Stadtentwicklung Ebersberg Alpenblick siegt über Autohaus

Bei richtigem Wetter wirkt die Kreisstadt wie ein idyllisches Bergdörfchen. Damit das so bleibt, hat sich der Stadtrat gegen eine zu intensive Bebauung entlang der Schwabener Straße ausgesprochen.

(Foto: CHRISTIAN ENDT)

Der Ebersberger Stadtrat lehnt eine Änderung des Flächennutzungsplans an der Schwabener Straße ab, um den Alpenblick nicht zu verbauen. Das Autohaus muss nun die Pläne für seine Erweiterung anpassen.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Dass man von der schönen Aussicht nicht runterbeißen kann, ist ein beliebtes Argument, wenn es um die Ausweisung neuer Baugebiete geht. Besonders solcher, die Gewerbesteuereinnahmen versprechen. Doch manchmal fällt die Bewertung auch zugunsten der schönen Aussicht aus, wie nun im Ebersberger Stadtrat. Mit knapper Mehrheit lehnte das Gremium eine Änderung des Flächennutzungsplanes an der Schwabener Straße ab. Andernfalls, so die Meinung vieler Stadträte, sei das schöne Alpenpanorama in Gefahr, das man bei der Einfahrt in die Kreisstadt bewundern könne.

Wie man dieses Panorama mit einer dichteren Bebauung im Gewerbegebiet in Einklang bringen kann, wird bereits seit einigen Jahren immer wieder im Stadtrat diskutiert. So wurde vor fast genau fünf Jahren der Flächennutzungsplan für das Grundstück südlich des Autohauses auf Höhe der Forstinninger Straße geändert. Dieses ist seitdem für die Erweiterung des Gewerbegebietes, namentlich des Autohauses, vorgesehen.

Allerdings gab es schon damals die Sorge um das Alpenpanorama. Um dieses zu bewahren, schlug Dritter Bürgermeister Josef Riedl (CSU) vor, einen "Trichter" - einen dreieckigen, etwa 2000 Quadratmeter großen Teil des Grundstücks entlang der Schwabener Straße - freizuhalten. Seitdem ist das Areal als sogenannte "Obstwiese" im Flächennutzungsplan eingetragen. Fünf Jahre später wollte Riedl von seiner damaligen Idee indes nichts mehr wissen.

Einige bezweifeln die Auswirkungen auf die Aussicht

"Wir brauchen die Arbeitsplätze und wir brauchen die Gewerbesteuern", warb er im Stadtrat für eine Nutzung des Streifens entlang der Schwabener Straße. Riedl bezweifelte außerdem, dass die geplante Autohaus-Erweiterung viel Einfluss auf die Aussicht haben werde. Denn laut den vom Autohaus in einer früheren Sitzung vorgestellten Pläne, sollen entlang der Straße ohnehin keine Gebäude, sondern nur Parkplätze entstehen. Störender für die Aussicht sei eher die geplante Begrünung mit hohen Bäumen, meinte Riedl, daher solle man stattdessen entlang der Parkplätze einfach Büsche pflanzen.

Dem stimmte CSU-Fraktionssprecher Martin Schedo zu: "Die Begrünung mit Bäumen wird die Blickachse mehr beeinträchtigen, als die Parkplätze." Denn das Gelände liege deutlich tiefer als die Straße, auch wenn dort Autos stehen, könne man die Alpen immer noch sehen. "Ich finde den Blick hier nicht so wichtig", meinte sein Parteifreund Florian Brilmayer. Natürlich müsse man bei vielen Bauprojekten "abwägen zwischen dem Blick und der Wirtschaft", hier aber solle die Abwägung für die Wirtschaft ausfallen. Zudem der eigentliche Punkt, von dem aus man das Panorama über Ebersberg richtig sehen könne, erst weiter südlich liege.

"Dass die Sicht ins Gebirge dadurch nicht beeinträchtigt wird, stimmt nicht", befand dagegen Michael Schulte-Langforth (Grüne), "je mehr da oben gebaut wird, desto schlechter wird die Aussicht und irgendwann ist sie dann weg." Auch Doris Rauscher (SPD) warnte: "Wir machen uns etwas kaputt, wenn wir bis zur Straße bauen." Das gelte nicht nur für Gebäude, sondern auch für einen Parkplatz. Der im Übrigen vermutlich deutlich höher liegen werde als die jetzige Wiese, vermutete Hans Hilger (FW), denn um eine Verbindung zur Straße und zum bestehenden Autohaus herzustellen, müsse die Fläche sicher aufgeschüttet werden.

Selbst ein Parkplatz zerstöre schon den schönen Blick

Außerdem sei auch ein Parkplatz kein schöner Anblick, meinte Bernhard Spötzl (FDP). Er zumindest wolle nicht, dass es an der Ortseinfahrt "aussieht wie an der Bodenseestraße" - einem Straßenzug der für seine hohe Dichte an Gebrauchtwagenhändlern bekannt ist. Er habe den Parkplatz zunächst "sehr gut gefunden" erklärte Zweiter Bürgermeister Toni Ried (FW). Mittlerweile habe er seine Meinung aber geändert, bei einem Lokalaugenschein sei er zu der Überzeugung gelangt, "das wäre schon ein gewaltiger Einschnitt".

Genau wie die möglichen wirtschaftlichen Folgen, würde man der Änderung nicht zustimmen, sagte Riedl. Auf keinen Fall dürfe man riskieren, dass das Autohaus aus der Kreisstadt abwandert, weil keine Flächen zur Erweiterung vorhanden seien. Auch Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) appellierte an die Wirtschaftsfreundlichkeit seiner Stadträte: "Das ist ein Betrieb mit 300 Mitarbeitern", durch die Erweiterung könnten weitere Arbeitsplätze entstehen.

Dies bezweifelte wiederum Hans Mühlfenzl (SPD), er verwies auf das vom Autohaus selbst eingereichte Konzept für die Erweiterung. Demnach "will er sich nur auf einer größeren Fläche aufteilen", um das Angebot besser präsentieren zu können. Neue Arbeitsplätze seien damit aber keine verbunden. Mühlfenzl verwahrte sich auch gegen Vorwürfe, man wolle die Erweiterung des Autohauses verhindern: "Wir haben Verständnis dafür und wir waren den Interessen des Unternehmens gegenüber immer offen." Er habe daher auch nichts gegen die Vergrößerung des Autohauses, "aber unter der Bedingung, dass dieses Dreieck offen bleibt" - was, wie Mühlfenzl erinnerte, auch schon einmal Mehrheitsmeinung im Stadtrat gewesen sei: "Das sollten wir jetzt nicht aufgeben."

Mit denkbar knapper Mehrheit - elf zu elf Stimmen - wurde die Änderung des Flächennutzungsplanes abgelehnt. Was das für die Erweiterung des Autohauses bedeutet, müsse sich nun zeigen, meinte der Bürgermeister, er werde mit dem Betreiber in der nächsten Zeit entsprechende Gespräche führen.