Protest gegen Umgehung Mit Traktoren zur Staatskanzlei

Kirchseeoner Südumfahrungsgegner wollen am Samstag in München gegen die Aufnahme der Trasse in den Bundesverkehrswegeplan demonstrieren

Von Thorsten Rienth

Kleine Gruppe, große Bühne - die Gegner der Kirchseeoner Südumfahrung tragen ihren Protest in die Landeshauptstadt. Mit etwa 100 Teilnehmern und zehn Traktoren wollen sie dort am Samstagvormittag gegen die vom bayerischen Kabinett beschlossene Aufnahme der Trasse in den Bundesverkehrswegeplan demonstrieren. "In Kirchseeon befindet sich Bayerns größter Altlastenfall und wir akzeptieren nicht, dass nun die letzten sauberen Gebiete unserer Gemeinde durch den Bau einer Umgehungsstraße zerstört werden", begründet Brigitte Sickinger vom Verein "Schutz des Kirchseeoner Südens" die Demonstration.

Diese Reaktion der Kirchseeoner Südumfahrungsgegner kam prompt: Erst am Dienstagnachmittag hatte das bayerische Kabinett entschieden, die Kirchseeoner Umfahrung für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Noch am Abend verschickte der Verein den Demonstrationsaufruf. Start des Demonstrationszugs ist um 11 Uhr am Isartorplatz. Von dort wollen die Südumfahrungsgegner zunächst über den Thomas-Wimmer- und Karl-Scharnagl-Ring zur Staatskanzlei ziehen. Dann geht es weiter zur Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium, wo die Demonstration mit einer Kundgebung enden soll.

Die Demonstration kommt insofern überraschend, als dass zumindest ein grundsätzlicher Wunsch der Protestierenden schon umgesetzt ist: Neben der umstrittenen Südvariante ist auch die von dem Verein favorisierte Tunnellösung für den Verkehrswegeplan angemeldet. Im Zuge der Verkehrswegeplanaufstellung werde der Bund beide Varianten ergebnisoffen prüfen, versicherte gestern eine Sprecherin des Innenministeriums der SZ.

So lange wollen die Gegner der Südtrasse nicht warten. Zahlreiche Gründe sprechen ihrer Ansicht nach gegen die "unsinnige weiträumige Südumfahrung", schreiben sie im Aufruf zur Demonstration. Hauptargument sind die gut 2,3 Kilometer, die die Südtrasse durch das Trinkwasserschutzgebiet verlaufen soll. Große Teile des Grundwassers im Norden der Gemeinde seien wegen des ehemaligen Bahnschwellenwerks mit krebserregenden Stoffen auf Jahrzehnte verseucht. "Die Südtrasse würde die letzten sauberen Trinkwassergebiete Kirchseeons gefährden." Das sei im Übrigen nicht nur Ansicht der Südtrassengegner. "Diese Trasse wurde bereits 1984 im Raumordnungsverfahren aus ökologischen Gründen entschieden abgelehnt", erinnerte Brigitte Sickinger.

Die geplante Südtrasse verbrauche darüber hinaus unverhältnismäßig viel Land, schränke die Entwicklung Kirchseeons im Süden der Gemeinde ein und würde Wohngebiete, Kindergärten, Schulen und Altersheime durch Zubringer neu belasten. Hinzu komme, dass die aktuell geschätzten Baukosten mit 37 Millionen Euro viel zu niedrig kalkuliert seien. "Experten schätzen die Trasse auf über 80 Millionen Euro - eine Verdoppelung der Kosten", argumentiert der Verein "Schutz des Kirchseeoner Südens".

Die von seinen Mitgliedern befürwortete Tunnelvariante durchschneide dagegen kein Wasserschutzgebiet und habe mit Abstand den geringsten Flächenverbrauch. Sie sei die sozial gerechteste Variante und würde die Verkehrsproblematik nicht nur verschieben, sondern endgültig lösen.