Parsdorfer Umfahrung Reitsberger stimmt zu

Vaterstettens Bürgermeister gibt den Widerstand gegen die Trassenführung auf - zumindest vorerst

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Manchmal kann auch ein oft gespieltes Stück die Zuschauer noch überraschen. Der Vaterstettener Gemeinderat etwa wiederholte am Donnerstag den Klassiker namens Ortsumfahrung Parsdorf-Weißenfeld. Eine Premiere gab es dabei dennoch zu erleben: Zum ersten Mal stimmte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) für die von ihm jahrelang bekämpfte Umgehungsstraße.

Noch im Januar hatte er zur großen Verärgerung der Gemeinderatsmehrheit verkündet, die lange beschlossene Trasse auf Eis zu legen. Die Verwaltung sollte ihre Arbeit am Planfeststellungsverfahren ruhen lassen und beispielsweise die eingegangenen Stellungnahmen nicht bearbeiten. Jedenfalls solange nicht eine neue Variante für die Umfahrung überprüft wurde, die nach ihrem Urheber "Bürgermeistertrasse" genannt wurde. Diese sei sowohl günstiger als auch flächenschonender, so Reitsberger. Zwar gab er nach massivem Protest und einem gemeinsamen Antrag von CSU und SPD die Blockade des Planfeststellungsverfahrens auf. Daran, dass seine Trassenvariante überprüft werden sollte, hielt er indes fest. Die Ergebnisse wurden nun im Gremium vorgestellt.

Die vom Gemeinderat beschlossene Umfahrung mit der Bezeichnung 8c sieht einen weiten Bogen im Norden, Osten und Süden von Weißenfeld vor. Dieser soll nach Norden Richtung Parsdorf und über die A94 führen. Die von Reitsberger ins Spiel gebrachten Varianten unterscheiden sich davon vor allem durch die Verlegung der Weißenfelder Umgehung in den Westen und Nordwesten der Ortschaft. Außerdem soll die Verbindung nach Parsdorf weiter westlich erfolgen - in einer Variante fehlt die Parsdorfer Umfahrung ganz.

Was sich natürlich stark auf die prognostizierte Entlastung auswirken werde, wie Verkehrsplaner Harald Kurzak nun im Gemeinderat erläuterte. Während 8c Parsdorf um 66 Prozent oder 3700 Fahrzeuge entlasten soll, Weißenfeld sogar um 72 Prozent, was 4300 Fahrzeugen entspricht, und Hergolding um 63 Prozent oder 1700 Fahrzeuge, ist es bei den Bürgermeistervarianten deutlich weniger. Am besten kämen noch die Weißenfelder weg, bei ihnen würden dann zwischen 56 und 66 Prozent weniger Autos durchfahren. In Parsdorf wären es zwischen 20 und gerade einmal acht Prozent und die Hergoldinger müssten sich sogar auf etwas mehr Verkehr einstellen, zwei bis sechs Prozent mehr Autos würden demnach durch ihre Ortschaft rollen.

Herbert Uhl (FW) warf dem Experten offen vor, die neuen Varianten "schlechtgerechnet" zu haben. Den Vorwurf erhob sein Fraktionskollege Peter Reitsberger nicht, er plädierte aber dafür, mehr Gewicht auf den Umweltschutz zu legen, auch wenn die Entlastung geringer sei. Was laut CSU-Fraktionschef Michael Niebler kaum möglich sei. Zwar könnte man eine solche Trasse beschließen, die wäre allerdings "nicht gerichtsfest". Gegen eine zu ineffektive Trassenführung könnte erfolgreich geklagt werden - "dann ist dieses Projekt für die nächsten zwei Generationen gestorben", in jeder Variante. SPD-Fraktionschef Sepp Mittermeier bezweifelte, dass die neuen Varianten billiger und landschaftsschonender seien. Schließlich seien sie über einen halben Kilometer länger, "wir haben alle Varianten untersucht, 8c ist die günstigste". Nicht zuletzt wegen der Zusage des Investors des Parsdorfer Gewerbegebietes, sich mit 4,5 Millionen zu beteiligen. Aber nur, wenn zumindest der nördliche Teil, der Parsdorf entlasten soll, bis 2023 fertig ist.

Dieser, Abschnitt eins und zwei genannt, soll auf jeden Fall gebaut werden, sagte nun auch der Bürgermeister. Was die anderen Abschnitte, die Weißenfeld im Norden und Süden umfahren, angeht, könne man sich aber weitere Optionen offen halten. Denn Reitsberger setzt auf einen Ausbau des Autobahnkreuzes samt Verlegung der Kreisstraße M18. Damit wäre eine Südumfahrung von Weißenfeld möglich - und sogar einigermaßen effizient, wie Planer Kurzak erklärte. Voraussetzung sei aber, dass die Nordverbindung zwischen der EBE4 und der Autobahn wie geplant gebaut werde. Reitsbergers Kompromissvorschlag lautete daher, diese Option explizit zu beschließen.

Dazu, wie sich diese Zweiteilung in einen Beschluss gießen lässt, gab es allerdings Klärungsbedarf. Axel Weingärtner (Grüne) warnte davor, eine halbe Umfahrung in die Landschaft zu stellen, dies führe zu Umwegen und Ausweichverkehr, etwa über die B304. Auch Mittermeier meinte, ihre Wirkung entfalte die neue Straße nur, wenn sie komplett fertig sei. Darum könne man die mögliche Neubewertung der Abschnitte drei und vier gerne mit aufnehmen - aber nur mit dem Zusatz, dass dadurch keine Verzögerung entsteht. Einer Formulierung, der wiederum Bürgermeister Reitsberger auf keinen Fall zustimmen wollte, "was ist, wenn es eine echte Verbesserung gibt, die aber zwei oder drei Jahre braucht?"

Nach einer kurzen Unterredung zwischen den Fraktionschefs und dem Bürgermeister wurde über den Zusatz getrennt abgestimmt - und die SPD zeigte sich bei ihrem Votum bereit, darauf zu verzichten. Gegenstimmen kamen daher nur von Grünen und FBU, die die Umgehung grundsätzlich ablehnen, sowie von den Freien Wählern Herbert Uhl und Wolfgang Schermann.