Oberpframmern 150 Jahre altes Bauernhaus muss weichen

Gemeinde kauft Areal im Ortszentrum - konkrete Pläne gibt es dafür aber noch nicht.

Von Anja Blum

Das ist Luxus: Die Gemeinde Oberpframmern hat für 851 000 Euro ein Grundstück gekauft, das sie momentan gar nicht braucht. Es handelt sich um ein 2700 Quadratmeter großes Areal im Ortszentrum, das genau in dem Spitz zwischen der Münchener und der Zornedinger Straße liegt. Momentan steht darauf noch ein altes Haus: Das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen stammt laut seinem Besitzer aus dem Jahr 1861 und war früher ein schmucker, ortsbildprägender Hof mit Wandmalerei.

Mittlerweile allerdings ist das Gebäude schon sehr in die Jahre gekommen - nur die zum Ortszentrum hin ausgerichtete Fassade zeugt noch von ehemaliger Stattlichkeit. "Das Haus ist völlig baufällig, da gibt es keinen Zweifel", sagt Oberpframmerns Bürgermeister Theo Rottmayer (FWG). Deswegen habe die Gemeinde es auch zur Bedingung gemacht, dass es der vormalige Besitzer noch abreißen lässt. Laut Rottmayer wird dies irgendwann in den kommenden drei Monaten geschehen, sobald der Landwirt seinen Aussiedlerhof fertig gebaut hat. "Erst dann fließt Geld."

Für den bisherigen Eigentümer Martin Lutz ist die Zerstörung seines Heimathofes, in dem er momentan noch lebt, freilich schon mit Wehmut verbunden - doch noch wichtiger ist ihm, dass sein landwirtschaftlicher Betrieb gut funktioniert. "Man muss auch einen Schlussstrich ziehen können", sagt er. Schließlich wäre für eine Sanierung des alten Hofes "sehr viel Geld und Zeit notwendig" gewesen. Also hat er sich dafür entschieden, an anderer Stelle, im Westen von Oberpframmern, von vorne anzufangen. Doch was tut die Gemeinde mit dem neu erworbenen, dann leeren Grundstück? "Wir werden erst einmal eine Art Ruhezone schaffen", sagt der Bürgermeister. Man wolle das Gelände auf jeden Fall bepflanzen, ein paar Bänke und eventuell einen Brunnen aufstellen. Schließlich habe man derzeit für den Grund keine andere Verwendung. Vor ein paar Jahren habe die Gemeinde schon einmal mit dem Grundstück geliebäugelt, um darauf ein neues Rathaus zu bauen, doch dann sei der Kauf nicht zustande gekommen. Infolgedessen erwarb man ein anderes Areal in der Münchener Straße 16, wo nun unter anderem das Rathaus und die Bücherei untergebracht sind. Trotzdem habe man sich dieses besondere Grundstück in der Ortsmitte nun sichern wollen, erklärt Rottmayer. "Für die Zukunft - wie auch immer die aussieht." In diesem Bestreben seien sich die Gemeinderäte alle einig gewesen. "Das Geld war ja auch da", sagt der Bürgermeister. Oberpframmern könne den Kaufpreis aus dem laufenden Haushalt und den Rücklagen bestreiten, ohne zusätzlich einen Kredit aufzunehmen. Was dann einmal auf dem Grund entstehen wird, darüber wolle er jetzt nicht spekulieren, sagt Rottmayer, denn: "Das werden meine Nachfolger entscheiden."

Zur jüngeren Generation der Lokalpolitiker in Oberpframmern gehört Tobias Scheller, Fraktionssprecher der CSU im Gemeinderat. Freilich verschwinde mit dem Hof ein Stück Ortsgeschichte, sagt er, doch die schlechte Bausubstanz mache eine Sanierung unmöglich. Und auch Scheller möchte sich nicht zu möglichen Bebauungen äußern. Ideen gebe es viele - doch etwas Konkretes sei noch nicht darunter. "Wichtig ist erst einmal nur, dass wir uns durch den Kauf Spielraum bei der Gestaltung der Ortsmitte geschaffen haben, und dieses Grundstück jetzt nicht mehr irgendwelchen privaten Bauträgern in die Hände fallen kann." Eine Verbesserung der Verkehrsführung, eine ortsbildverträgliche Bebauung - all das sei auf diese Weise möglich.