Vor den Wahlen im September Auf die Lounge gekommen

Wahlkampf mit "Event-Trailer" und "W-Lan-Hotspot" auf dem Marienplatz in Ebersberg. Die CSU-Kandidaten stellen sich vor und sammeln Vorschläge für die Gestaltung des Landkreises

Von Luisa Seeling

Wahlkampfveranstaltungen mit Anglizismen aufpeppen - damit liegt man seit ein paar Jahren voll im Trend, auch wenn nicht immer klar ist, wer angesprochen werden soll: Frauen, wie mit dem Format "Lounge in the city"? Oder die jüngere Generation, die ganz selbstverständlich mit dem im Netz verbreiteten "Denglisch" aufgewachsen ist? Die CSU vereint an diesem Tag beide Ansätze, das Lounge-Feeling mit dem Internetbezug, die weichen Sitzbänke in weiß mit dem "CSU-W-Lan-Hotspot", wie es auf einem Aufsteller heißt.

Flankiert wird das Ganze von einem "CSU-Event-Trailer", einer Art mobilen Wahlkampfstation, die von der Landes-CSU tageweise an die Kreisverbände ausgeliehen wird. Dieser Trailer steht nun auf dem Marienplatz in Ebersberg, das Wetter ist durchwachsen, aber insgesamt nicht unfreundlich, und das gleiche ließe sich über den Zulauf sagen. Der am Vormittag eher übersichtlichen Schar von interessierten Ebersbergern steht eine ganze Riege von Wahlkämpfern zur Verfügung. Deren Anliegen ist es, mit dem Bürger "ganz unmittelbar ins Gespräch zu kommen", wie Thomas Huber erklärt, Bezirksrat und CSU-Landtagskandidat. Auf den Stehtischen liegen Postkarten aus, vorne sieht man Huber und seinen Parteikollegen Andreas Lenz, Bundestagskandidat für den Wahlkreis Erding-Ebersberg, der wegen seiner Krebsbehandlung nicht anwesend ist. Die beiden zeigen auf eine Glühbirne, in der das Wort "Idee" steht. "Huber und Lenz wollen's wissen!" steht darüber, und wer ein Anliegen hat, kann die Karte ausfüllen und ankreuzen, welche Themen ihm besonders am Herzen liegen. "Regionale Strukturen und Landwirtschaft stärken" steht da zum Beispiel, "Schuldenabbau vorantreiben" oder auch: "Digitalisierung im Landkreis voranbringen". Immer noch gebe es weiße Flecken im Landkreis, in denen das Hochgeschwindigkeitsinternet fehle, sagt Huber. "Aber gerade in einem großen Flächenstaat wie Bayern ist die Digitalisierung wichtig für die Erschließung des ländlichen Raums."

Viel ist nicht los um die Mittagszeit, die RolliGang, eine Rosenheimer Gesangsgruppe mit körperlich behinderten Jugendlichen, tritt erst am Nachmittag auf. Ein paar Postkarten hat Huber schon gesammelt: Eine Mutter wünscht sich einen Kindernotdienst im Ebersberger Kreiskrankenhaus, ein Anwohner fordert eine Nord-Süd-Verbindung, um den Verkehr zu entlasten, ein anderer spricht über die Gastronomie, die sich ein Beispiel an Österreich nehmen solle: Dort gebe es eine Ausbildung mit Prüfung zum Gastronom, während in Deutschland derlei nicht notwendig sei. Gekommen ist auch Angelika Niebler, CSU-Kreisvorsitzende und Europaabgeordnete. Sie spricht mit einem Malermeister aus dem Landkreis, der gegen die von der EU geplante Verschärfung der Tachografen-Pflicht für Dienstfahrzeuge ist. Eine "schöne Abwechslung" sei es, statt in den EU-Gebäuden in Brüssel und Straßburg auf dem Marktplatz in Ebersberg zu stehen, "hier ist wenigstens frische Luft", sagt sie.

Für die Belange der Handwerker setzt sich auch Johann Schwaiger ein, Kreishandwerksmeister und Ebersberger Listenkandidat für den Bezirkstag. Im Landkreis gebe es 2000 Handwerksbetriebe, "die zahlen alles, bleiben aber im politischen Betrieb oft außen vor". Er will vor allem die Ausbildung des Nachwuchses fördern und hat das Projekt "Vertiefte Berufsorientierung" in Kirchseeon mitinitiiert. Die freiwilligen Helfer am CSU-Event-Trailer verteilen derweil fleißig Luftballons, Kugelschreiber und Gummibärchen, es gibt Kaffee und Würstchen, die Stimmung ist zwar nicht loungig, aber gut. Nur einmal blitzt Nieblers Pressereferentin ab, als sie eine Passantin anspricht. Diese wehrt eilig ab: "Nee, nee - ich bin Opposition!"