Ottersberg Musikalische Irlandreise

Mit Instrumenten wie der Fiddle, einer Bouzouki, Flöten und einem Akkordeon nehmen "More Maids" die Gäste auf einen Ausflug nach Irland mit.

(Foto: Hinz-Rosin)

"More Maids" eröffnen Ottersberger Sommerkonzerte

Von Peter Kees, Ottersberg

In Irland redet man gern übers Wetter, denn das irische Wetter kann unvorhersehbar sein. Auch bei der Eröffnung der Ottersberger Sommerkonzerte sprach man über das Wetter. Denn kaum waren die Scheunentore für das erste Konzert der Saison geöffnet, kam draußen heftiger Wind auf. Ein sommerliches Gewitter blieb aus, doch der Wind vor der Scheune zauberte Atmosphäre und tauchte die drei Damen auf der Bühne in fast irisches Ambiente. Die Balladen der Frauen entführten das Publikum mit Irish Folk nach Irland.

"More Maids" heißt die Irish Folk-Band mit Barbara Coerdt, Barbara Hintermeier und Marion Fluck, die mit ihren teils schaurigen Balladen und Liedern die diesjährigen Ottersberger Sommerkonzerte eröffnete. Aufhorchen ließen die drei Frauen vor allem mit ihrem dreistimmigen Gesang. Begleitet von typisch irischen Instrumenten wie der Fiddle, der irischen Bouzouki, diversen Flöten, Whistle und Akkordeon führten sie ihre Zuhörer in eine Welt der Sagen, Mythen und Legenden. Da wird von einer jungen Frau gesungen, die heimlich ein Kind zur Welt bringt, es nach der Geburt ersticht und später ein einsames Kind annehmen will.

Die Sängerinnen trugen Makabre und unheimliche Geschichten vor. Von unerfüllter Liebe und gebrochenen Herzen handelten die Gedichte der Lieder, von skurrilen und tragischen Begebenheiten: Von einer Frau, die in einem kalten Fluss schwimmt, dort von einem Mann herausgeholt und nach Hause gebracht wird. Als er sie dort freien will, wird er von ihr grob abgewiesen. Oder von einer Frau, die ihren Mann vor 40 Jahren im Krieg verloren hat, es nur noch nicht weiß und immer noch - ihr Hochzeitskleid tragend - auf ihn wartet. Berichtet wird auch von einem Mädchen, dass Schiffe ausraubt. Ihr Gesang wird als derart wunderschön besungen, dass die Seeleute deshalb trunken vor Glück einschlafen. Das Mädchen nimmt währenddessen alles mit, was sie auf dem Schiff findet und verschwindet.

Derart bezaubernd klang auch das Terzett in Ottersberg. Trotz der tragischen Geschichten mischte sich Leichtigkeit in die Musik. Die Momente, in denen Barbara Coerdt, Barbara Hintermeier und Marion Fluck a cappella vortrugen waren sicher die Höhepunkte. Zwischen den Liedern ließen sie rein instrumental irische Tanzmusik erklingen, typische Klänge. Da tönte die Fiddle Barbara Hintermeiers rhythmisch; das lautenähnliche Saiteninstrument - die irische Bouzouki - gespielt von Barbara Coerdt, ersetzte die Gitarre; und Marion Fluck entlockte ihrem Flöten- und Akkordeonspiel Klangfarben, wie sie irischer nicht sein könnten. Dass die drei Damen gar nicht aus Irland stammen, sondern aus Hannover, Mannheim und Grafing, war dabei Nebensache.

Der Irish Folk - im englischsprachigen Raum spricht man von Irish Traditional Music - ist nichts anderes als irische Volksmusik, die ursprünglich aus reinen Gesangsstücken bestand. Erst im 18. Jahrhundert kamen die Instrumente hinzu, die den heutigen Klang der irischen Folkmusik prägen. Übrigens: Auch die Ballade entstammt der Gattung des Tanzliedes.

Als Barbara Coerdt, Barbara Hintermeier und Marion Fluck die Bühne wieder verließen, dauerte es eine Weile, ehe die Reise von Irland zurück nach Ottersberg gelang. Denn die Musik und die Geschichten klangen noch eine gute Weile nach.

Ob die drei Damen nun mit ihrem Spiel den Wind wieder beruhigt hatten, der nach dem Konzert verzogen war, oder ob Irlands Wettergott nur ganz kurz mit irischen Grüßen vorbeigeschaut hatte, das wird wohl nie zu klären sein. Aber das ist wie mit den Geschichten der vorgetragenen Lieder: Was wahr, was Mythos ist, bleibt unbeantwortet. Sicher ist: Die drei Musikerinnen haben mit ihren Liedern dem zahlreich erschienenem Publikum einen zauberhaft irischen Abend geschenkt.