Praxistest unter Zeitdruck Siegreich in der Küche

Beim Berufswettbewerb in Ebersberg zeigen 22 Hauswirtschafts-Schülerinnen, was sie gelernt haben. Getestet wird Kochen, Lebensmittel erkennen und Hygiene.

Von Christina Schönstetter

Nur eine kann den Wettbewerb gewinnen, das ist den jungen Frauen klar. Schnell wird noch mit zitternden Händen das Büschel Dill zum Lachs und der feinen Scheibe Zitrone gesteckt, fertig ist der dritte Brotaufstrich. Höchste Zeit, denn da kommt das unvermeidliche "Und - Stopp! Zeit ist um" von der Prüferin mit dem Klemmbrett. Nur 45 Minuten haben die Hauswirtschafts-Schülerinnen, um ihre Kochkünste im Berufswettbewerb Hauswirtschaft in Ebersberg unter Beweis zu stellen.

Gewonnen hat in diesem Jahr die 18-jährige Maria Schuster aus Au am Inn. Auf dem zweiten und dritten Platz sind Sibylle Rutzmoser und Anna Sigl. Von allen der 22 jungen Hauswirtschafts-Schülerinnen, die am vergangenen Dienstag im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg durch die Gänge huschten, haben diese drei die meisten Punkte bekommen. "Kochen, eine Bestimmungsübung und eine Präsentation über Händereinigung: das sind heuer die drei Prüfbereiche für den praktischen Teil", erklärt Maria Stangl, Organisatorin des Wettbewerbs in Ebersberg. Der Berufswettbewerb wird alle zwei Jahre vom bayerischen Bauernverband (BBV) veranstaltet, zu gewinnen gibt es Bücher, Rucksäcke und Prestige. Neben den drei praktischen Aufgaben gibt es auch eine theoretische Prüfung mit einem Allgemeinwissenstest und einem Fragebogen speziell für Hauswirtschaft. Auf der einen Seite müssen europäische Länder benannt und prominente Personen wie Albert Einstein erkannt werden, auf der anderen berechnen die Schülerinnen Fettanteile im Käse oder beschreiben Gefahrenquellen beim Kochen.

In der Küche finden sich acht Prüflinge in reinweißen Schürzen und Kopftüchern, jede hat - ganz nach Aufgabenstellung des BBV - drei kleine Schälchen vor sich stehen. Es seien meistens eher unkomplizierte Aufgaben, die man auch in der kurzen Zeit auch gut umsetzen könne, erklärt Maria Stangl. Die Aufgabenstellung bekommen die Schülerinnen schon ein paar Wochen zuvor, damit sie sich vorbereiten können. Maria Schuster hat die Ideen für ihre Aufstrich-Varianten aus dem Hofladen in Aying, bei dem sie arbeitet. Sie hat sich ein eigenes Konzept überlegt: "Ich habe saisonale Brotaufstriche gemacht. Äpfel, Karotten und Nüsse stammen aus dem eigenen Garten", sagt Maria Schuster und zeigt stolz auf ihre Aufstriche. Die Rezepte für Lachsquark, den mediterranen Frischkäse und den Apfel-Karotten-Aufstrich hat sie sich weitgehend selbst überlegt. Wie alle Teilnehmerinnen des Berufswettbewerbs in Ebersberg besucht sie die Hauswirtschaftsschule in Riem. "Mir gefällt es, dass wir viel Praxis haben. Das erste Jahr der Ausbildung ist Schule, die zwei Jahre danach haben wir nur noch einmal in der Woche Unterricht", erklärt die Schülerin.

Für die beiden weiteren Aufgaben der Praxis-Prüfung müssen die Schülerinnen in den Keller. Auf dem Tisch vor Marianne Erhart stehen zehn nummerierte Schälchen mit Trockenlebensmittel, die sie bestimmen und je einen Verwendungszweck finden soll. Haferflocken, Reis, Linsen, das ist noch einfach zu erkennen. Bei Mehl und Speisestärke, beides pulvrig und weiß, wird es schon schwieriger. "Probiert habe ich aber nur Zucker. Allerdings nicht, weil ich es nicht wusste", sagt die 17-jährige Marianne Erhart und schmunzelt.

Als drittes müssen die jungen Frauen vorführen, wie man sich die Hände richtig reinigt. Zuerst nur mit Wasser, dann Seife und Desinfektionsmittel. Für Christina Weichselgartner aus Schwindkrichen ist die Präsentation kein Problem. Sie ist aber auch schon im dritten Lehrjahr an der Hauswirtschaftsschule. "Ich will danach noch weiterlernen und Haus- und Familienpflegerin werden", sagt Christina Weichselgartner. Dann kann sie Familien in Notsituationen unterstützen, zum Beispiel wenn ein Familienmitglied krank wird.

Spaß haben die jungen Frauen offensichtlich alle beim Berufswettbewerb in Ebersberg. Und außerdem locken zum Mittagessen 66 verschiedene Brotaufstriche. Für die drei Besten geht es nun weiter zum Bezirksentscheid in Landberg. Wenn sie Glück haben, dann kommt eine von ihnen sogar zum Entscheid auf Landes- und schließlich auf Bundesebene.