und vier kleinere und niedrigere Gebäude, ein Entwurf sah auch einen einzigen, nach Süden niedriger werdendenden Komplex vor. Vier der Entwürfe planen die Stellplätze in einer bis zu dreistöckigen Tiefgarage, einer sieht ein Parkhaus in den unteren Etagen vor.

Für die Jury - und den Ausschuss - am Überzeugendsten war der Entwurf der Büros Schober und Hahn. Dieser sieht entlang der Münchner Straße einen Block mit unterschiedlichen Höhen vor. Im Osten sollen es sechs, in der Mitte vier und nach Westen fünf Stockwerke sein. Dahinter sollen drei kleinere Gebäude mit drei und vier Stockwerken entstehen und ganz im Süden ein von der Grundfläche dem Haus an der Münchner Straße ähnliches, allerdings mit vier Etagen deutlich niedrigeres. Insgesamt, so die Angaben der Planer, würden genau 100 Wohnungen in den fünf Gebäuden entstehen. Wie viele Parkplätze es gibt, hängt davon ab, ob die Tiefgarage mit zwei oder drei Etagen gebaut wird, im letzteren Fall wären es rund 260.

Nicht nur die hohe Zahl, auch die Anordnung der Parkplätze hätte der Wettbewerber gut gelöst, so Klaus Molenaar, der die Stadt seit Jahren in Planungsfragen berät. So liege die Tiefgarage nur unter einem Teil des Grundstücks, das dadurch nicht komplett versiegelt werde. Die Einfahrt sei in das Gebäude an der Münchner Straße integriert, damit "steht kein Schlund im Gelände herum". Auch Art und Anordnung der Wohngebäude seien gut geeignet, das Grundstück aufzuwerten, so Molenaar, und damit letztlich die gesamte Münchner Straße. Was diese an der Stelle auch nötig habe, so der Architekt, sei sie doch "ein städtebaulicher Un-Ort."

Im Ausschuss gab es ebenfalls überwiegend Lob für den von der Jury ausgewählten Entwurf. Elisabeth Platzer (SPD) nannte ihn einen "verträglichen Vorschlag, der die Bedürfnisse befriedigt". Aus der CSU gab es Zustimmung, aber auch Sorge, dass die Parkplätze nicht ausreichten. Alois Lachner etwa mahnte mehr Besucherparkplätze an der Oberfläche an, auch Dritter Bürgermeister Josef Riedl forderte, Sorge zu tragen, dass die Anliegerstraßen nicht zugeparkt würden. Dazu müsse man die Tiefgarage eben so attraktiv machen, dass sie auch genutzt werde, so Philipp Goldner (Grüne) und verwies auf die Garage am Einkaufszentrum. Neben Parkplätzen sei aber auch die Optik wichtig, Goldner forderte, unbedingt darauf zu achten, dass der Bau an der Münchner Straße wirklich unterschiedliche Höhenprofile bekomme und kein einheitlicher Block werde.

Genau dies kritisierten die Freien Wähler. Zweiter Bürgermeister Toni Ried warnte vor einer "Tunnel-Situation" an der Münchner Straße, Gerd Otter bedauerte, dass nicht der zweitplatzierte Entwurf umgesetzt werden soll. Dieser sieht entlang der Straße einen weniger langen Bau plus eine Grünfläche vor.

Dies hätte er auch schöner gefunden, meinte Bürgermeister Brilmayer, die Mehrheit habe sich aber anders entschieden, "und wir können nicht beide Bewerber mit dem Bebauungsplan beauftragen." Dieser Auftrag geht nun an die Büros Schober und Hahn, dies beschloss der Ausschuss gegen die Stimmen der Freien Wähler.

Der Zeitplan für den Bau steht zumindest in groben Zügen fest: Bis Ende kommenden Jahres muss die Planung stehen, zumindest wenn man noch in den Genuss des kommunalen Wohnbauförderprogramms kommen möchte, das bis zu 50 Prozent der Kosten übernehmen könnte. Wie Klinikchef Huber kürzlich erklärte, rechnet er bis Mitte 2021 mit der Fertigstellung der Wohnungen. Noch unklar ist bisher allerdings, wer diese bauen soll. Mögliche Kandidaten sind Genossenschaften, aber auch das Wohnbauunternehmen des Landkreises. Die Auswahl des Siegerentwurfes kommt diesem sogar entgegen, er könnte nämlich in modularer Bauweise erstellt werden, genau wie die Häuser des Kommunalunternehmens.