Probefahrt nach Grafing-Bahnhof S-Bahn präsentiert modernisierten Zug

Auf Tuchfühlung in der Kuschelecke: S-Bahn-Chef Heiko Büttner, sein Qualitätsbeauftragter Wolfgang Oeser, der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß und Günter Menzl, MVV-Koordinator der Landkreise (von links).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Breitere Durchgänge und Einer-Sitzreihen: Im neuen Waggon werden die Passagiere verdichtet

Von Viktoria Spinrad, Grafing

Die Charme-Offensive der Bahn hält auf Gleis 4. Die blank geputzten Türen gleiten auf, aus ausnahmslos jedem Ausgang strahlen einem fesche Bahnmitarbeiter entgegen, die Pressefrau wedelt mit einer grünen Kelle. Ein Werbespot? Fast. Hier, wo normalerweise die Schnellzüge fahren, präsentiert die Bahn am Mittwoch in Grafing-Bahnhof die erste der modernisierten S-Bahnen. Bis 2020 sollen alle das Makeover durchlaufen; dafür investiert der Freistaat 980 000 Euro pro Bahn.

Ein Detail, das nicht jedem gefällt auf der lustigen Showfahrt gen Osten. "Da bin ich schon entsetzt", sagt ein Mann, während seine Begleiterin von dem neuen Design schwärmt. Zum Beispiel dem umgebauten Mehrzweckbereich, der nur noch auf einer Seite Sitze hat und wo jetzt eine Band für einen Radiosender Musik spielt. Die Bahn-Musik spielt allerdings auf der ganz anderen Seite. Deshalb ist einem die Pressesprecherin gefolgt - ob man nicht mit dem Designer reden wolle?

Nun gut. Dieser deutet freundlich in Richtung der viel breiteren Durchgänge, der Festhaltegriffe und Einer-Sitzreihen. Die Quintessenz: Wo ein völlig überlastetes S-Bahn-System seine Taktung bis zur Eröffnung der zweiten Stammstrecke nicht weiter verdichten kann, müssen die Passagiere verdichtet werden. Von 544 auf 612 pro Bahn. Damit die nicht reihenweise weiter klaustrophobische Anfälle erleiden, wird die zumeist stehenden Passagiere beruhigendes LED-Licht von oben bescheinen. Wer da nicht selig wird, kann sich über die großen Anzeigen freuen, die die U-Bahnisierung der S-Bahnen abrunden - und vom Jahr 2019 an in Echtzeit über Verspätungen informieren sollen.

Selig ist schon einmal einer: Vorne im Führerhaus steht Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und lässt sich die Lokführerwelt erklären, während Kirchseeon und Zorneding vorbeirauschen. Da bleibt Zeit für Fragen an den S-Bahn-Chef. Zum Beispiel, wieso die Handy-App regelmäßig eine pünktliche S6 nach Ebersberg ankündigt, während sich am Bahnhof eine alternative Realität abspielt. Das System greife auf unterschiedliche, noch nicht synchronisierte Datentöpfe zurück, erklärt Heiko Büttner. Konsequenz: An den einzelnen Stationen müssen die Fahrgastinformationen händisch eingetippt werden. Ändern wird sich das erst, wenn findige Informatiker das alte System ins 21. Jahrhundert hieven. Irgendwie doch ganz liebenswert, diese Bahn.