Vaterstetten/Grafing Spaziergänger legt Bahnverkehr lahm

Lange Verspätungen auf der S4 wegen einer Stellwerkstörung in Grafing Bahnhof - und wegen eines jungen Mannes, der sich auf den Gleisen zwischen Baldham und Vaterstetten herumgetrieben hat

Von Wieland Bögel

Viel Geduld mussten die Passagiere der S 4 am Dienstagvormittag aufbringen. Gleich zweimal innerhalb einer Stunde kam es zu Behinderungen auf der Strecke zwischen Grafing und Vaterstetten. Schuld war zum einen ein technischer Defekt im Stellwerk in Grafing Bahnhof, zum anderen ein junger Mann, der sich zwischen Baldham und Vaterstetten auf den Gleisen herumtrieb.

Bei der zuständigen Polizeiinspektion in Poing ging gegen 9.40 Uhr der Notruf ein, es befände sich ein Jugendlicher auf den Schienen in Vaterstetten. Beobachtet hatte dies eine Passantin. Daraufhin wurde der Zugverkehr eingestellt. Als die Beamten wenige Minuten später in Vaterstetten eintrafen, war der junge Mann aber schon wieder verschwunden. Dass es sich um eine derzeit bei jungen Leuten beliebte Mutprobe gehandelt habe, schließt die Polizei eher aus. Vermutlich habe der Jugendliche lediglich eine Abkürzung gesucht, die ihn dann eben über die Schienen geführt habe. Einsätze wegen Personen auf Bahngleisen gebe es immer wieder, so die Polizei, sie seien aber nicht besonders häufig. Etwa ein mal pro Monat würden die Beamten zu einem solchen Einsatz gerufen, eine Häufung dieser Fälle könne man zumindest im Gebiet der Poinger Inspektion nicht feststellen.

Ganz im Gegensatz zum gesamten S-Bahn Netz, wie Bahn-Pressesprecher Bernd Honerkamp weiß. Gab es im Jahr 2011 noch 237 Fälle, in denen ein Gleisabschnitt wegen unbefugten Betretens gesperrt werden musste, waren 2012 bereits 262 - und im vergangenen Jahr sogar 271 Sperrungen wegen Personen im Gleis nötig. Geht eine entsprechende Warnung bei der Polizei oder bei der Bahn-Leitstelle ein, würden meist alle Züge im entsprechenden Gleisabschnitt entweder sofort angehalten oder sie dürften nur "auf Sicht" also höchstens 30 Kilometer pro Stunde fahren, erklärt Honerkamp. Erst wenn eine Streckenbegehung ergeben hat, dass sich niemand mehr auf den Schienen befindet, wird die Sperrung wieder aufgehoben.

Dieser Bub wartet anständig auf dem Bahnsteig. Doch immer öfter wird das Betreten der Gleise zur Mutprobe Jugendlicher, um dort ein Selfie zu knipsen.

(Foto: Christian Endt)

Dass es unter Jugendlichen immer beliebter werde, sich als Mutprobe oder wegen des extravaganten Hintergrunds auf Eisenbahnschienen zu fotografieren, hat vor einigen Monaten eine Untersuchung der Bahn ergeben. Dies habe sicher auch zu einer Zunahme der Sperrungen geführt, meint Honerkamp, dennoch sei dies "nicht die Regel". Hauptursache für eine Sperrung wegen Personen im Gleis seien spielende Kinder, die etwa Münzen oder Steine auf die Schienen legten. Aber auch Leute, die ganz einfach auf der Suche nach einer Abkürzung seien, wie nun wohl in Vaterstetten, lösten damit oft eine Sperrung aus. Honerkamp weist darauf hin, dass das Überqueren der Gleise nicht nur mögliche strafrechtliche Folgen haben, sondern auch sehr gefährlich sein könne, "es kommen dabei immer wieder Leute zu Schaden." Ganz besonders wenn diese nicht mehr ganz nüchtern sind. Denn oft komme es vor, dass Betrunkene eine Abkürzung über die Bahngleise nehmen, oder zur besseren Orientierung entlang der Schienen oder gar direkt darauf laufen.

Da der junge Mann in Vaterstetten sich offenbar nur für einen kurzen Aufenthalt auf den Gleisen entschieden hatte, wurden diese gegen 10 Uhr wieder freigegeben. Zu weiteren Verzögerungen kam es aber dennoch, die Störung im Grafinger Stellwerk konnte erst um kurz vor 11 Uhr behoben werden.