Problemfall Rathaus Die neue Mitte

Gemeinde Vaterstetten stellt am Donnerstag im Pfarrsaal drei Entwürfe für ein besseres Ortszentrum vor

Von Wieland Bögel

Diese Ansicht auf Vaterstetten könnte bald der Vergangenheit angehören

(Foto: EBE)

- Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist schon seit längerem als Problemfall bekannt: Bei starkem Regen oder Schnee tropft es durchs Dach, die Heizkosten sind so erheblich, dass selbst der Bürgermeister seinen Dienstsitz des öfteren als "die größte Energieschleuder der Gemeinde" bezeichnete, und wegen Mängeln am Brandschutz dürfen seit heuer auch die Rathauskonzerte nicht länger im Rathaus stattfinden. Wie es mit dem Gebäude weiter geht, wird am heutigen Donnerstag vorgestellt.

Wegen Brandschutzmängeln im Rathaus müssen die Musiker draußen bleiben

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Hintergrund ist das sogenannte "Dialogverfahren", eine europaweite Ausschreibung für ein neues Vaterstettener Ortszentrum. Auf einer Fläche von knapp 25 000 Quadratmetern rund um das Rathaus sollen Geschäfte, darunter ein großer Supermarkt, Wohnungen, eine neue Bücherei und ein Gemeindesaal entstehen. Dieses Projekt verfolgt die Gemeinde bereits seit Jahrzehnten, allerdings ohne Erfolg. Konkrete Pläne gab es zuletzt Ende der 1990er Jahre, doch das Vorhaben musste im Jahr 2010 wegen Geldmangels aufgegeben werden, zuvor hatte man rund eine Million Euro für die Planung eines Bürgersaals mit Kino ausgegeben.

Mit dem Dialogverfahren sollte im November vergangenen Jahres ein neuer Anfang gemacht werden. Das Verfahren wurde entwickelt, um komplexe Bauvorhaben wie etwa das Vaterstettener Ortszentrum, umzusetzen. Dabei erarbeitet die Gemeinde zusammen mit Investoren verschiedene Konzepte. In einem Auswahlverfahren wird schließlich dem wirtschaftlich günstigsten Angebot der Zuschlag erteilt. Der Vorteil für die Gemeinde ist, dass man dabei viel Geld sparen könnte: Denn ein Großteil der Kosten soll der Projektpartner tragen, dieser erhielte dafür einige Flächen im Ortszentrum, auf denen er dann Wohn- und Geschäftshäuser bauen und vermieten oder verkaufen darf. Neu ist aber nicht nur das Verfahren selbst, sondern dass es bei der aktuellen Ausschreibung auch über die Frage Abriss und Neubau oder Sanierung des alten Rathauses geht.

Bereits im Jahr 2009 hatten die Grünen beantragt, statt einer Sanierung des Gebäudes aus den 1970er Jahren lieber ein neues Rathaus zu bauen. Nach erstem Protest schloss sich die CSU diesem Vorschlag an. Denn eine Sanierung des Rathauses bedeutet in mehrfacher Hinsicht ein Risiko: Zum einen ist unklar, ob sie überhaupt möglich ist, denn wie gravierend die Baumängel tatsächlich sind, würde sich erst im Laufe der Arbeiten herausstellen. Zum anderen sind die Kosten enorm: Bis zu sechs Millionen Euro könnte die Renovierung kosten, schätzte Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) bei einer Infoveranstaltung zum neuen Ortszentrum im vergangenen Jahr.

Das Glasdach im Rathaus lässt nicht nur Licht, sondern auch Regenwasser durch

(Foto: EBE)

Ob die Vaterstettener Verwaltung bald umziehen muss, will die Gemeinde heute um 19 Uhr im Pfarrsaal Vaterstetten vorstellen. Auch wie das neue Ortszentrum einmal aussehen könnte, können die Bürger erfahren. Drei Konzepte verschiedener Planer werden dabei präsentiert, anschließend können die Besucher Fragen stellen und Anregungen einbringen. Die drei Planvorschläge werden außerdem vom 21. bis zum 25. November im Rathaus ausgestellt. Dazu ist das Rathaus am Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Dann sind Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung vor Ort und geben Auskunft.