Filmdreh in Baldham Glücksbringerwald

Zwischen Feld und Forst entstehen Teile einer neuen schwarzen Komödie namens "Der Hund begraben". Der Produzent hält die Umgebung für "sehr authentisch"

Von Max Nahrhaft, Vaterstetten

- Was hat Baldham, was andere Orte nicht haben? Ist es vielleicht der Turm am Marktplatz oder die völlige Abwesenheit von Rummel rund um denselben, was Baldham einzigartig macht? Nein, die Antwort ist in diesem Fall viel banaler: Ein noch nicht abgeerntetes Feld, das direkt neben einem Stückchen Wald liegt. Genau so eine Kulisse nämlich hat eine Münchner Produktionsfirma für ihren neuesten Film gebraucht.

"Da wir aus München kommen, haben wir einen Drehort in der Nähe gesucht. Die Kombination aus Stoppelfeld und Wald war aber gar nicht so einfach zu finden", erklärt Producerin Rafaela Evers von Glory Film. Außerdem seien sowohl die Gemeinde Vaterstetten als auch die Grundstückseigentümer höchst aufgeschlossen gegenüber dem filmerischen Ansinnen gewesen. Und so fanden schließlich vier von insgesamt 26 Drehtagen in Baldham statt.

Es geht um die Eifersucht eines Familienvaters auf den Familienhund

"Der Hund begraben" nennt sich der neue Streifen, eine schwarze Komödie, in der ein Familienvater in eine Lebenskrise gerät, als seine Frau und seine Tochter einen Hund adoptieren und diesen - so scheint es dem Vater zumindest - mehr lieben als ihn selbst. Er versucht daher, den Hund unauffällig loszuwerden - und überfährt ihn dabei versehentlich. Dieses Missgeschick will er dann einem Fremden in die Schuhe schieben, verfängt sich allerdings immer mehr in seinen eigenen Lügengeschichten. Bald liegt hier also mehr als nur der Hund begraben. . .

Die Dreharbeiten in Baldham erfüllen alle Klischees: Der idyllische Schauplatz im Wald nimmt ein ungewohntes Bild an, löst sich auf in ein leises, aber geschäftiges Durcheinander. Ein großes Filmteam aus knapp 40 Leuten hat überall Equipment aufgebaut: Etliche teure Kameras, sogar ein kleines Zelt für die filmerischen Utensilien steht da, und der obligatorische Klappstuhl für den Regisseur darf natürlich auch nicht fehlen. "Ruhe bitte, die Kamera läuft", ruft der Aufnahmeleiter durch den Wald.

Es muss völlige Stille herrschen, während gedreht wird. Außerhalb des Blickfeldes der Kamera huschen jedoch immer wieder Helfer umher, um für die richtige Kulisse zu sorgen: Da der Dreh am Nachmittag stattfindet, im Film aber ein geheimnisvoller, morgendlicher Dunst unter den Bäumen hängen soll, wird künstlich mit Rauch nachgeholfen. Schon bald wabern dicke Schwaden durch das Set. Aber schon die nächste Aufnahme muss unterbrochen werden, da man aus der Ferne Flugzeuglärm hört. "Flugzeuge gibt's doch auch im echten Leben", kommentiert dies Schauspieler Georg Friedrich gänzlich trocken - und zündet sich eine Zigarette an.

Mit dem Drehbuch für seinen zweiten Film kann Regisseur Sebastian Stern durchaus bekannte Schauspieler begeistern

Obwohl dies erst der zweite Film des Drehbuchautors und Regisseurs Sebastian Stern ist, konnte er, wie er selbst sagt, die Hauptrollen mit seinen Wunschschauspielern besetzen: Justus von Dohnányi spielt den Familienvater, Juliane Köhler seine Ehefrau, und der Österreicher Georg Friedrich verkörpert den Fremden. Der 36-jährige Regisseur Stern ist in Deggendorf geboren und erhielt bereits auf Jugendfilmfestivals erste Auszeichnungen. Und seinen ersten großen Erfolg feierte Stern dann gleich mit seinem Spielfilmdebüt "Die Hummel", das mit dem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Typisch ist auch der zeitliche Aufwand, der mit "Der Hund ist begraben" verbunden ist. Ein 100-minütiger Film wird eben nicht mal schnell gedreht - ganz im Gegenteil: Ständig muss wieder auf irgendetwas gewartet werden, außerdem dreht das Team jede Szene mehrmals. "Manchmal kann es schon vorkommen, dass wir vier Stunden drehen und dabei nur 20 Sekunden Material herauskommen. Trotzdem macht es mir sehr viel Spaß", sagt Hauptdarsteller von Dohnányi. Ein normales Drehverhältnis sei ja auch um einiges besser, der Schnitt liege bei etwa vier Minuten pro Tag. Mit den Unwägbarkeiten des Filmens ist auch Produzent Ralf Zimmermann längst vertraut: "Man kann nicht sagen, dass es einen typischen Drehtag gäbe, das ist jedes Mal anders. Es ist zwar Arbeit, aber ich habe es wirklich lieb gewonnen", sagt er.

So eine Filmproduktion kostet indes nicht nur Zeit, sondern auch einiges an Geld. Im Fall von "Der Hund begraben" werden es am Ende etwa 1,3 Millionen Euro sein - und damit fällt die Produktion noch in die Kategorie Low Budget. Trotzdem freuen sich die Macher über Fördermittel von verschiedenen Seiten: Der Filmfernsehfonds Bayern, der Deutsche Filmförderfonds, das Kuratorium Deutscher Film sowie die Fernsehsender BR und Arte schießen Gelder zu.

Frühestens im Herbst kommt der Filmin die Kinos

Am diesem letzten Drehtag in Baldham, an dem nur noch ein paar kleine Szenen in den Kasten wandern, ist Zimmermann ganz freudig gestimmt: Alles sei nach Plan gelaufen, sagt der Produzent. "Der Drehort hat uns Glück gebracht. Und die Umgebung hat wirklich sehr gut gepasst, sie ist sehr authentisch, die Familie aus dem Film könnte wirklich hier leben." Doch die Arbeit an der schwarzen Komödie ist noch lange nicht vorbei: Jetzt kommt das Werk noch in den Schnitt und die Postproduktion. Erst im Herbst oder Anfang nächsten Jahres wird der Film in den Kinos laufen. Schade, dass aus dem geplanten Lichtspielhaus gleich neben dem Baldhamer Turm bislang nichts geworden ist. Sonst gäbe es dort ein Heimspiel.