Durch die Hintertür AfD mietet sich im Plieninger Bürgerhaus ein

Einmal nach rechts bitte: Am 11. Mai lädt die AfD ins Plieninger Bürgerhaus ein.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Wirte wollen nicht, jetzt wird der Kreisverband in einer Gemeinde fündig. Den Vortrag des Abends soll der als Rechtsaußen geltende Martin Hohmann halten - ein Detail, von dem die Plieninger anscheinend nichts wussten.

Von Victor Sattler, Pliening

Der AfD gelingt nach einem halben Jahr und dank neuem Ansatz, was im vorigen November erfolglos geblieben war: Eine Bühne für den umstrittenen Martin Hohmann zu finden, der 2004 wegen Antisemitismusvorwürfen aus der CDU ausgeschlossen wurde. Nachdem sich die Gastwirte im Landkreis nahezu lückenlos gegen Hohmann stellten, mietete der stellvertretende AfD-Kreisvorsitzende Hjalmar Brauner für die Kundgebung nun das Plieninger Bürgerhaus an.

Als Titelbild steht es auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbands Erding-Ebersberg, dass Martin Hohmann am 11. Mai um 19 Uhr sprechen soll. Bis auf ein großes Porträt-Foto von Hohmann - zur leichteren Zuordnung -, ist die Nachrichtenlage aber recht dünn: Interessenten wären zwar gebeten, rechtzeitig vor Ort zu sein, von diesem Ort ist aber nur bekannt, dass er im "Großraum Markt Schwaben" liege. Weitere Infos gebe es per E-Mail.

Die Geheimniskrämerei rührt nicht von ungefähr: Vor einem halben Jahr war es den Veranstaltern zum Verhängnis geworden, dass sie ihre Lokalität öffentlich ankündigten. In der Gaststätte "Ebersberger Alm", wollte Hohmann über den "deutschen Schuldkomplex" sprechen; ein beliebtes Schlagwort zur Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen. Die Schuld, die Hohmann von deutschen Schultern nehmen will, hängt er den "weltbolschewistischen" Juden an und macht sie damit zum Tätervolk. Aufgewärmten Antisemitismus konnte CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel mit den Grundsätzen der Partei nicht vereinen - und beantragte seinerzeit Hohmanns Ausschluss.

Und im Landkreis Ebersberg? "Die Grenze ist überschritten bei Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Mit diesen Elementen hat Hohmann eine Geschichte, als rechter Rand der Partei", mahnt Christian Rummel vom Ebersberger Bündnis "Bunt statt Braun". "Man darf nicht den Eindruck vermitteln, dass sie machen können, was sie wollen." Folglich begrüßte Rummel es, als die "Ebersberger Alm" vorigen November die Reservierung der AfD stornierte. Nachdem ein offener Brief der "Demokratischen Jugend" aus Rosenheim auch die verbleibenden Wirte im Landkreis zum Boykott aufrief, sagte die AfD Hohmanns Vortrag ab, wehrte sich aber mit einer Strafanzeige: Die Wirte wurden so von der AfD Erding-Ebersberg zu Opfern einer Drohkampagne gemacht.

"Das war eine bisschen linke Tour", findet der Bürgermeister

Fast sechs Monate später zeigen sich die Wirte nicht eingeschüchtert, sondern als nahezu einstimmige Front: "Bis zu einem Punkt bin ich als Wirt unparteiisch, ich darf nicht sympathisieren", sagt Alexander Hoyer vom Brauhaus Schweiger in Markt Schwaben. "Aber ich habe Gäste und Mitarbeiter aus aller Welt - und die AfD hat einen Punkt überschritten, der nicht mit unserer Philosophie vereinbar ist." Nur ein paar Wochen sei es her, dass die AfD Interesse angemeldet habe. Auch im Anzinger Forsthof sei jemand von der AfD vorbeigekommen, erzählt Johannes Bauer. "Aber wir haben keine Räumlichkeiten für die AfD", erklärt er gleich. Anita Stocker, die Chefin des Gasthof Stocker in Pliening, sieht das Ganze hingegen pragmatischer: "Ich bin Wirtin. Ich bin multi-kulti. Bei mir sind alle Parteien gleich."

Zwischen diesen beiden klaren Standpunkten liegt die differenzierte Antwort des Plieninger Wirts Martin Forchhammer. Dessen Gasthof Forchhammer sei ebenfalls von der AfD angefragt worden, aber: "Nicht in meinem Haus, habe ich gesagt", berichtet Forchhammer, auch, weil er sich etwa vor Protest-Graffitis der AfD-Gegner fürchtete. Von wem seine Speisen letztlich verzehrt werden, sei allerdings nicht politisch, so Forchhammer. "Solange die Partei zugelassen ist, kann ich sie nicht schuldig sprechen", sagt er. Das Catering für die 100 veranschlagten Gäste werde man also übernehmen, so Forchhammer.

Nach den Absagen bei Privatbetrieben fand die AfD für Hohmann letztlich einen öffentlichen Raum im Stüberl des Plieninger Bürgerhauses. Warum erteilte die Gemeinde von Plienings Bürgermeister Roland Frick (CSU) der AfD die Genehmigung? "Ich muss die AfD aushalten", sagt Frick am Donnerstag auf Nachfrage der SZ. "Privatpersonen können nein sagen, aber als Kommune haben wir keine Berechtigung dazu. Es gilt das Grundgesetz."

Die Person Martin Hohmann und die öffentliche Aufregung um ihn im November seien ihm zwar durchaus bekannt, so Frick. Dass die AfD ein halbes Jahr später nun wieder Hohmann als Redner in den Landkreis bestellt habe, sei aus der Anfrage an die Gemeinde aber nicht hervorgegangen. "Das war eine bisschen linke Tour", findet Frick. Dass es sich um eine Veranstaltung mit Hohmann handeln soll, sei ihm nicht bekannt gewesen. Hätte ich das gewusst, hätte ich den Gemeinderat eingebunden", so Frick, um in einer Einzelfallentscheidung zu prüfen, ob man der AfD - rein juristisch gesehen - absagen darf.