Reaktion der FDP zu Haase-Ausraster Wovon die CSU etwas lernen kann

Klar, deutlich und schnell distanziert sich die FDP von der geschmacklosen Äußerungen ihres Parteimitglieds Klaus Haase nach den Anschlägen von Paris. Was für ein Unterschied zur CSU, die kürzlich in einer ähnlichen Situation war.

Von Wieland Bögel

Noch vor wenigen Tagen hätte man auf die Frage, was man von der FDP lernen kann, wahrscheinlich einen Haufen mehr oder weniger blöder Witze als Antwort bekommen. Schließlich war die kleine Ex-Regierungspartei nicht gerade von Glück, Erfolg oder sonstigen angenehmen Dingen verfolgt.

Doch nach diesem Wochenende lautet die Antwort: Haltung und Anstand. Ohne langes Herumlavieren und ohne auch nur den Versuch des Aussitzens oder Dummstellens hat sich die Partei - bis auf Bundesebene - gegen die öffentliche Entgleisung eines einzelnen Mitglieds gestellt.

Die Jungen Liberalen reagieren noch mitten in der Nacht

Es ist eine Reaktion, wie sie zynischer kaum sein konnte. Am Freitagabend, als das ganze Ausmaß des Verbrechens von Paris nach und nach bekannt wurde und immer neue grausame Details über alle Nachrichtenkanäle schwirrten, ließ das Ebersberger FDP-Mitglied Klaus Haase im Internet einen schwirren. Er machte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung indirekt für das Massaker der Terroristen verantwortlich, schrieb in dem Zusammenhang gar, die Politik Merkels werde gerade "beerdigt: und das ist gut so".

Gar nicht gut fanden das dagegen viele andere FDP-Mitglieder, die Jungen Liberalen waren die Ersten, die öffentlich Haases Rauswurf aus der Partei forderten, da war sein Eintrag gerade einmal zwei Stunden online. Wenige Stunden später schloss sich der Kreisverband an, auf Betreiben des Landesverbandes wurde ein Internet-Auftritt Haases gesperrt, weil er dort das Logo der FDP verwendet hatte, und auch der Bundesvorsitzende meldete sich zu Wort, nannte Haase einen "Troll" und seinen Kommentar "widerlich".

Der CSU-Kreisverband entschied sich nach anfänglicher Distanzierung für ein Aussitzen

Was für ein Unterschied zum Verhalten der CSU, die vor einigen Wochen ebenfalls mit den Entgleisungen einiger Mitglieder zu beschäftigen hatte. Die Zornedinger CSU-Vorsitzende hatte in der Zeitschrift des Ortsverbandes gegen Flüchtlinge gehetzt sowie Bundeskanzlerin und Bundespräsident beleidigt.

Zwar distanzierten sich zunächst einige Parteifreunde, doch dann setzte sich im Kreisverband offenbar die Einschätzung durch, die ganze Sache auszusitzen. Der Ortsverband einschließlich des Bürgermeisters stellte sich hinter die Vorsitzende. Erst als deren Stellvertreter durch rassistische Sprüche gegen den Pfarrer negativ auffiel, endete das dröhnende Schweigen der Parteioberen, Ortsvorsitzende und Stellvertreter räumten einige ihrer Posten - wenn auch nicht alle.

Wie man sich gegen Hetze, Hass und Dummheit aus den eigenen Reihen wirksam zur Wehr setzt, hat nun die kleine FDP gezeigt: und zwar kurz und vielleicht nicht ganz schmerzlos, aber vor allem vorbildlich.